Häkeln ist wie Yoga – nur besser

Häkeln konnte sich vom verstaubten Omi-Image lösen. Durch das Internet wurde es auch bei der jüngeren Generation zum Trend. Alles was man dazu braucht, sind eine Häkelnadel und ein Knäuel Garn. Statt langweiligen Topflappen werden heute winzigkleine Amigurumis gehäkelt.

Jeannine Kempf
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Häkeln kann man alles – zum Beispiel eine Gruppe winziger Amigurumi-Pinguine, bunte Decken im «Granny-Square»-Look oder mit Draht anstatt Garn für ein gehäkeltes Windlicht. (Bilder: pd/schweizergarten.blogspot.ch)

Häkeln kann man alles – zum Beispiel eine Gruppe winziger Amigurumi-Pinguine, bunte Decken im «Granny-Square»-Look oder mit Draht anstatt Garn für ein gehäkeltes Windlicht. (Bilder: pd/schweizergarten.blogspot.ch)

Su Ami, ein fünfköpfiges Familienunternehmen aus Vietnam, ist weltweit für seine ganz besonderen Amigurumis bekannt: winzig kleine Häkeltiere, die oft nur einen Zentimeter gross sind. Trotz ihrer Kleinheit sind die Amigurumis extrem detailreich gestaltet, selbst die Gesichter sind erkennbar. Bis zu 150 Dollar zahlen Sammler aus aller Welt für ihre gehäkelten Lieblinge. Natürlich könnte man solche kleine Figuren auch selbst häkeln, dafür braucht es aber ziemlich geübte Hände.

Amigurumis – Trend aus Japan

Die grösseren Amigurumis haben einen Boom ausgelöst. Ob Tiere, Puppen, Esswaren oder Alltagsgegenstände wie Tassen, Autos oder Sofas – alles kann und wird selbst gehäkelt. «Wegen dieser Vielfalt und der unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten sind Amigurumis so beliebt», sagt Kerstin Schumacher, die neben dem Online-Wollshop wolle-kaufen.ch auch einen Blog führt. Beliebt sind auch Puppen im Manga-Stil mit grossem Kopf und grossen Augen. Amigurumi kommt aus dem Japanischen und bezeichnet eine spezielle Art des Häkelns, bei der in Spiralrunden gehäkelt wird. Allen Amigurumis eigen ist, dass sie nicht grösser als 10 bis 15 Zentimeter sind. Zudem werden sie nicht an einem Stück gehäkelt. Die Einzelteile wie Kopf, Beine und Arme werden mit Füllwatte gestopft und dann zusammengenäht. Die niedlichen Figürchen sind meist nicht als Spielzeug oder Kuscheltiere für Kinder gedacht. Vor allem Erwachsene erfreuen sich am Deko-Effekt der Amigurumis. Auch beim Online-Shop wolle-kaufen.ch ist der Amigurumi-Trend deutlich spürbar: Es gibt eine eigene Kategorie, wo auch Zubehör wie Augen oder Nasen angeboten werden. Die Inhaberin Kerstin Schumacher möchte mit ihrem Shop nicht nur eine Plattform für Wollkäufe bieten, sondern auch das Häkeln und Stricken vom verstaubten Image befreien.

Spass für Jung und Alt

Das Häkeln hat in den letzten Jahren einen regelrechten Aufschwung erlebt. Zuletzt waren gehäkelte Decken, Topflappen oder Bikinis in den 1970er-Jahren in Mode. Zum Trend beigetragen haben auch Thomas Jaenisch und Felix Rohland mit ihren «MyBoshi»-Mützen. Bei einem Skiliehreraustausch in Japan vor einigen Jahren zeigte ihnen eine Kollegin das Häkeln. So begannen die beiden sich an der Handarbeit zu versuchen und fertigten ihre ersten Wollmützen. Daraus wurde schliesslich die erfolgreiche Geschäftsidee, die sich auf immer mehr Köpfen wiederfindet. Mit ihrer Idee konnten sie viele mit dem Häkelfieber anstecken und verkaufen mittlerweile neben den Häkelsets auch Bücher, Häkelnadeln und von Omas gefertigte Mützen.

Die moderne Häkel-Community ist über das Internet weltweit vernetzt. Unzählige Blogs, Facebook-Gruppen und Websites wie lovecrochet.com oder allaboutami.com berichten über ihre Häkelerfahrungen und teilen Anleitungen. So wird das Häkeln auch bei Jungen immer beliebter. Do-it-Yourself sei wieder populär und gelte nicht länger als «Du kannst es dir nicht leisten», sondern als trendy, so die Schweizer Bloggerin Schumacher. Mittlerweile haben sich auch die Männer dem Trend angeschlossen, jedoch sind die Frauen immer noch in der Mehrheit. «Das Alter spielt aber keine Rolle, ich habe Kundinnen und Kunden von 18 bis 65.» Das Häkeln konnte sich also vom verstaubten Omi-Image lösen. Begeisterte Bloggerinnen erklären das Häkeln bereits zum neuen Yoga. Kerstin Schumacher fügt lächelnd hinzu: «Yoga ist anstrengend, Häkeln ist für mich wie Meditation und fördert die Achtsamkeit.» Es entspanne sie, und sie möge es, am Ende das fertige Produkt in den Händen zu halten.

Alternatives Häkeln

Häkeln geht aber auch ohne Wolle mit Materialien wie Textilgarn, Lederbändern oder Draht in verschiedenen Stärken und Farben, wie das Buch «Häkeln ohne Wolle» beweist. Mit diesen Materialien lassen sich Schmuck, Sitzkissen und Tischläufer oder Lesezeichen herstellen. Der Kreativität sind beim Häkeln also keine Grenzen gesetzt. Alles, was man zum Häkeln braucht, sind eine Häkelnadel und ein schnurähnliches Material. Für das Stricken braucht es schon zwei Stricknadeln. Die Do-it-Yourself-Begeisterten streiten sich aber, was einfacher zu lernen oder besser sei. Egal ob Häkeln oder Stricken: Mit etwas Geduld ist beides schnell gelernt.

Bild: Picasa

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