Hoeness akzeptiert Haftstrafe

Ex-Bayern-Boss Uli Hoeness ficht die Gefängnisstrafe von 3,5 Jahren nicht an. Seine Ämter beim FC legt er nieder. Hoeness-Biograph Bausenwein vermutet, dass der 62-Jährige die Affäre noch nicht ausgestanden hat.

Christoph Reichmuth/Berlin
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Überraschende Wende im Fall Uli Hoeness: Der scheidende Bayern-Boss verzichtet darauf, das am Vortag gesprochene Verdikt von dreieinhalb Jahren Gefängnis anzufechten. «Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen», heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme Hoeness' auf der Homepage des FC Bayern München. «Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen stelle ich mich.» Seine Ämter beim FC Bayern München hat er niedergelegt. Adidas-Chef Herbert Hainer ist als Nachfolger bis auf weiteres Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG. Er hatte bisher dem neunköpfigen Aufsichtsrat angehört. Karl Hopfner soll laut «Focus.de» neuer Bayern-Präsident werden; er ist schon Vizepräsident.

Post von der Justiz

Vorausgesetzt, die Staatsanwaltschaft, die eine Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert hat, legt gegen das Urteil des Landgerichts München II ebenfalls keine Revision ein, wird Hoeness demnächst seine Haftstrafe antreten. Innerhalb der nächsten drei Monate dürfte der 62-Jährige, der Steuern in der Höhe von mindestens 28 Millionen Euro hinterzogen hat, Post von der Justiz mit der Aufforderung erhalten, sich bei der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Landsberg am Lech einzufinden. In der 70 Kilometer ausserhalb von München gelegenen, 565 Insassen zählenden Haftanstalt muss der Bayern-Patron mit dem geschätzten Vermögen von 500 Millionen Euro seine Strafe absitzen.

Die bayrische JVA, in der 1923 auch Adolf Hitler einsass, gilt als komfortabel. Ehemalige Insassen loben über knast.net die «Vielzahl an Freizeitbeschäftigungen wie Tischtennis, Malerei, Lauftreff u. v. m.», die in freundlichen Farben gehaltenen Zellen sowie «eine der wohl besten Knastküchen Deutschlands». Wie lange Hoeness in Vollgefangenschaft bleibt, ist unklar. Der Berliner Strafverteidiger Tobias Glienke geht davon aus, dass der Fussballmanager schon nach zwei bis drei Monaten in den offenen Vollzug wechselt, frühestens nach 21 Monaten könnte er auf freien Fuss kommen und die Haftstrafe auf Bewährung ausgesetzt werden.

Die Entscheidung von Uli Hoeness wurde gestern mit viel Zuspruch aufgenommen. Fans lassen ihren «Uli» hochleben, die Kanzlerin zollte ihm Respekt, der bayrische CSU-Ministerpräsident und Hoeness-Freund Horst Seehofer bezeichnete den ehemaligen Fussballprofi als «Mensch mit Format». Selbst Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, für scharfe Kritik an Steuerhinterziehern bekannt, fand anerkennende Worte auf seiner Facebook-Seite («Respekt!»).

Geradestehen? Druck? Angst?

Viele stellen sich nun Fragen: Ist Hoeness der Geläuterte, der für seine Untat geradestehen will? Gab es Druck auf ihn, vom FC Bayern München, aus der Politik? Oder verliess Hoeness schlicht die Kraft, weiterhin am medialen Pranger zu stehen, bis 2015 das definitive Urteil vorliegen würde? War gar Angst im Spiel, es könne noch mehr ans Licht kommen?

Lediglich spekulieren über die Beweggründe kann auch Christoph Bausenwein, Autor des Buches «Das Prinzip Uli Hoeness». «Es ist vielleicht eine Mischung aus alledem. Hoeness wird erkannt haben, dass die Verbüssung seiner Strafe in Haft die einzige Möglichkeit ist, die Affäre mit einem gewissen Stil zu beenden.» Allerdings ist Bausenwein sicher, dass der Druck auf Hoeness nicht nachlassen wird. Zu viele Ungereimtheiten gibt es im Zusammenhang mit seiner Börsenzockerei. «Woher kommt das ganze Geld? Der Prozess hat darauf keine Antworten geliefert.» Bausenwein schätzt, dass Hoeness 10 Millionen Euro pro Jahr verdient. Die Frage stelle sich, wie er mit Millionen in der Schweiz zocken, zugleich auch über ein legales Konto in Deutschland 119 Millionen Euro verspekulieren konnte. «Die Zahlen passen nicht zusammen.» Der Ehrgeiz der Medien dürfte angefacht sein, nachzuforschen. So setzt auch Bausenwein Fragezeichen – etwa hinter die Zahlung des Ex-Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus, der dem Bayern-Manager im Jahr 2000 20 Millionen D-Mark auf das Vontobel-Konto überwies. Das Geschäft liege zeitlich verdächtig nahe am Einstieg von Adidas als Bayern-Sponsor. «Die Sache ist nicht ausgestanden.»

Nichtsdestotrotz: Bausenwein glaubt an eine Rehabilitation von Uli Hoeness – sofern nicht weitere dubiose Geldgeschäfte aufgedeckt werden: «Die Mittagessen mit der Kanzlerin sind vorbei. Aber eine Rückkehr in die Bayern-Familie ist sehr wahrscheinlich. Ich gehe davon aus, dass Hoeness nach seiner Haft zum Ehrenpräsidenten ernannt wird.»

Faustbrote für die Journalisten

Was in Uli Hoeness wirklich vorgeht, das wissen nur wenige. Möglicherweise ist die Aussicht, die Affäre in zwei Jahren durchgestanden zu haben, eine Erleichterung für den ehemaligen Bayern-Manager. Reporter, die gestern das Grundstück vor Hoeness' Haus in Bad Wiessee belagerten, wurden von ihm jedenfalls mit Wurstbroten versorgt. Eine Mitarbeiterin des 62-Jährigen überbrachte die Faustbrote: «Schöne Grüsse von Uli Hoeness. Nehmen Sie. Es sind keine Handgranaten drin.»