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«Ich bin gerne im Darknet»

Gleich umarmt Dr. Lüdi (Andres Lutz) sein Handy. (Bild: Benjamin Manser)

Gleich umarmt Dr. Lüdi (Andres Lutz) sein Handy. (Bild: Benjamin Manser)

Kabarett Andres Lutz verwirrt und überfordert seit Jahren als Dr. Lüdi sein Bühnenpublikum. Lustig, kompliziert, schräg – so charakterisiert der eine des Künstlerduos Lutz/Guggisberg seine Soloprogramme. Am Samstag gab er im prall gefüllten Palace seinen neusten Streich zum Besten. Nach eineinhalb Stunden verlässt man den Saal mit gemischtem Eindruck: In der ­zweiten Hälfte verwandelt sich Lutz in einen grotesken, buddhistischen Steinzeitmenschen und verwurstet Menschheitsgeschichte, Röhrenwürmer und digitalen Irrsinn. Schrille Hirnakrobatik, aber so mag er es: «Ich mache meine Programme für Leute, die es auch mal als Lust empfinden, nicht permanent den Überblick zu haben, dafür am Ende einen umso tieferen», antwortete Andres Lutz kürzlich dem «Tages-Anzeiger».

Die Veräppelung der Comedy-Gag-Maschine scheint ihm ein Herzensanliegen. Mit clownesken Parodien startet er: Als trotteliger Bühnenmagier zieht er einen endlosen Seidenschal aus dem Hosenschlitz und zaubert unter einem Tuch ein Dutzend Handys hervor, die er innig umarmt. Aber oh weh: «Du willst erst wieder am Dienstag?», liest er enttäuscht auf der App. Die digitale Welt ist ein dadaistischer Albtraum mit virtuellen Existenzen. Wacht man als Pokémon, Avatar oder gar Carmen auf? Die neueste Netflix-Serie saugt man mit dem Handy auf der Brust gleich intravenös in sich, auf dass einem die Story als eigene Kindheitserinnerung vorkommt. Lutz aber treibt sein Spiel ins Mythische, in die grosse Zivilisationsgeschichte, ins formal Avantgardistische weiter. Konsequent und ziemlich ­anspruchsvoll. (hak)

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