Hallo Kuh – Hörst Du mich?

Kuhglocken erzeugen Heimatgefühle und Agrarromantik. Resultate einer dreijährigen Forschungsarbeit an der ETH Zürich zeigen aber, dass viele Glocken nah am Ohr des Viehs so laut wie Presslufthämmer sind. Mögliche Folge: Schwerhörige Kühe.

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Die Testkuh Julia schwingt ihre Glocke. (Bild: Peter Jaeggi)

Die Testkuh Julia schwingt ihre Glocke. (Bild: Peter Jaeggi)

Was bimmelt da so schön auf der Weide oder auf dem Alpaufzug? Kuhglocken. Doch das romantische Bild wird durch eine dreijährige Forschungsarbeit an der ETH Zürich in Frage gestellt. Auf 25 verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben der Schweiz wurden Versuchsreihen gemacht. Die Agrarwissenschafterin Julia Johns wollte im Rahmen ihrer Doktorarbeit herausfinden, was das Vieh wirklich am Hals hat, wenn es Glocken trägt. Chefin des Projektes war Edna Hillmann, Leiterin der Gruppe für Verhalten, Gesundheit und Tierwohl der ETH Zürich: «Unsere Experimente haben wir mit über hundert Kühen und 25 Ziegen gemacht.»

Der Einfluss aufs Fressverhalten wurde auch auf der Weide ermittelt, wo die Kühe rund um die Uhr ganz normale Durchschnitts-Kuhglocken trugen, deren Schallpegel in der Mitte zwischen Kuh-Ohr und Glocke 100 bis 113 Dezibel beträgt. «Das ist so laut wie ein Presslufthammer», sagt Edna Hillmann. Es zeigte sich, dass die Kühe mit Glocken weniger frassen. Zudem gehen die Forscher davon aus, dass die Kühe mit der Zeit schwerhörig werden und eventuell nicht mehr richtig mit ihren Kälbern kommunizieren können. Die Forscher haben Alternativvorschläge für die Bauern. (red.)

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