«Hello Barbie» spioniert Kinder aus

Ihr bürgerlicher Name lautet Barbara Millicent Roberts. Millionen Mädchen rund um den Globus kennen sie aber schlicht als «Barbie». Die Dauerfreundin von Ken ist das kommerziell erfolgreichste Anziehpüppchen und wurde von der US-Firma Mattel 1959 erstmals vorgestellt.

Georg H. Przikling
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«Hello Barbie.» (Bild: pd)

«Hello Barbie.» (Bild: pd)

Ihr bürgerlicher Name lautet Barbara Millicent Roberts. Millionen Mädchen rund um den Globus kennen sie aber schlicht als «Barbie». Die Dauerfreundin von Ken ist das kommerziell erfolgreichste Anziehpüppchen und wurde von der US-Firma Mattel 1959 erstmals vorgestellt. Seitdem begeistert Barbie die Herzen unzähliger Mädchen, folgt stets den neuesten Modetrends – und gibt sich auch politisch korrekt.

Mit der jüngsten Puppe «Hello Barbie» könnte sich der US-Konzern aber etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Das behaupten zumindest die Anwälte der amerikanischen «Campaign for a Commercial-free Childhood» (CCFC). Sie werfen Mattel vor, dass die Puppe die Kinderzimmer belauschen könne, Rückschlüsse auf das Konsumverhalten liefere und die Privatsphäre verletze.

Per WLAN online

Schuld daran ist nach Ansicht der CCFC-Anwälte die Art und Weise, wie «Hello Barbie» funktioniert. Die Hightech-Puppe geht nämlich per WLAN online und verfügt zusätzlich über ein eingebautes Mikrophon. Spricht das Kind mit seiner Puppe, wird das Gesprochene per WLAN an den heimischen Router und von dort ins Internet übertragen und von der Firma Toy Talk analysiert. Die liefert dann eine passende Antwort an Barbie zurück, die über den integrierten Lautsprecher ausgegeben wird.

Die Spracherkennung funktioniert also ähnlich wie Apples «Siri» und Microsofts «Cortana», die ihre Daten ebenfalls zur Analyse ins Internet übermitteln. Was am Ende mit den Sprachproben passiert, weiss im Grunde aber niemand so genau. Zwar versprechen die Anbieter stets, sich an den Datenschutz zu halten. Überprüfen kann der Verbraucher diese Aussagen aber ebenso wenig wie den Weg, den die Infos nehmen, sobald sei einmal im WWW sind.

Stimme aufnehmen

Über den direkten WLAN-Draht ins Kinderzimmer, so der Vorwurf der CCFC-Anwälte, wäre Toy Talk in der Lage, die Stimme des Kindes aufzunehmen oder Gespräche zu belauschen. Denkbar wäre auch, so die CCFC-Vertreter weiter, dass dem Kind via «Hello Barbie» Fragen übermittelt werden, die das Konsumverhalten der gesamten Familie aushorchen. Wer Kinder kennt, weiss, dass sie eher als Erwachsene dazu bereit sind, solche Informationen offen auszusprechen. Werbung, die sich an das Kind richtet, sind eine weitere Möglichkeit.

Derartige Vorwürfe weisen die betroffenen Unternehmen Mattel und Toy Talk zurück. So erklärte der Toy Talk-Geschäftsführer Oren Jacob kürzlich gegenüber der «Washington Post», dass die gesammelten Daten keinesfalls für Marketingzwecke genutzt würden. Ob die Internet-Barbie am Ende wirklich auf den Markt kommt, ist angesichts des massiven Widerstands von Seiten der Datenschützer derzeit unklar.

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