GURLITT-ERBE: Nun doch nach Bern

Das Oberlandesgericht in München hat das Testament des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt für gültig erklärt. Das Kunstmuseum Bern gilt somit als Alleinerbe.

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Das Gurlitt-Erbe gehört dem Kunstmuseum Bern. (Bild: Britta Pedersen/AFP (Berlin, 4. Dezember 2014))

Das Gurlitt-Erbe gehört dem Kunstmuseum Bern. (Bild: Britta Pedersen/AFP (Berlin, 4. Dezember 2014))

Damit ist der Weg frei für eine Überstellung der 1500 Werke nach Bern. Gurlitt, 2014 verstorben, hatte das Kunstmuseum in seinem Testament überraschend als Alleinerbe eingesetzt. Ein Teil der millionenschweren Sammlung ist mit Raubkunstverdacht belegt.

Gurlitts Cousine Uta Werner hat das Testament angezweifelt und Klage eingereicht. In erster und nun in letzter Instanz ist sie damit vor Gericht abgeblitzt, wie aus einem Entscheid des Oberlandesgerichts München von gestern hervorgeht. Das Gericht glaubt nicht, dass der Erblasser bei der Errichtung des Testaments an einem Wahn oder einer Demenz litt, welche die Testierfähigkeit aufgehoben hätte. Allerdings gibt es noch eine Möglichkeit, die Erbschaft in Deutschland vor einem Zivilgericht anzufechten. Ob Werners Familie solche Schritte erwägt, ist derzeit offen.

Weg frei für Ausstellungen

Werner bedauert den Entscheid des Münchner Oberlandesgerichts. Das Gericht habe «das wahre Ausmass der Verwirrung» ihres Cousins nicht erkannt. Die Deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) begrüsste das Urteil. Nun sei «der Weg frei für die gemeinsamen Ausstellungsplanungen des Kunstmuseums Bern und der Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes in Bonn für das kommende Jahr», sagte sie. Die beiden Häuser wollen in den Ausstellungen die Nazi-Kunstpolitik beleuchten und den Begriff der entarteten Kunst erklären. Bei der verfolgungsbedingt entzogenen Raubkunst, meist von jüdischen Sammlern und Kunsthändlern, geht es laut Grütters um die Anerkennung der Opferbiografien. «Dieser Schritt ist essenziell für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Werken und ihrer Geschichte, vor allem aber sind wir diese Aufbereitung den Opfern in aller Welt schuldig.»

Freude und Erleichterung in Bern

Mit Freude hat das Kunstmuseum Bern auf das Gurlitt-Urteil reagiert. Die eigene Forschungsstelle in Bern dürfte bald ihre Arbeit aufnehmen. «Von zentraler Wichtigkeit ist für uns, dass sämtliche Werke ausgeforscht werden», betonte Marcel Brülhart vom Kunstmuseum Bern. «Das kann noch bis zu zwei Jahre dauern.» Die sogenannten «abgeklärten Werke» werden schrittweise nach Bern kommen oder restituiert werden. (sda)