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Immer mit offenem Maul

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Ein neue Ausstellung im Zoo Zürich zeigt, wo sich die faszinierenden Tiere verstecken, wie sie sich in der Dunkelheit zurechtfinden und wie man ihnen helfen kann.
Bruno Knellwolf
Bild: Quelle: Stiftung Fledermausschutz, Grafik: sgt/Selina Buess

Bild: Quelle: Stiftung Fledermausschutz, Grafik: sgt/Selina Buess

Für den Zürcher Zoodirektor Alex Rübel ist klar: «Nur wer Tiere kennt, wird Tiere schützen.» Das gilt insbesondere für die häufigste Säugetierart in der Schweiz: Die Fledermaus. Nicht nur, dass die Fledermaus gar keine Maus ist, sondern mit dem Igel verwandt ist. Immer noch ist ihr Ruf bei einigen Menschen ramponiert, die beispielsweise glauben, eine Fledermaus könnte ihnen in die Haare fliegen.

Wird sie nicht, weil dieses faszinierende Tier ohne anzustossen durch die dunkelste Nacht fliegen kann. Dafür muss es allerdings permanent rufen, um dank der Echo-Ortung den Weg zur Mücke zu finden. «Deshalb hat die Fledermaus permanent das Maul offen. Sie muss dauernd rufen, um ein Echo zu erhalten. Deshalb sieht man immer ihre Zähne, das wirkt aggressiv, weshalb sie viele als schauderhaft bezeichnen», sagt Hans-Peter Stutz, Präsident der Stiftung Fledermausschutz.

Stutz führt durch die «Fledermaus-Welt», welche morgen im Zoo Zürich eröffnet wird. Der erste von sechs Themenbereichen beschäftigt sich mit diesen Mythen und Vorurteilen, die sich um die fliegenden Säugetiere ranken. Dracula und Batman sind im Kuriositätenkabinett zu sehen, bevor es in die attraktiv gestalteten fünf wissenschaftlichen Themenräume geht.

Flug mit den Händen

In der Schweiz leben rund neunzig Säugetierarten, davon gehören dreissig zu den Fledermäusen. Am häufigsten ist die Zwergfledermaus. Die Fähigkeit zu fliegen ist für ein Säugetier etwas ganz Besonderes. Eigentlich fliegen Fledermäuse mit den Händen. Allerdings sind die mittleren Finger und die Mittelhandknochen wie auch der Unterarm stark verlängert. Die Flughaut spannt sich vom Oberarm über den Unterarm, die Finger und über das Fussgelenk bis hin zum Schwanz. Nur der kurze Daumen steht frei und trägt eine Kralle wie die fünf Zehen.

Um fliegen zu können, brauchen die Tiere überdimensionale Flügelspannweiten. Diese reichen von 20 bis 45 Zentimeter. Viel, bedenkt man, dass die dreissig Fledermausarten der Schweiz nur drei bis zehn Zentimeter lang sind. Zur Flugtauglichkeit gehört auch die Leichtigkeit des Säugetiers, das je nach Art lediglich zwischen drei und dreissig Gramm wiegt.

Verschiedene Flugstile

Die Art des Fliegens unterscheidet sich auch nach der Art: Einige haben schmale Flügel und fliegen schnell im offenen Luftraum. Andere mit kurzen und breiten Flügeln fliegen langsam und wendig nahe der Vegetation, im Geäst von Baumkronen oder dicht über der Wasseroberfläche.

In der Schweiz leben drei Fledermausfamilien. Die meisten Arten gehören zur Familie der Glattnasen, die keine Nasenaufsätze haben und ihre Ultraschall-Peilrufe durch den Mund ausstossen. Drei Arten gehören zur Familie der Hufeisennasen, die ihren Nasenaufsatz wie ein Megaphon nutzen und daraus ihre Ultraschall–Peilrufe von sich geben. Bleiben noch die Bulldoggfledermäuse mit nur einer Art, die Lefzen wie der im Namen genannte Hund hat. Da ihre Peilrufe im 10 bis 14 KiloHertz-Frequenzbereich liegen, können diese Rufe im Gegensatz zu den Rufen der anderen Fledermäuse vom Menschen gehört werden.

Auf ihren Flügen durch die Nacht vertilgen die Fledermäuse in der Schweiz jährlich 1000 Tonnen Fluginsekten, Nachtfalter und Käfer. Grosse Mausohren fliegen knapp über dem Waldboden und lauschen während des Flugs auf die Krabbelgeräusche von Käfern, die sie dann im Sturzflug erbeuten. Sieht man sich das Skelett des Schädels an, imponiert das Fledermaus-Gebiss. Grosse Eckzähne zum Packen und Töten, mehrspitzige Backenzähne zum Zertrümmern und Kauen von Insekten.

Puls von 1100

Um so viele Insekten fangen zu können, braucht es eine besondere Herzleistung. Im Flug schlägt das Herz einer Fledermaus über 1100mal pro Minute. Beeindruckend ist aber auch der Ruhepuls. Tagsüber und vor allem im Winterschlaf senken die fliegenden Säugetiere Herzschlag und Körpertemperatur deutlich ab, um Energie zu sparen. Die Körpertemperatur ist dann nur noch 5 Grad Celsius über der Umgebungstemperatur. Der Energieverbrauch einer Stunde im Wachzustand entspricht demjenigen von elf Tagen im Winterschlaf.

Kuscheltiere

Die Fledermäuse pflegen noch eine weitere Energiesparmassnahme: Das Kuscheln. Weil ihre kleinen Körper schnell Wärme verlieren, bilden sie oft dichtgedrängte Kolonien und hängen zusammen Körper an Körper an der Decke. Möglich ist das reglose Hängen nur dank eines Sehnensperrmechanismus, wenn die Fledermaus ihren Daumen biegt: Dank des Sperrmechanismus verzahnen sich die Strukturen von Sehne und Sehnenscheide, und die Fledermaus hängt ohne Kraftaufwand, selbst über ihren Tod hinaus.

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