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H-BOMBE: Kim Jong Un droht damit: So funktioniert die Wasserstoffbombe

Forscher der ETH Zürich glauben nicht, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un tatsächlich über die gefährlichste aller Nuklearwaffen verfügt. Beim jüngsten Test handelte es sich wohl "nur" um eine frisierte Atombombe.
Bruno Knellwolf
Nordkoreanisches Raketen-Defilee am 105. Geburtstag des früheren Führers Kim Il Sung in Pyongyang am 15. April 2017. (Bild: Ed Jones/AFP)

Nordkoreanisches Raketen-Defilee am 105. Geburtstag des früheren Führers Kim Il Sung in Pyongyang am 15. April 2017. (Bild: Ed Jones/AFP)

Bruno Knellwolf

Mit einer Wasserstoffbombe will Nordkoreas Diktator Kim Jong Un die Welt und insbesondere die USA provozieren und beeindrucken. Schon nach dem Bombentest am Sonntag sind allerdings erhebliche Zweifel laut geworden, ob es sich bei diesem unterirdischen Test wirklich um einen Versuch mit der gefährlichsten ­aller Nuklearbomben gehandelt hat. «Genau sagen kann man das immer noch nicht», sagt Michael Haas, Forscher am Center for Security Studies der ETH Zürich.

Um eine Wasserstoffbombe zu erkennen, muss man die Radionuklide messen, die bei einem solchen Bombentest in die Umwelt gelangen. «Da es sich um einen unterirdischen Test handelt, dauert es eine Weile, um das zu analysieren. Das kann noch einige Wochen dauern, bis man Konkreteres sagen kann», sagt Haas.

Wie eine zweistufige Wasserstoffbombe funktioniert (Bild: Quelle: epa/Grafik: stb)

Wie eine zweistufige Wasserstoffbombe funktioniert (Bild: Quelle: epa/Grafik: stb)

Doch nicht so hohe Sprengkraft

Etwas mehr wissen die ETH-Forscher über die Sprengkraft der nordkoreanischen Bombe. Sie scheint nicht diese hohe Sprengkraft gehabt zu haben, wie anfangs kolportiert worden ist. Aufgrund der ersten seismischen Aufzeichnungen dachten die ­Experten an eine Bombe mit ­ 300 Kilotonnen Sprengkraft, nun sollen es etwa 160 sein. «Das ist zwar wesentlich höher als das, was Nordkorea zuvor erreicht hat. Das allein sagt uns aber nicht viel über das Design der Bombe aus», sagt Haas. Also ob es sich um eine Wasserstoff- oder doch «nur» um eine Atombombe gehandelt hat.

Dem Laien macht eine Atombombe schon genug Angst. Eine Wasserstoffbombe besitzt aber eine ungleich höhere Sprengkraft. Einfach erklärt: Eine Atombombe funktioniert mit dem Mechanismus der Kernspaltung. Bei der Wasserstoffbombe wird die Energie aus einer Kernfusion genutzt. Diese Erklärung ist allerdings in dieser Einfachheit nicht richtig, wie Haas betont. «Eine Wasserstoffbombe ist eine zweistufige thermonuklear-Waffe.»

Das heisst, in der Wasserstoffbombe steckt eine Atombombe. Der grössere Teil der Energie, die in der Wasserstoffbombe freigesetzt wird, kommt weiterhin aus der Kernspaltung wie bei der Atombombe. In der zweiten Stufe wird der Prozess der Kernspaltung durch einen Fusionsbrennstoff sehr stark beschleunigt. Die Kernfusion dient als Katalysator. Das führt zu einer extremen Effizienzsteigerung der Wasserstoffbombe gegenüber einer herkömmlichen Atom-bombe.

Wohl ein Test einer «frisierten» Atombome

Vermutlich hat Diktator Kim Jong Un ein Zwischending getestet. Eine Atombombe, auch Spaltbombe genannt, die mit Fusionsbrennstoff «frisiert» wird. Als ­Fusionsbrennstoff verwendet man dabei ein Gemisch aus den beiden Wasserstoff-Isotopen Tritium und Deuterium. Das ist ein Gas, das vor der Zündung in die Spaltbombe injiziert wird. Bereits einige Gramm davon erhöhen die Sprengkraft der Bombe sehr stark. Eine solche Hybridbombe ist somit eine Spaltbombe mit einem dazugehörigen kleinen thermonuklearen Element. Der Fusionsbrennstoff, das Tritium-Deuterium-Mischung ist nicht schwierig herzustellen.

Die eigentliche weistufige Wasserstoffbombe nutzt einen anderen Fusionsbrennstoff. Die Bombe besteht aus der genannten Hybrid-Bombe, die als Zünder dient. In der zweiten, viel stärkeren Stufe wird als Fusionsbrennstoff Lithium-6 verwendet. Das ist kein Gas, sondern ein trockener Feststoff. «Das Design der Wasserstoffbombe ist schwieriger zu entwickeln und braucht auch mehr Tests», sagt Haas. «Deshalb wäre es verwunderlich, wenn Nordkorea nun ohne Zwischenstufen von einer Hiroshima-Bombe direkt zu einer Wasserstoffbombe gelangt wäre.»

Relativ klein und vor allem leicht

Zweistufige Wasserstoffbomben werden nicht nur wegen ihrer Sprengkraft von den Nuklearmächten gefördert, sondern weil sie relativ klein und leicht gebaut werden können. Nuklearplaner möchten nicht nur einen Sprengkopf, sondern mehrere auf eine Trägerrakete setzen. Mit leichteren Köpfen kommt die Rakete weiter, was wohl im Sinne von Kim Jong Un ist. «Ein moderner thermonuklearer Sprengkopf wiegt nicht mehr als 150 Kilogramm. Hiroshima war eine 4,5-Tonnen-Bombe», sagt Haas.

Schon die Sowjetunion hat Wasserstoffbomben mit einer Sprengkraft von 50 Megatonnen getestet, also 3000 Mal die Hiroshima-Bombe. Das sind furchterregende Zahlen, solche Bomben sind allerdings schwer einsetzbar. Sie erfüllen mehr den Zweck der Abschreckung als jene eines strategischen Einsatzes. Weltweit weisen die Sprengköpfe vielfach in etwa die Sprengkraft der Bombe aus, die Nordkorea getestet hat, also rund 150 Kilotonnen. Der grösste Sprengkopf, der von den USA auf einer Rakete verwendet wird, hat 475 Kilotonnen. Das entspricht etwa 30 Hiroshimabomben in einem Sprengkopf.

«Heute werden viele solcher Bomben am Computer getestet. In den 1990er-Jahren ging es bei den letzten realen Atombombentests der Nuklearmächte vor allem darum, genug Daten zu sammeln, um die Sprengkraft am Computer testen zu können. Die grossen Proteste gegen die Tests damals hatten also ihre Wirkung – Nordkorea ist das egal. «Nordkorea braucht diese Tests, um sicher zu sein, dass ihre Systeme auch funktionieren.» Diese unterirdischen Tests werden im Normalfall in einem abgeschlossenen System durchgeführt, gefährliche Stoffe sollten nur wenige austreten. Es entsteht eine künstliche Höhle, die radioaktiv ist. Meist senkt sich die Erdkruste darüber ab. In Nordkorea wohl bald wieder.

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