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Im Pyjama die Welt retten

Menschen mit einer ehrenamtlichen Ader müssen längst nicht mehr um die Welt jetten. Auch vom Sofa aus, mit einem Laptop auf den Knien, kann man Gutes tun: Etwa Pinguine zählen, WCs empfehlen oder Blinden das Augenlicht leihen.
Virginia Alder

Ist es ein erwachsener Königspinguin? Oder doch ein Eselspinguin? Und liegt daneben ein Stein oder gar ein Ei? Wer sich auf die Seite www.penguinwatch.org begibt, fühlt sich ein wenig wie ein Polarforscher. Nur muss man dazu nicht zum Südpool reisen, sondern kann den Wissenschaftern bequem vom heimischen Sofa aus unter die Arme greifen. Das Forschungsprojekt der Oxford-Universität beobachtet Pinguinkolonien in der Antarktis, um die Auswirkung der Klimaerwärmung und der Fischerei zu studieren. Mit einem Computer oder einem Smartphone ausgestattet, können Freiwillige der Universität dabei helfen, die Pinguinpopulation zu zählen, indem sie digitale Fotos auswerten.

Aber nicht nur Pinguine zählen kann man vom Sofa aus. Wer etwa rollstuhlgerechte Läden, Toiletten oder Restaurants entdeckt, kann diese ganz bequem von zu Hause aus auf der Internetseite wheelmap.org in einer Online-Landkarte markieren. Und mit der App «Be My Eyes» können Sehende Blinden die Augen leihen. Eine blinde Person kann darauf Hilfe anfordern, um beispielsweise das Ablaufdatum auf der Milchpackung abzulesen. Der Helfer erhält daraufhin eine Nachricht und kann die Frage mittels Videochat beantworten.

Immer und überall helfen

Der Vorteil dieses Ehrenamt-Trends, der im angelsächsischen Online-Volunteering oder Micro-Blogging genannt wird, liegt auf der Hand: Ort, Zeitpunkt und Dauer der Freiwilligenarbeit können flexibel gestaltet werden. Ob abends auf der Couch oder sonntagmorgens im Pyjama. Laut Hannes Jähnert, Freiwilligenmanager und Blogger aus Berlin, ist die Online-Freiwilligenarbeit besonders bei Helfern sinnvoll, die ihren Arbeitsplatz oder ihr Zuhause nicht ohne weiteres verlassen können: «Das sind unter anderem Menschen, die zum Beispiel im Rollstuhl sitzen, aber auch Väter und Mütter mit Kleinkindern», so Jähnert. Ausserdem eigne sich diese Art des Engagements auch für Personen, die sich ihre freie Zeit nicht genau einplanen können.

Für jeden die passende Aufgabe

Das Angebot an ehrenamtlichen Aufgaben im Netz ist gigantisch und wächst stetig. Um den Überblick im Freiwilligen-Dschungel zu bewahren, hat Jähnert das Online-Volunteering grob in drei Bereiche unterteilt: Erstellen und Bearbeiten von Texten, Bildern und Videos, Beratung und Mentoring und Organisation und Koordination.

Zum ersten Tätigkeitsfeld gehören alle digitalen Güter, die sich übers Netz versenden lassen. Die UNO betreibt mit www.onlinevolunteering.org beispielsweise eine Plattform, die Freiwillige aus der ganzen Welt mit Organisation aus der Entwicklungszusammenarbeit in Kontakt bringt. Um den internationalen NGOs, Regierungen und Bildungsinstitutionen unter die Arme zu greifen, werden etwa Webdesigner, Grafiker oder Übersetzer gesucht. Das Feld der Freiwilligenberatung via Internet ist in der Schweiz mit der Plattform www.u25-ostschweiz.ch ebenfalls vertreten. Bei der Online-Beratungsstelle für suizidgefährdete Jugendliche können sich Freiwillige zu Krisenberatern ausbilden lassen, um die Jugendlichen per Mail auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten. Weil im Netz viele kreative Ideen generiert werden können, ist auch die Organisation und Koordination zu Recht ein eigener Bereich des Online-Volunteerings.

Wir brauchen Amateure im Netz

Auf die Frage hin, ob es nicht zu viele Amateure im Netz gibt, die den ehrenamtlichen Aufgaben nicht gewachsen sind, findet Jähnert klare Worte: «Amateur kommt vom lateinischen <amare>, was so viel wie <lieben> bedeutet. Es ist wunderbar, viele Amateure im Netz zu haben, denn wir brauchen Leute, die ihre Tätigkeit lieben.» Ausserdem sei das Ehrenamt ein Ort, wo man sich Kompetenzen und Qualifikationen erwerben könne. «Warum sich nicht für NGOs einsetzen und gleichzeitig sein eigenes Portfolio aufbauen?», fragt der deutsche Blogger.

Wikipedia sei ausserdem ein gutes Beispiel dafür, wie die Community die Qualität unter sich selbst regle, indem viele Personen an einem Eintrag beteiligt seien und dieser nach jedem Durchlesen besser werde. Noch viel wichtiger als bei einem Ehrenamt, das vor Ort stattfinde, sei beim Online-Volunteering aber die Kommunikation zwischen der Organisation und den Freiwilligen. Dafür dürfe gerne auch einmal ein persönliches Treffen stattfinden.

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