INSEKTEN: Der T-Rex unter den Käfern

Manch einem Käfer begegnet man an diesen warmen Tagen. Vielleicht auch einem «Tiger Beetle» oder Sandlaufkäfer, wie er bei uns genannt wird. Einer der schnellsten Käfer überhaupt.

Siegfried Keller
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Wegen seiner vermuteten Schnelligkeit und seinem kräftigen Kiefer mit den langen Zähnen gilt der Tyrannosaurus Rex als einer der gefrässigsten Raubsaurier. Vergleichbares, allerdings in Miniaturformat, existiert bei den Käfern; es sind die Sandlaufkäfer. Auch sie sind schnell und flink, und was ihre nadelspitzen, kräftigen Kiefer einmal gepackt haben, lassen sie nicht mehr los. Im englischsprachigen Raum werden sie deshalb «Tiger Beetles» genannt.

Die bis 16 Millimeter langen, einheimischen Sandlaufkäfer sind im Gegensatz zu den meisten anderen Laufkäfern bunt gefärbt. Sie haben arttypische auffällige, farbige Zeichnungen, teilweise mit metallischem Glanz. Trotzdem sind sie im Gelände gut getarnt. Ihre langen und schlanken Beine verleihen ihnen Schnelligkeit. Darüber hinaus sind sie auch gute Flieger. Davon machen sie auch bei Störungen Gebrauch, um sich allerdings schon nach wenigen Metern wieder niederzulassen.

Am ehesten in Kiesgruben anzutreffen

In der Schweiz kommen sieben Arten vor. Zwei davon sind auch in der Ostschweiz verbreitet, der Feldsandlaufkäfer, erkennbar am hellen Fleck auf den grün schillernden Flügeln, und der Berg- oder Waldsandlaufkäfer, erkennbar am Zackenmuster auf farbigen Flügeln. Wie der Name vermuten lässt, sind Sandlaufkäfer auf vegetationsarme Flächen angewiesen. Die beiden genannten Arten trifft man am ehesten in bewirtschafteten oder still gelegten Kiesgruben an. Sie sind vom zeitigen Frühjahr bis Ende Sommer aktiv. Auf besonnten Flächen, aber auch an steilen Sand- und Kiesabbrüchen machen sie Jagd auf Beute. Haben ihre grossen, leicht abstehenden Augen ein Insekt oder eine Spinne entdeckt, wird das Opfer nach einem kurzen Spurt überwältigt.Die Larven leben in selbst gegrabenen Erdhöhlen. Auch sie ernähren sich von Insekten und Spinnen. Ihr spezieller Körperbau ermöglicht ihnen eine eigene Fangtaktik. Sie lauern am Höhleneingang, wobei der abgeflachte Kopf und der Nackenschild den Eingang nahtlos verschliessen. Die halbkugeligen Augen sehen über den Höhlenrand hinaus und die nach innen gebogenen, spitzen Kiefer sind nach vorne und oben gerichtet. Kommt ein passendes Opfer in Reichweite, schnellt der Kopf blitzschnell nach vorn und packt die Beute. Sie wird anschliessend ausgesaugt.

Für diese Jagdtechnik sind neben der speziellen Anpassung von Kopf und Nacken Anpassungen am Körper notwendig. So besitzen sie auf dem Rücken und am Körperende je ein Paar Haken. Damit können sie sich einerseits in der Röhre verankern, andererseits ermöglichen sie auch schnelle Auf- und Abwärtsbewegungen in der Röhre. Am Ende ihrer Entwicklung, die je nach Nahrungsangebot ein bis zwei Jahre dauert, verpuppen sie sich am Grund der Röhre.

Wo Sandlaufkäfer günstige Lebensbedingungen vorfinden, ist ihr Bestand nicht gefährdet. Das Problem besteht vielmehr darin, dass solche Lebensräume in unserer Kulturlandschaft selten sind. Zudem ist die Natur bestrebt, kahle Flächen mit Pflanzen zu besiedeln. Durch Offenhalten der Lebensräume kann deshalb ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung dieser schmucken Käfer geleistet werden.

Siegfried Keller