HACKER: Big Brother im Wohnzimmer

Wikileaks-Unterlagen zeigen, mit welchen Hacker-Tricks Geheimdienste Computer, Smartphones und sogar TV-Geräte weltweit anzapfen. Smart-TV werden auch von Firmen ausspioniert und von Hackern missbraucht.

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Elektronische Geräte werden durch Geheimdienste ausgespäht, wie dieser Tage publik wurde. Vor wenigen Wochen ist schon bekannt geworden, dass der Smart-TV-Hersteller Vizio die Sehgewohnheiten von elf Millionen Fernsehkunden ohne deren Einverständnis ausspioniert hat. Vizio hat auf den TV-Geräten eine Software installiert, die das Fernsehverhalten ausliest und die Daten via Internet an den Hersteller übertragen konnte.

Mit Hilfe von automatischer Inhaltserkennung war es möglich, die Vorlieben von elf Millionen Gerätenutzern rund um die Uhr zu beobachten. Mit Hilfe der IP-Adresse wurde das Browserverhalten getrackt, so dass man nachvollziehen konnte, ob Nutzer nach dem Ausspielen einer Fast-Food-Werbung die Webseite einer Fast-Food-Kette aufriefen. Nachdem die Federal Trade Commission Ermittlungen aufgenommen hatte, musste Vizio alle Daten löschen und 2,2 Millionen Dollar an die Behörde und Verbraucherschützer zahlen.

Nutzungsgewohnheiten ausforschern

Es ist nicht das erste Mal, dass TV-Hersteller die Nutzungsgewohnheiten von Verbrauchern ausforschen. Im Juni 2016 verurteilte das Landgericht Frankfurt den Hersteller Samsung, Käufer seiner Smart-TV darauf hinzuweisen, dass beim Anschluss des Fernsehers an das Netz personenbezogene Daten erhoben und verwendet werden können. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte in einer Musterklage gerügt, dass das Smart-TV-Gerät des korea-nischen Herstellers bereits bei seiner Inbetriebnahme die IP-Adresse des Internetanschluss-Inhabers – ohne dessen Einwilligung – an die Server von Samsung und möglicherweise an Dritte sendet.

Samsung warnte seine Kunden davor, besser nichts Privates in Anwesenheit eines Smart-TV zu sagen, weil die Spracherkennung dies irgendwohin übermitteln könnte. Der Smart-TV hört laufend mit.

Empfänger und gleichzeitig Sender

Fernseher waren einst reine Empfangsgeräte. Heute sind sie sie hochgerüstete Supercomputer, die gleichsam Sender sind: Bei jedem Senderwechsel sendet der Fernseher eine Anfrage an den Server der gewählten Station. Und das wird dann meist irgendwo gespeichert. Per Sprachsoftware werden zudem Kommandos an Server geschickt, wo sie übersetzt und an das Gerät zurückgesendet werden. Zwar lassen sich bestimmte Funktionen ausschalten, doch sind sie meist standardmässig eingestellt. Der Hersteller Philips geriet zuletzt ins Gerede, nachdem bekannt wurde, dass in einer Produktreihe 2013 eine Spionage-Software installiert wurde, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Philips hat seine TV-Sparte bereits vor drei Jahren an die chinesische TP Vision verkauft. Der Aufschrei unter Datenschützern war dennoch gross.

Und wie alle internetfähigen Geräte können Smart-TV auch gehackt werden. Im Dezember wollten sich der Softwareentwickler Darren Cauthon und seine Frau einen schönen Fernsehabend machen. Also lud seine Frau eine App auf den Smart-TV herunter, mit der man gratis Filme anschauen konnte. Plötzlich poppte eine Meldung auf: «Zahlen Sie 500 Dollar an das FBI, damit ihr TV-Gerät wieder funktioniert.» Der Computer-Experte Cauthon ahnte sofort, dass nicht der Geheimdienst, sondern Cyberkriminelle dahinter steckten: Hacker hatten eine Schadsoftware in den smarten Fernseher geschleust. Cauthon gab schliesslich auf Twitter bekannt, dass ihm der Hersteller LG Reset Instruktionen schickte, mit denen er sich aus dem Klammergriff der Kriminellen befreien konnte.

Adrian Lobe