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HAUSTIERE: «Nur Spazierengehen reicht nicht»

Martin Rütte ist der bekannteste Hundetrainer im deutschsprachigen Raum. Mit seiner Botschaft, dass es nicht den Hund, sondern den Halter zu erziehen gilt, füllt er demnächst auch das Zürcher Hallenstadion.
Reinhold Hönle
Martin Rütte holte alle seine Hunde aus dem Tierheim. (Bild: Klaus Grittner)

Martin Rütte holte alle seine Hunde aus dem Tierheim. (Bild: Klaus Grittner)

Interview: Reinhold Hönle

Martin Rütter, welches ist der grösste Fehler, den man als Hundehalter machen kann?

Sich einen Hund anzuschaffen, ohne sich vorher gut zu informieren. Viele Leute verlieben sich in ein Erscheinungsbild und sagen: «Den will ich haben!» Es ist zwar normal, dass man sich bei der Partnerwahl zuerst von der Optik leiten lässt. Wenn du bei einer Frau nach sechs Wochen merkst, dass es nicht passt, trennt ihr euch einfach wieder. Bei einem Hund sollte man sich vorher überlegen, ob man für ihn Zeit hat, ob ein Welpe oder ein erwachsenes Tier besser ist.

Was ist für den Hund das Beste?

Das grösste Geschenk an einen Hund ist, wenn man ihn wie einen Hund behandelt und nicht vermenschlicht. Der Hund braucht Konsequenz und Beschäftigung. Die meisten Probleme, denen ich begegnet bin, kamen daher, dass der Hund unterfordert war. Viele Leute haben Mühe zu verstehen, dass es nicht reicht, wenn sie mit ihrem Hund spazieren gehen. Er muss auch eine Funktion haben oder spielerisch beschäftigt werden.

Wie finde ich heraus, welcher Hund zu mir passt?

Es gibt im deutschsprachigen Raum ein Netzwerk von etwa hundert Hundeschulen von mir, wo man einen zweistündigen Einführungskurs machen und sich beraten lassen kann. Ich empfehle, einem Hund aus einem Tierheim ein neues Zuhause zu geben.

Erfordert es nicht viel Erfahrung, mit möglicherweise traumatisierten Tieren umzugehen?

Diese Hunde sind eine Minderheit. Die Tierheime sind rappelvoll mit super Hunden, deren Halter das Problem waren. Ausserdem ist es für mich eine moralische Frage, nicht immer noch mehr Hunde zu produzieren, wenn es schon genügend gibt. Mein erster Welpe kam noch aus einer Rassenzucht, doch heute kommt das für mich nicht mehr in Frage.

Wie denken Sie über das riesige Nahrungsangebot für Hunde?

Es ist erfreulich, dass es breit ist, aber man muss auch sagen, dass oft viel zu viel Theater um das Hundefutter gemacht wird. Viele Hunde stinken jedoch so, dass du es mit ihnen kaum in einem Raum aushältst. Sobald sie gesunde Nahrung bekommen, verschwindet nicht nur dieses Problem. Sie bekommen auch wieder ein schönes Fell.

Sie sind in verschiedenen Bereichen tätig. Wie bezeichnen Sie sich?

Nach wie vor als Hundetrainer. Wenn Sie meine Kinder fragen, sagen sie nicht Moderator, Comedian, TV-Produzent, Tourneeveranstalter oder Buchautor. Das mache ich auch gerne, aber das Thema ist immer Hund. Ich kriege viele Fernsehshows angeboten, weil ich quatschen kann und vor der Kamera ruhig bleibe, aber ich möchte weder eine Musiksendung noch ein Quiz moderieren.

Wie sind Sie auf den Hund gekommen?

Meine Eltern sind definitiv unschuldig! Sie halten bis heute jedes Tier, das man nicht marinieren und grillieren kann, für völlig sinnlos! (lacht) Aber meine Tante Thea hatte eine Pflegestelle für kranke Tiere. Ich war wahnsinnig gerne bei ihr, ahnte aber nicht, dass sich dahinter ein Berufswunsch verstecken könnte. Parallel zum Sportstudium habe ich jedoch über 200 Hundebücher gelesen und Hunde aus der Nachbarschaft auszuführen begonnen. Unter den älteren Leuten hat sich dann herumgesprochen, dass die Hunde immer glücklich zurückgekommen und gleich eingeschlafen sind. Als ich im dritten Semester schon 60 Hunde zu betreuen hatte, reifte der Entschluss, mein Hobby zum Beruf zu machen.

Welche Rückschlüsse lässt der Hund auf den Halter zu?

Das Klischee, dass jemand, der einen Chihuahua hat, mit einer Gucci-Tasche über den roten Teppich schreiten möchte, muss genauso wenig zutreffen wie, dass Pitbull-Halter aggressive Typen sind. Aber, es drückt natürlich aus, ob du dir einen kraftvollen, sportlichen Partner wünschst oder ein niedliches Tier, dem du körperlich überlegen bist. Manchmal spielt aber auch der Zufall mit. Ich habe gerade einen Hund, der wie ein Mix aus Border-Collie und Australian-Shepherd-Terrier aussieht. So einen Hund wollte ich nie haben! Ich stehe sonst auf ruhige, phlegmatische Hunde, und der hat richtig Feuer unterm Arsch.

Sie füllen mit Ihren Programmen Hallen, demnächst auch das Zürcher Hallenstadion. Was zeigen Sie da?

Ich habe immer das gleiche, fachlich orientierte Konzept und komme auch nicht plötzlich an, singe, steppe und spiele Gitarre. Ich habe etwa zwölf Themen wie Jagen, Leine ziehen und Aggression herausgepickt und überlegt, was ich für Fälle hatte, die sie illustrieren können. Erst dann fange ich an, das in eine humorvolle Form zu bringen.

Hinweis

Martin Rütter tritt mit dem Programm «Freispruch!» am 15. April im Zürcher Hallenstadion auf. Wegen grosser Nachfrage folgen weitere Auftritte im März 2019, unter anderem auch in St. Gallen und Luzern.

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