«Heidi ist der Boss!»

Heute beginnt die neunte Staffel «Germany's Next Topmodel». Designer Wolfgang Joop spricht über seinen neuen Job als Juror und das schmerzvolle Geschäft mit der Schönheit.

Cornelia Wystrichowski
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Er weiss, was ein Model braucht: Juror Wolfgang Joop. (Bild: getty/Hannes Magerstaedt)

Er weiss, was ein Model braucht: Juror Wolfgang Joop. (Bild: getty/Hannes Magerstaedt)

Wolfgang Joop, früher konnten Sie nichts mit Castingshows anfangen, jetzt machen Sie bei «Germany's Next Topmodel» mit. Wie kam es zu Ihrem Sinneswandel?

Wolfgang Joop: Das Interesse an Castingshows steigt enorm auf der ganzen Welt. Umso wichtiger ist es, Zuschauern und jungen Mädchen einen möglichst realistischen Einblick ins Model-Business zu geben. Der Anspruch steigt auf beiden Seiten, und ich denke, ich kann einen Beitrag leisten, da ich viele Jahre Erfahrung vorweisen kann.

Sie haben Heidi Klum in der Vergangenheit öffentlich kritisiert. Hat sie Ihnen das krumm genommen?

Joop: Heidi erzählte unlängst in einem Interview, dass sie in den 90er-Jahren als Runway-Model selten gebucht wurde, und als man mich vor sechs Jahren fragte, ob ich sie buchen würde, sagte ich, dass sie einfach einen anderen Typus Model verkörpere. In diesem Punkt verstehen wir uns. Das hat nichts damit zu tun, dass sie eine der schönsten Frauen der Welt ist. Heidi weiss genau, wer sie ist und wie ich das gemeint habe.

Wie läuft nun die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Heidi?

Joop: Die Zusammenarbeit mit Heidi macht Spass, und wir beide teilen den Wunsch, die Mädchen, die sich dem Wettkampf gestellt haben, weiterzubringen. Auch wenn eine Situation mal ausweglos erscheint, versuchen wir klarzumachen, dass mit dem Aus bei der Show die persönliche Karriere nicht beendet ist.

Wer ist der Boss der Jury? Wer entscheidet, ob ein Mädchen die nächste Runde erreicht oder fliegt?

Joop: Der Boss in diesem Format ist absolut Heidi. Sie hört sich alle Argumente an, aber letztlich zählt ihre Entscheidung.

Sind Sie streng oder wollen Sie die Kandidatinnen in Schutz nehmen?

Joop: Ich habe eine starke pädagogische Verantwortung, denn ich bin Vater von zwei Töchtern und weiss, dass das Geschäft mit Schönheit und Eitelkeit sehr schmerzvoll sein kann. Um sich zu schützen, braucht man physische Voraussetzungen, Sprachkenntnisse, gutes Benehmen und Flexibilität. Ohne Selbstdisziplin wird man früh scheitern.

Finden Sie nicht, dass solche Shows ein fragwürdiges Schönheitsideal verbreiten und junge Mädchen unnötig unter Druck setzen?

Joop: Wer sich als Sportler bei den Olympischen Spielen anmeldet, ohne dem Druck der Konkurrenten gewachsen zu sein und ohne ausgiebiges Training, sollte wohl besser zu Hause bleiben. Die Mädchen bei «Germany's Next Topmodel» sind individuell sehr verschieden voneinander. Wir können ihnen aber am Ende nur die eine Karriere in Aussicht stellen, wenn sie den Voraussetzungen des Business entsprechen. Das heutige Schönheitsideal wird von uns nicht gemacht.

Was macht denn ein gutes Model aus und was geht gar nicht?

Joop: Ein gutes Model bringt bestimmte Standards mit, die in der Modelwelt gefragt sind. Individualität ist dabei das Plus, das sie einmalig macht, nur in Ausnahmefällen sollte ein Model schon geschminkt und aufgetakelt zum Shooting kommen. Piercings und anderer solcher Körperschmuck sind meist sehr hinderlich.

Haben die Siegerinnen internationale Modelqualität?

Joop: Von der Siegerin versprechen wir uns internationale Modelqualität. Die Konkurrenz ist allerdings sehr gross, und die Siegerin wird sich ständig weiterentwickeln müssen.

Werden die Teilnehmerinnen für Ihr Label «Wunderkind» modeln?

Joop: Ja, sehr früh habe ich meine persönliche Auswahl getroffen und festgelegt. Ich hoffe nur, dass sie in Paris dem Modelanspruch gewachsen sind.

Was bedeutet Ihnen Mode?

Joop: Für mich ist die Arbeit eine ständige Herausforderung und Erneuerung meiner eigenen ästhetischen Massstäbe. Bei «Wunderkind» versuche ich bei jeder Saison Dinge zu entwerfen, von denen der Markt nicht wusste, dass er sie wollte.

Und wie lange brauchen Sie selber morgens zum Anziehen und vor dem Spiegel?

Joop: Wenn ich mich für den Alltag vorbereite, dauert das Duschen und Abtrocknen länger als das Anziehen. Will ich mich für einen besonderen Anlass kleiden, ist das Kleidungsstück, was ich gerne hätte, gerade nie da.

«Germany's Next Topmodel», heute Donnerstag um 20.15 Uhr auf Pro Sieben.

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