Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HISTORISCHES UND VÖLKERKUNDEMUSEUM: St. Gallen macht sich schön

Kleider aus 250 Jahren bestreiten die Hauptausstellung des Jahres. Auch die Römer am Bodensee werden ein Thema sein – und Carl August Liners Druckgrafik.
Rolf App

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Unten im Kulturgüterschutzraum, der durch den Auszug des Naturmuseums frei geworden ist, kann man einige von ihnen hängen sehen: Kleider, die das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen seit seinen Anfängen in den 1860er-Jahren sammelt und die nun einen Teil seiner insgesamt 70000 Objekte ausmachen. 250 Jahre Modegeschichte kommen da zusammen, «Alltagskleider aus dem ganzen Kanton und keine Designerkleider», sagt die Kuratorin Monika Mähr. Immer wieder ist Neues hinzugekommen – und soll nun eine grosse Bühne bekommen.

«Wir werden mit unserem Modebestand Ende April die grosse Ausstellung des Jahres bestreiten», sagt der Museumsdirektor Daniel Studer bei der Präsentation des Programms. 300 dem Museum überlassene Kleider der Schweizerischen Textilfachschule haben den Anlass geliefert zu einer Kooperation: Studentinnen und Studenten der Fachhochschule werden mit modernen Kreationen einen Bezug zur Gegenwart herstellen, auch Gemälde werden integriert in diesen Blick zurück.

Aufwendig restaurierte historische Kleider

Die historischen Kleider sind zum Teil aufwendig restauriert worden. «Von den Besitzerinnen der Kleider weiss man wenig», sagt Monika Mähr. Immerhin: «Eines der Kleider gehörte um 1830 der Enkelin von Kantonsgründer Müller-Friedberg.»

Das Historische und Völkerkundemuseum ist ein verwinkeltes, wuchtiges Haus von ganz eigener Prägung, die auch – zusammen mit der St. Galler Museumslandschaft insgesamt und sehr begrenzten Mitteln – die Ausstellungspolitik stark mitbestimmt. «Unsere Ausstellungen richten sich nach den Materialien, über die wir verfügen», sagt Daniel Studer. Und manchmal auch nach den Gelegenheiten: Die im November startende Präsentation der Druckgrafik von Carl August Liner etwa würde man eher im Kunstmuseum Appenzell erwarten, das ja als das Liner-Museum gelten muss. Glücklicherweise aber wird Liners Nachlass von einer eigenen, vom Museum getrennten Stiftung verwaltet. Die nun ganz froh ist um diese Gelegenheit. Einen Bezug zu St. Gallen gibt es auch: Carl August Liner stammt aus St. Gallen. Dass er kein Thema für das benachbarte St. Galler Kunstmuseum ist, hängt wiederum mit dessen Orientierung in Richtung Gegenwartskunst zusammen. Lachender Dritter ist das Historische Museum. «Liner ist ein Pionier des Holzschnitts», erklärt die Gastkuratorin Sabine Hügli.

Kleinere Ausstellungen werfen Schlaglichter auf politische Themen: Eine vom Schweizerischen Jüdischen Gemeindebund erarbeitete Wanderausstellung mit Porträts von Schweizer Juden wird ergänzt durch einen Nordostschweizer Bezug. «Sie knüpft für einmal nicht am Holocaust an, auch wenn er doch immer wieder eine Rolle spielt», sagt die Kuratorin Isabella Studer-Geisser. «Nacht über Deutschland» heisst ein Linolschnitt-Zyklus von Clément Moreau, der unter anderem in St. Gallen als Zeichnungslehrer gearbeitet hat und dem eine weitere kleine Ausstellung gewidmet ist.

Eine Stadt des Jugendstils

Immer wieder ist auch die Stadt St. Gallen ein Thema für dieses Museum. Ihre vor hundert Jahren vollzogene Verschmelzung mit den Gemeinden Tablat und Straubenzell gibt Gelegenheit, jenen Jugendstil lebendig werden zu lassen, der jene Zeit prägt und mit den Worten Isabella Studer-Geissers «in St. Gallen auch baulich besonders stark präsent ist. Wir wollen damit auch Sensibilität für die gebaute Umwelt wecken.»

Andere Jubiläen lässt das Museum links liegen – etwa jenes des Landesstreiks im November 1918, der zusammenfiel mit dem Wüten der Spanischen Grippe auch in unserem Landesteil. Auch die 68er-Bewegung wird kein Thema sein.

Dafür darf man sich auf eine breit angelegte Kooperation auf den Spuren der Römer freuen. «Zwölf Partner aus vier Staaten spannen zusammen», erklärt Sarah Leib von der archäologischen Abteilung. «In rund 150 Objekten ­beleuchten wir die Zeit von etwa Christi Geburt bis ins 3. Jahrhundert, als viele Innovationen der ­Römer in den Norden gelangt sind.» Aus dem Kanton St. Gallen werden vor allem Objekte aus Kempraten am Zürichsee zu ­sehen sein. Ein anderes hat es ­sogar aufs Ausstellungsplakat ­geschafft: Ein in St. Margrethen gefundener metallener kleiner Delfin, der als Verzierung eines Reisewagens diente. «Eine Art Mercedes-Stern der damaligen Zeit», sagt Sarah Leib. Das ­Römische Reich war ein multikultureller Vielvölkerstaat, was ­mühelos den Bogen schlägt zur Gegenwart mit ihren Fremdheitsgefühlen und Fluchtbewegungen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.