Ich bereue nichts und erinnere gern

Mein Leben ist nicht einfacher geworden, seit ich für «Schöne Töne» schreibe – aber um einiges amüsanter. Denn seit meinem ersten Text dieser Art werde ich immer wieder von Leuten angesprochen, die glauben, alles über mich zu wissen.

Anina Rütsche
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Bild: Anina Rütsche

Bild: Anina Rütsche

Mein Leben ist nicht einfacher geworden, seit ich für «Schöne Töne» schreibe – aber um einiges amüsanter. Denn seit meinem ersten Text dieser Art werde ich immer wieder von Leuten angesprochen, die glauben, alles über mich zu wissen. «Häsch du das würklich so erläbt?», heisst es dann, und auf die Frage folgt ein verlegenes Lachen, worauf ich ebenfalls lache, wenn auch aus einem anderen Grund. Es gab eine Zeit, damals in den 1990ern, in der ich als begnadete Geschichtenerfinderin bekannt war. Meine Werke gab ich vorzugsweise in Ferienlagern zum besten, und die Wahrheit spielte darin – nun ja – eine Nebenrolle. Einige Jahre später versuchte ich mich zwischen Matura und Studium als Praktikantin bei der Zeitung. Dort waren Flunkereien des Teufels, also freundete ich mich mit den Fakten an. Da ich ausserdem seit rund 20 Jahren täglich Musik höre, sind viele meiner persönlichen Erinnerungen mit Liedern verknüpft – was gerade bei unangenehmen Erinnerungen nicht nur angenehm ist. Das Beste, was sich aus dieser Situation machen lässt, sind meiner Meinung nach die «Schönen Töne». Die perfekte Rubrik, um in Erinnerungen zu schwelgen und Altlasten abzubauen. Wahr ist alles, aber wissen tut die geneigte Leserschaft deswegen immer noch fast nichts. Oder, um es mit den poetischen Worten aus Gotthards «C'est la vie» zu sagen: «Some say remember / some say forget / some say it matters / some just regret.» Ich bereue nichts.

Gotthard: «C'est la vie», Bang!, 2014