Im strömenden Regen ist es am schönsten

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Der Postauto-Chauffeur schaut mich voller Mitleid an: «Wollen Sie wirklich bei diesem Wetter raus?» Es ist ein früher Novembermorgen, das Postauto leer, und es regnet kräftig. Auf der Fahrt von Olten hinauf zum Ausgangspunkt der nächsten Etappe des Jura-Höhenwegs war Zeit gewesen, die Regenhose und die Regenjacke aus dem Rucksack zu fischen. Tatsächlich hält sich die Begeisterung, wohl den ganzen Tag verregnet zu werden, in Grenzen – das lasse ich mir aber nicht anmerken und antworte gespielt munter: «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Sportbekleidung.» Den blöden Spruch hatte ein Allwetterskifahrer mal einem schlotternden Freund auf dem Skilift entgegnet.

Bald darauf unterwegs auf einem Waldweg, halte ich inne. Die Ruhe, das feine Prasseln der Tropfen auf der wasserdichten Bekleidung, das gedämpfte Rauschen von Regen und Wind in den Bäumen und Büschen – der Niederschlag entfaltet einen unerwarteten Zauber. Und schlägt sich in einem Glücksgefühl und einer Zufriedenheit nieder, die länger anhalten, als die Wanderschuhe dicht sind. Trotzdem. Dieser Regentag gehört mit zu den schönsten und bleibenden Erinnerungen an eine einwöchige Tour auf dem Höhenweg. Und war der bestandene Test, dass einer Weitwanderung im eher regnerischen Wales nichts mehr im Wege stehen würde.

Andreas Stock