Hunger macht aggressiv

Unser Gehirn braucht Energie. Lässt die Nahrungszufuhr nach, reagieren Menschen gereizt. Das haben Forscher in mehreren Experimenten erhärtet.

Martin Vieweg
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Warum so gereizt? (Bild: fotolia)

Warum so gereizt? (Bild: fotolia)

In vielen Partnerschaften fliegen gelegentlich die Fetzen. Wenn die Stimmung sowieso bereits gereizt ist, reichen oft schon kleine Meinungsverschiedenheiten. Hunger gilt in diesem Zusammenhang als ein ungünstiger Faktor – er macht viele Menschen aggressiv, heisst es.

107 Paare als Testpersonen

Dies bestätigt nun eine Studie von US-Forschern: Die Aggressivität dem Partner gegenüber steigt demnach tatsächlich deutlich an, wenn Menschen einen niedrigen Blutzuckerspiegel aufweisen – also Hunger haben. Diesen Effekt zeigen die Forscher durch mehrere Experimente. An der Studie der Forscher um Brad Bushman von der Ohio State University in Columbus nahmen 107 verheiratete Paare teil. Vor Beginn der Experimente ermittelten die Wissenschafter den Grad der Beziehungszufriedenheit durch einen Fragebogen.

Die Voodoo-Puppe zeigt's

Über einen Zeitraum von 21 Tagen erfassten sie dann jeden Abend den Blutzuckerspiegel (Glukosegehalt im Blut) der Testpersonen und baten sie parallel dazu zu einem bizarren Ritual: Alle Teilnehmer bekamen eine Voodoo-Puppe, die ihren jeweiligen Partner repräsentierte, und dazu ein Set aus 51 Nadeln. Von diesen sollten sie entsprechend ihrer Wut auf Ehemann beziehungsweise Ehefrau 0 bis 51 in die Partner-Puppe stechen. Die Auswertungen der Voodoo-Rituale an den 21 Abenden zeigten: Je niedriger der Blutzuckerspiegel des jeweiligen Teilnehmers war, desto mehr Nadeln stachen er oder sie in die Voodoo-Puppen. Um dieses Ergebnis zu bestätigen, führten sie noch einen weiteren kuriosen Versuch durch: Diesmal wurde der Blutzuckerspiegel im Zusammenhang mit dem Verhalten der jeweiligen Partner bei einem Spiel am Computer gemessen.

Zu wenig Blutzucker

Den Forschern zufolge entsteht der Effekt vermutlich dadurch, dass bei niedrigem Blutzuckerspiegel die Fähigkeit des Menschen zur Selbstkontrolle schwindet. Zur Unterdrückung von Aggression benötigt das Gehirn demnach Energie, die es aus Glukose gewinnt. Bei unserem Denkorgan handelt es sich um einen ausgesprochenen Energiefresser: «Obwohl unser Gehirn nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es zwanzig Prozent der gesamten Kalorienzufuhr», sagt Bushman. Sinkt die Versorgung, reagiert es also offenbar gereizt.

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