«Ich brenne für dich»

Der Valentinstag: Ein Anlass, tausend mögliche Arten, ihn zu feiern – oder eben nicht. Eine unvollständige Typologie der Liebesbekundungen.

Diana Bula
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Die Erwartungsvolle

Das Leben mag noch so kompliziert sein, eines ist sonnenklar: Am Valentinstag ist ER in der Pflicht. Frauen sollen zwar ins Kader aufsteigen können, gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, ohne ihn verreisen. Doch in einer Sache ist sie noch ganz die Traditionelle: Romantik, die muss von IHM ausgehen. Und das Schenken auch. Ihr Argument: Ein paar alte Werte braucht die moderne Welt noch. Welche, das bestimmt sie.

Was sie gut macht: Sie halbiert die Paaresbilanz im Konsumwahn rund um den Valentinstag.

Was sie besser machen könnte: Gleichstellung hört nicht bei der Romantik auf. Deshalb: Ihn mit einem Berghüttenwochenende überraschen und sich für all die bisherigen, untätig verbrachten Valentinstage revanchieren.

Der Überschwengliche

5.55 Uhr. Das erste SMS: «I-C-H L-I-E-B-E D-I-C-H». Natürlich Grossbuchstaben, dahinter ein Smiley mit Kussmund, drei Herzen, eine Rose. Um halb acht ein Anruf mit gleicher Botschaft. Mittags: «I burn 4 you» – «Ich brenne für dich», wieder per SMS. Abends liegt beim Candle-Light-Dinner ein Zettel unter der Serviette: «Du bist das Beste, was mir je passiert ist.»

Was er gut macht: Er kehrt sein Innerstes nach aussen. Und das nicht nur, weil heute der Tag der Liebe ist.

Was er besser machen könnte: Weniger wäre mehr. Eine persönliche Liebeserklärung auf Papier (ohne aufgeklebte Herzen, ohne aufgesprühtes Parfum, ohne Kosenamen) statt Floskeln auf dem Display – und Amors Pfeile würden zielsicherer ins Herz treffen.

Der Einfallslose

Er vergisst zwar keinen Geburtstag, keinen Namenstag und auch nicht den Valentinstag. Nur an Ideen mangelt es ihm («Kreativität ist Frauensache!»). Deshalb gibt es jedes Jahr einen Blumenstrauss von der hübschen Floristin (sie wird schon wissen, was Frauen mögen). Auf die Karte kommt ein Zitat aus dem Internet, aus der hintersten Schubladenecke klaubt er eine übriggebliebene Packung «Mon Chérie». Die Kirsche ist noch da, der Schnaps aber längst verdunstet.

Was er gut macht: Manchen Frauen ist es peinlich, wenn er für sie mit Kerzen ein Herz in den Schnee steckt. Sie mögen es pragmatisch, nicht auffällig. Glück für ihn!

Was er besser machen könnte: Laut einer Studie wünschen sich nur vier Prozent der Befragten Blumen zum Valentinstag. Und Schokolade aus dem Vorrat, na ja… Ein selbstgemachter Schoggikuchen in Herzform schmeckt der Liebsten bestimmt besser.

Der Wiederholer

Er hat einmal alles richtig gemacht. Jedenfalls hatte sie damals reagiert, als hätte er alles richtig gemacht. Und deshalb wiederholt er das bewährte Konzept immer wieder. Picknick einpacken, eine Fahrt ins Blaue machen und eine Bucht suchen, in der es sich ungestört aufs Wasser blicken und schmusen lässt. Fast wie in den Filmen von Rosamunde Pilcher. Die Kulisse bleibt, nur die Hauptdarstellerin wechselt, sobald es aus ist.

Was er gut macht: Er verstellt sich nicht. Männer speichern Schenkerfolge laut Psychologen dauerhaft ab und setzen deshalb immer wieder auf das gleiche. Auch Musiker Justin Timberlake ergeht es so. Er überraschte seine Frau Jessica Biel mit dem identischen Surfbrett wie einst seine Ex Cameron Diaz.

Was er besser machen könnte: Wer ist schon gerne austauschbar? Eine klitzekleine Adaption des Programms an die aktuelle Frau, das wäre nett.

Die Kitschige

Geht es nach ihr, trinkt er seinen Kaffee fortan aus der Tasse mit der Aufschrift «Schatzi». Und guckt jeden Tag auf die Collage mit den Ferienfotos, die sie hinter dem Bett an die Wand geklebt hat. Natürlich hat sie in der Videothek sämtliche Nicholas-Sparks-Verfilmungen ausgeliehen, ein Garant für Emotionen und die Gelegenheit, an seiner Schulter eine Träne zu verdrücken. So dass er sich ganz stark fühlt.

Was sie gut macht: Ihr Wille für den perfekten Tag ist gross, sehr gross.

Was sie besser machen könnte: Verstehen, dass Männer und Frauen unterschiedlich ticken – und er solche Filme nur schaut, um ihr etwas zuliebe zu tun.

Der Ins-Bett-Krieger

Erika war vorgestern, Simone gestern, heute ist eine andere an der Reihe. Sie hat seine Avancen bisher ignoriert, doch den Valentinstag will sogar sie nicht allein verbringen. Und so kocht er, obwohl er sonst nie kocht. Mit Chili, Kardamom, Nelkenpulver, Hauptsache aphrodisierend. Zum Nachtisch: Schoko-Bodypainting.

Was er gut macht: Er schaut kulinarisch über Europa hinaus.

Was er besser machen könnte: Klare Ansage. Es geht ihm um nette Gesellschaft für eine Nacht und nicht viel mehr.

Der Delegierer

Er hat selten viel Zeit. Und so macht er heute, was er sonst im Geschäftsleben tut. Er delegiert. Statt seine Liebste selber zu massieren, schenkt er ihr einen Massagegutschein, auch den Liebesbrief gibt er in Auftrag, gegessen wird auswärts. Und damit er nicht selber an den gefühlsduseligsten aller gefühlsduseligen Tage denken muss, hat er beim Blumenladen seines Vertrauens ein 10-Jahres-Abo gelöst.

Was er gut macht: Er macht kein Geheimnis daraus, dass ihm anderes wichtiger ist als die Liebe. Sie weiss es – und stellt sich drauf ein. Oder geht. Rund um den Valentinstag kommt es laut einer Studie zu deutlich mehr Trennungen als in anderen Monaten.

Was er besser machen könnte: Es muss ja nicht unbedingt am Valentinstag sein. Aber irgendwann in den kommenden 365 Tagen findet sich garantiert ein Zeitfenster für ein Tête-à-Tête, ganz ohne Handlanger, ohne Handy, ohne Anrufe.

Die Enttäuschte

«Nein, wir schenken uns nichts zum Valentinstag», hat sie wochenlang betont. Nun ist es 23.55 Uhr, noch fünf Minuten bis zum 15. Februar. Noch fünf Minuten, ehe die Enttäuschung durchbricht. Bisher nichts ausser eines leidenschaftlichen Kusses. Dass er sich an die Abmachung hält, damit hat sie nicht gerechnet. Grund genug, sich zu zanken.

Was sie gut macht: Nichts.

Was sie besser machen könnte: Begreifen, dass auf Worte Taten folgen – oder eben keine. Und: Aufhören, die Liebe an Geschenken zu messen.

Der Coole

Er hält vom Valentinstag so viel wie Vegetarier von Entenleber. Um ein Zeichen gegen den «kommerziellen Quatsch» zu setzten, führt er seine Herzensdame einen Tag früher aus – am 13. Februar, an einen Fastfood-Stand statt in ein edles Lokal mit Valentinstagsmenu. Das Hemd hat er gegen ein T-Shirt getauscht, auf dem steht: «Liebe liegt in der Luft – versuche, nicht zu atmen.»

Was er gut macht: Den Valentinstag sabotieren und seine Herzensdame dennoch ausführen.

Was er besser machen könnte: Seine Parodie perfektionieren. Wem gelingt es, die unromantischste Karte zu schreiben? Weshalb nicht noch in die Karaokebar ziehen? «My Heart Will Go on» von Céline Dion, ein passend schmalziger Abschluss für diesen Tag.

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Pile of Valentines candies - one with "my love" text (Bild: (59990995))

Pile of Valentines candies - one with "my love" text (Bild: (59990995))

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