«In Einzelfällen, vielleicht»

Musiker David Bowie ist drei Tage nach seinem Geburtstag gestorben. Und hat kurz zuvor ein neues Album herausgegeben. Da drängt sich die Frage auf: Lässt sich der Tod aufschieben, bis Wichtiges erlebt und abgeschlossen ist?

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Frauenfeld TG - Reportage Altersheim und Tod: Eine junge Pflegerin haelt die Hand eines Bewohners des Alters- und Pflegeheims Perlavita in Frauenfeld. (Bild: ky)

Frauenfeld TG - Reportage Altersheim und Tod: Eine junge Pflegerin haelt die Hand eines Bewohners des Alters- und Pflegeheims Perlavita in Frauenfeld. (Bild: ky)

Diese Frage mag nach Hokuspokus klingen. Doch auch Wissenschafter haben sich damit beschäftigt. Der US-amerikanische Soziologe David Phillips von der University of California in San Diego sei schon in den 1970er-Jahren fasziniert gewesen von der Vorstellung, dass Menschen ihren Körper anscheinend ausreichend unter Kontrolle haben, um ihr Dahinscheiden «um einen kurzen, aber oft entscheidenden Zeitraum zu verschieben», heisst es im Buch «Quirkologie – Die Wissenschaftliche Erforschung unseres Alltages». Als Beispiel führte Phillips die US-Präsidenten John Adams, Thomas Jefferson und James Monroe an. Sie alle starben am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag. Ob sie bis dann durchgehalten haben, um sich ein auffälliges Todesdatum zu sichern?

Phillips Thesen mögen faszinieren, doch sie waren umstritten. Und sind es noch immer. «Den Tod manipulieren zu können, das wäre eine tolle Geschichte. Analysiert man jedoch grössere Datensätze, lassen sich Phillips Zusammenhänge nicht nachweisen», sagt Vladeta Ajdacic-Gross, Privatdozent an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

«Wir wissen, dass für Menschen, die soeben einen geliebten Partner verloren haben, in den Wochen danach ein erhöhtes Sterberisiko besteht», sagt Karen Nestor, Oberärztin am Palliativzentrum des Kantonsspitals St. Gallen. Umgekehrt glaube sie, dass es in einzelnen Fällen möglich sei, «den eigenen Tod ein wenig hinauszuzögern, wenn man ein wichtiges Ziel vor Augen habe». Das sei aber weniger eine Frage des Willens als der Gesamtkonstitution, «zu der auch die seelischen Widerstandskräfte beitragen». (dbu)

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