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HITS: Seit 50 Jahren jede Woche Nummer 1

Bestechung, Streaming, Manipulationen: Die Schweizer Hitparade hat eine bewegte Geschichte und ist noch immer eines der beliebtesten Radioformate. Ein Blick zurück auf fünfzig Jahre Charts, in denen sich die Datenerhebung stark verändert hat.
Nick Joyce
Da hiess die Sendung «Bestseller auf dem Plattenteller»: Alexander Felix 1969 im Radiostudio. (Bild: SRF)

Da hiess die Sendung «Bestseller auf dem Plattenteller»: Alexander Felix 1969 im Radiostudio. (Bild: SRF)

Nick Joyce

Lange nach ihrer Erstausstrahlung am 2. Januar 1968, es war ein Dienstag, war die Schweizer Hitparade das Schmuddelkind des damaligen Radio DRS. Unter dem etwas steifen Banner «Bestseller auf dem Plattenteller» wurden jede Woche die zehn meist verkauften Vinyl-Singles in voller Länge gespielt. Obwohl das Sendeformat mit Beatles-Signet sehr schnell sehr verstaubt wirkte, hielt die SRG so lange daran fest, bis Privatradios sie zur Modernisierung zwangen.

Eine Albumhitparade erhielt die Deutschschweiz erst am 6. No­vember 1983, also in der Startwoche des Popsenders DRS 3 (heute: SRF 3). In den Folgejahren wurde die Chartshow, die nach britischem Vorbild am Sonntagnachmittag ausgestrahlt wurde, zum Fixpunkt im Wochenplan vieler Jugendlicher. ­ Bis heute beschert sie SRF 3 Höchstquoten mit rund 500000 Hörerinnen und Hörern.

Youtube noch nicht berücksichtigt

Die Kriterien, nach denen die Hitparade unterdessen erhoben wird, sind andere als 1983. Weil der Tonträgerverkauf eingebrochen ist, basiert die Schweizer Single-Hitparade nun auf einem komplexen Datenmix. Physische Verkäufe und bezahlte Downloads werden berücksichtigt, seit 2014 fliesst das Musikstreaming über Plattformen wie Spotify ein. Um der unterschiedlichen Wertschöpfung Rechnung zu tragen, werden 108 Streaming-Abrufe mit einem Downloadverkauf gleichgesetzt. Der Beimischungsfaktor werde regelmässig überprüft, erklärt Andy Renggli, General Manager des Zürcher Marktforschungsinstituts GFK Entertainment AG, das die Hitparade im Auftrag der Ifpi Schweiz, des Branchenverbands der Plattenfirmen, seit über dreissig Jahren erstellt. Noch nicht berücksichtigt ist Musik, die über das Youtube konsumiert wird. Das, obwohl die Google-Tochter weltweit geschätzte 800 Millionen Musikhörer erreicht.

Dieser Datenmix ist zeitgemäss, er kann aber problematisch werden. In Grossbritannien hat der Einbezug von Streamingdaten zu Verzerrungen geführt. Kurz nach der Veröffentlichung seines Albums «÷» hatte der Singer-Songwriter Ed Sheeran 16 Titel in den britischen Top 20. Grund dafür war, dass die Streams sämtlicher Songs einzeln in die Single-Charts eingeflossen waren – obwohl Sheeran nur drei Titel ausgekoppelt hatte. Dagegen hat die GFK Entertainment ein Rezept: «Wir haben die Regelung, dass nur die drei erfolgreichsten Tracks eines Künstlers in den Charts gelistet werden.» Wobei diese Klausel unter besonderen Umständen gelockert wird: Als Michael Jackson 2009 verstarb, wurden die Pforten für alle zehn Jackson-Songs geöffnet, die der Sony-Konzern auf den Markt geworfen hatte.

Bis 2012 war das Reglement der Schweizer Hitparade nicht öffentlich einsehbar. Durch die Geheimhaltung erhoffte sich die Ifpi Schutz vor Manipulationsversuchen. Renggli: «Die Digitalisierung bei der Erhebung und der Kontrolle der Chartdaten hat das Manipulationsrisiko verringert.» Die Händler geben ihre Zahlen heute per Datafeed und Upload an die GFK Entertainment weiter. Das Marktforschungsinstitut könne Paketverkäufe und auffällige Häufungen schnell feststellen. «Auch haben wir erkannt, dass die Geheimhaltung zu wilden Spekulationen über die Korrektheit anregte.»

Eigene Band in Charts eingeschleust

Grund für Spekulationen gab es allemal. Für Geschenke und Auslandsreisen liessen die sich Mitglieder der Ifpi dazu verführen, die Verkäufe einzelner Titel künstlich aufzubauschen. Weil die Plattenläden ihre Daten bis in die 1990er-Jahre von Hand notierten und per Telefon oder Fax weitergaben, konnte diese niemand überprüfen. Legendär ist die Geschichte eines Sony-Mitarbeiters, der seine Band Steamtrain 1995 über gezielte Einkäufe in Läden, die sich an der Charts-Erhebung beteiligten, in die Hitparade einschleuste. Indem die Schweizer Ableger der Musikmultis EMI, Warner, Universal und Sony Ladenketten wie City Disc und Ex Libris beim Einkauf potenzieller Bestseller Monsterrabatte gewährten, kurbelten sie die Verkäufe dieser Titel an. Manche Händler rächten sich, indem sie sich aus der Hitparadenerhebung zurückzogen. Geholfen hat das wenig: Der Fachhandel ist so gut wie ausgelöscht.

Auch so tauchen Schweizer Künstler weniger oft in den Hitparaden auf. Bei den globalen Streaming-Plattformen fallen sie kaum ins Gewicht. Deshalb setzt sich die Ifpi Schweiz dafür ein, dass Streaming-Plattformen nationale Playlists aufschalten und einheimischen Künstlern zu mehr digitaler Präsenz verhelfen. Welche Auswirkung das auf die Hitparade haben wird, ist ungewiss.

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