Handy hilft bei Früherkennung

Ärztinnen haben gestern in Zürich eine App vorgestellt, die Frauen beim Abtasten der Brust anleitet und alle paar Wochen daran erinnert, den Test zu wiederholen. Damit wollen sie zur Früherkennung beitragen.

Diana Bula
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Digital die Brust erkunden. (Bild: ky)

Digital die Brust erkunden. (Bild: ky)

«Je besser Sie Ihre Brust kennen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie eine Veränderung frühzeitig finden. Und die meisten Veränderungen, die gefunden werden, ertastet die Frau selber», sagt Brida von Castelberg, ehemalige Chefärztin der Frauenklinik am Zürcher Stadtspital Triemli. Doch viele Frauen kennen ihre Brust nicht so gut, wie sich Castelberg das vorstellt. Einige untersuchen den Busen nur oberflächlich, andere gar nicht – aus Angst, etwas zu finden. Castelberg will das ändern. Mit Stephanie von Orelli, der aktuellen Chefärztin, sowie der Radiologin Elisabeth Garzoli hat sie eine App entwickelt, die Frauen beim Selbstuntersuch anleitet – und regelmässig daran erinnert, ihn zu wiederholen.

Filme zeigen, wie der Busen korrekt abgetastet wird. Die App erklärt, welche Veränderungen auftreten können und was dann zu tun ist: sofort zum Arzt, wenn sich Haut oder Brustwarze einziehen; ein weiterer Selbstuntersuch nach zwei Wochen, wenn eine Verhärtung zu spüren war – und zum Arzt, wenn sie sich noch immer ertasten lässt. «Keine Panik», heisst es. Neun von zehn Befunden seien gutartig.

Was hält der St. Galler Brustkrebsspezialist von der App? Ist sie hilfreich? «Ja, sie kann mithelfen, das Richtige zu tun», sagt Beat Thürlimann, Chefarzt des Brustzentrums am Kantonsspital St. Gallen. «Wer gewohnt ist, sich digital zu erkundigen, kommt so eher an Informationen heran, die er zu diesem Thema sucht.» Gesundheitsbewusste junge Frauen würden die App bestimmt herunterladen; Gesundheitsbewusste würden aber ohnehin bei Auffälligkeiten früher als andere den Arzt aufsuchen. «Wer sich hingegen nicht mit dem Thema auseinandersetzt, wird auch die Neuentwicklung nicht anwenden.» Ob der Selbstuntersuch sich auf die Heilungsrate in der Schweiz auswirke, sei ungewiss. Mehrere ausländische Studien konnten das bisher nicht belegen. «Die App ersetzt also in keiner Weise das Mammographie-Programm, das im Kanton St. Gallen läuft.» 5500 Frauen erkranken in der Schweiz jährlich neu an Brustkrebs. «Die unter 40-Jährigen – die Hauptzielgruppe der App – machen nur 7 Prozent davon aus», sagt Thürlimann.

Die App «Brust-Selbstcheck» ist gratis im App Store erhältlich.