HEXEN: Guter Riecher, böser Blick

Sie treiben in Märchen und Gruselgeschichten ihr Unwesen. Manche sind hilfsbereit, andere garstig und gefährlich. Wer jetzt beim Lesen Angst bekommt, sollte sich lieber nicht mehr waschen.

Bettina Kugler
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Bettina Kugler

Zum Fürchten sah sie aus, die grünäugige Dame mit der krummen langen Nase, die in unserem letzten Rätsel «2 Bilder – 1 Wort» eine Gemeinheit ausgeheckt hat: «Hexenschuss» lautete die Lösung. Man muss aber klipp und klar sagen, dass es dazu keinen Zauberspruch braucht. Eine blöde Bewegung, wenn man nicht mehr ganz jung und biegsam ist, und zack! – erwischt sie Dich, die Hexe. Volltreffer. Die Wirkung lässt erst ein paar Tage später wieder nach, und bis dahin geht alles seeehr langsam. Und tut höllisch weh. Das passiert übrigens nicht nur um Halloween herum oder in der Walpurgisnacht, wenn Hexen bevorzugt ihre Ausflüge machen. Da haben sie Besseres zu tun. Frag Harry und Hermine! Die haben unterdessen ihre Schulzeit im Internat für Hexen und Zauberer abgeschlossen.

Fragen könnten wir aber auch einen Experten, der selbst nicht hexen kann, nur Bücher schreiben. Wofür er fleissig auf seinen vier Buchstaben sitzen muss wie jeder Normalsterbliche. Dieser Fachmann für Gruselfragen heisst Paul van Loon und lebt in Holland. Gerade ist sein «Grusel-Handbuch» erschienen (illustriert von Axel Scheffler, ab 9, Jacoby & Stuart, Fr. 23.50). Darin widmet er den Hexen ein langes Kapitel. Obwohl sie nicht so richtig zur Gruselfamilie gehören, wie Geister, Zombies und Vampire, wie Werwölfe und Ghule.

Was Hexen können – und was der Fachmann über sie weiss

Also, Herr van Loon, wie ist das nun mit den Hexen? «Hexen gibt es wirklich, jedenfalls hat es immer Menschen gegeben, die von sich behauptet haben, Hexen zu sein. Bis heute.» Brrr, das macht die Sache noch gruseliger. An die Knusperhexe aus «Hänsel und Gretel» hat man sich ja gewöhnt. Auch daran, dass sie im Ofen landet. In früheren Zeiten konnte jeder in den Verdacht geraten, magische Künste zu beherrschen. Und weil die Angst davor – verständlicherweise! – gross war, wurden Hexen verfolgt und umgebracht. Paul van Loon war zwar nicht dabei. Aber die Bibliotheken sind voll von Literatur zu diesem Thema. «Liest man Berichte aus der damaligen Zeit, so scheint es, als wären überhaupt nur Hexen und Werwölfe herumgelaufen. Die Leute trauten ihren eigenen Nachbarn nicht mehr», fasst das Grusel-Handbuch knapp zusammen. Schon allein die Tests, mit denen Hexenjäger beweisen wollten, dass die Verdächtigungen stimmen, waren der reinste Horror. Oft genügte ein Muttermal oder eine Sommersprosse am falschen Fleck. Wir ersparen euch hier die Einzelheiten. Das Buch ist ab 9! Kleinere bleiben bitte vorerst bei Hexe Lilli, bei Cornelia Funkes «Zwei wilde kleine Hexen» und bei Mildred Hoppelt, der «lausigen Hexe» von Jill Murphy.

Was Hexen aus dem Effeff beherrschen müssen: Zaubern natürlich. Dafür gibt es das dicke Buch mit den Zaubersprüchen – und Tränke aller Art, mit grusigen Zutaten. So verwandeln sie sich und andere in Tiere, lassen schrumpfen oder auf der Stelle alt oder verrückt werden. Sie können fliegen, Stürme machen, Verwünschungen aussprechen oder so bös gucken, dass es einen Unfall oder eine Katastrophe gibt. Und wenn Roald Dahl in «Hexen hexen» recht hat, sehen sie leider nicht so aus wie die zwei netten, altmodischen Exemplare auf dieser Seite. Was tun zum Selbstschutz? Schluss mit Körperpflege! Dann können sie Dich nicht schon von weitem erschnuppern.