Heiss, heisser, am...

Hitze Bis zu 36 Grad heiss soll es in den nächsten Tagen werden. Das kann zu einer hohen Herz-Kreislauf-Belastung unseres Körpers führen, die vor allem Kleinkinder und ältere Menschen gefährdet – und Festbrüder. Bruno Knellwolf

Drucken
Die Sonne wird uns in den nächsten Tagen tüchtig einheizen. (Bild: ap/Andy Wong)

Die Sonne wird uns in den nächsten Tagen tüchtig einheizen. (Bild: ap/Andy Wong)

36Grad Celsius, wohlgemerkt im Schatten, kündet MeteoSchweiz für Sonntag und Montag an. Das freut viele – andere stöhnen bereits in Erwartung der Hitzewelle aus Spanien.

Zu Recht? «Unter Umständen schon», wie Robert Sieber, Leitender Arzt in der Zentralen Notfallaufnahme des Kantonsspitals St.Gallen, sagt. Denn das Klimasystem unseres Körpers könnte ob der Hitze tatsächlich ins Ungleichgewicht geraten, was sich in einer erhöhten Herz-Kreislauf-Belastung zeigt. «Aber», sagt der Arzt auch, «die Voraussetzungen sind eigentlich günstig für uns.» Die warmen Temperaturen sind wir uns nämlich schon gewohnt. «Und zu schaffen machen unserem Organismus vor allem abrupte Wechsel nach längeren Kälteperioden», erklärt Sieber.

Oft Kopfweh

Der erwartete Hitze-Sprung sei allerdings doch eine zusätzliche Belastung für unser Herz-Kreislauf-System. «Unser Klimasystem im Körper muss in den nächsten Tagen übermässig arbeiten, braucht Energie, was bedeutet, dass der Herz-Kreislauf belastet wird». Der Mensch bemerkt allerdings nicht, dass ihm das Herz weh tut – auch wenn er übermässig unter der Hitze leidet. Der Leidende spürt aber Müdigkeit, ist schlaff. «Häufig beobachten wir, dass Patienten über Kopfweh oder einen trockenen Mund klagen. Wenn die Hitze länger dauert, kommen oft Schlafstörungen dazu», sagt Sieber. Der Kopf meldet sich also, wenn die Hitze den Körper zu stark belastet.

Den meisten wird die Hitze nichts anhaben, am gefährdetsten sind nach Robert Sieber Kleinkinder und ältere Menschen, deren Körper sich weniger gut anpassen können. Für das Kleinkind sorgen Papa und Mama, bei Älteren ist die Fürsorge dagegen nicht immer gewährleistet. «Häufig haben ältere Menschen zudem bereits altersbedingt Herz-Kreislauf-Beschwerden». Weil sie zudem die Symptome schlechter wahrnehmen, bemerken sie oft nicht, dass sich sich in einer gesundheitlich gefährlichen Situation befinden und unternehmen nichts dagegen.

Vorsicht mit Blutdruckpillen

Kommt erschwerend hinzu, dass diese Bevölkerungsgruppe vielfach regelmässig Medikamente einnimmt. Oft Blutdruck senkende Mittel. «In einer Hitzeperiode braucht der belastete Körper aber eher einen höheren Blutdruck», sagt Sieber. Mit blutdruck-senkenden Wassertabletten wird dem Körper aber Wasser entzogen, was zu einem Wasserdefizit führen kann.

Da hilft bei Hitze nur genug trinken – das gilt für alle, nicht nur für ältere Menschen. Mindestens eineinhalb Liter werden empfohlen (siehe Kasten). Sieber rät zudem zu Schatten, leichter Kleidung, einem Hut oder einer kühlenden Dusche. Nach dem heissen Jahrhundertsommer 2003 seien die Menschen sensibler geworden, das Wissen über das richtige Verhalten habe sich vermehrt.

«Dieses Wochenende werden beispielsweise am «St.Gallerfest» viele Leute im Freien sein», sagt Sieber. An heissen, wenig belüfteten Orten, an denen Menschen in der Masse in klimatische Verhältnisse kommen, die sie sich nicht gewohnt sind. Dabei herrschen durstige Verhältnisse, und manch ein Bier wird die trockene Kehle erfrischen. Trinken sei gut, aber alkoholische Getränke führten dazu, dass eine bedrohliche Situation unter Umständen nicht mehr wahrgenommen werde. So kann Hitze und Alkohol den Weg in die Notfallstation ebnen.

Ein anderes Beispiel: An diesem Wochenende fängt die Junioren-Fussballmeisterschaft an. «Mit Hut will niemand Fussball spielen. Gut wäre aber, während des Spiels immer wieder zu trinken und Sonnencrème auf die Haut aufzutragen». Denn auch bereits gebräunte Haut müsse geschützt werden, um langfristige Erkrankungen zu verhindern. «Was den Fussballplatz betrifft, mache ich mir aber mehr Sorgen um den Grossvater, der an der Seitenlinie steht, als um den Junior», sagt Sieber.

Langsam abkühlen

Viele werden den Sprung ins Wasser wagen. Dabei gelte die alte Regel, nicht total überhitzt ins kalte Nass zu springen, sondern sich schrittweise abzukühlen. Eine Schrecksekunde fürs Herz-Kreislauf-System im kalten Wasser könne zu Bewusstlosigkeit führen. Was den vollen Magen nach dem Essen betrifft, rät Sieber zu gesundem Menschenverstand. «Die Wärmeregulierung braucht Energie, die Verdauung auch.» Um eine Blutleere zu verhindern, könne eine Badepause nach dem Essen nicht schaden. Das müssen nicht zwingend die früher vorgeschriebenen zwei Stunden sein.

Aktuelle Nachrichten