Grossmutters Truhe

Mein Lieblingsmöbel: Julienne Stucki lebt mit ihrer hellen Einrichtung einen naturverbundenen Lebensstil. Die Journalismus-Studentin liebt Schweden und Pilates. Eine alte Truhe, ein Erbstück, weckt Erinnerungen an die Kindheit.

Laurien Gschwend
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Julienne Stuckis Truhe ist zwar alt – aber dennoch genügend stabil, um darauf Pilates zu machen. (Bild: Reto Martin)

Julienne Stuckis Truhe ist zwar alt – aber dennoch genügend stabil, um darauf Pilates zu machen. (Bild: Reto Martin)

Hell, gemütlich und mit besonderem Flair: Dies wünschen sich wohl viele vom eigenen Zimmer. Julienne Stucki hat sich ein solches eingerichtet, in einer Wohngemeinschaft in Kreuzlingen. «Willkommen in meinem Reich», sagt die fröhliche Journalismus-Studentin beim Öffnen der Tür und zeigt ihren lichtdurchfluteten Raum.

Ein Stück Familie

Bei einem Blick durch das Zimmer fällt als erstes eine alte, mit Blumen bemalte Holztruhe auf. «Mein absolutes Lieblingsmöbel – ein Erbstück von meiner geliebten Grossmutter», erzählt Julienne Stucki. Zu ihr hatte sie immer ein enges Verhältnis: «Für mich war sie wie eine zweite Mutter.» Die Truhe stammt ursprünglich aus dem Jahr 1873, gehörte der Tante ihres Grossvaters – und ist seitdem in Familienbesitz. Julienne Stucki wuchs in einem grossen Thurgauer Landhaus auf und lebte dort mit ihrer philippinischen Mutter, ihrem Schweizer Vater, ihrer Schwester sowie den Grosseltern. Die Truhe stand damals im Wohnzimmer der Grossmutter, und darin bewahrte diese Winterkleider auf. «Auch heute mache ich das unbewusst noch. Die Truhe bietet viel Platz und erinnert mich ein bisschen an die berühmte Tasche von Mary Poppins», sagt sie lächelnd. Die Truhe ist für die 26-Jährige aber viel mehr als ein Behälter: «Sie ist eine Verbindung zu meiner Kindheit, ein Erinnerungsstück, das ich bewusster als andere Möbel wahrnehme.»

Gegen die Wegwerfgesellschaft

Auch bei ihrer weiteren Einrichtung greift Julienne Stucki zu schönen, schon etwas älteren Holzmöbeln aus dem Brockenhaus. Die Aufgaben für das Studium erledigt sie an einem Tisch aus den 50er-Jahren, der mit Linoleum überzogen ist. Wenn ein Möbel kaputt ist, repariert sie es: «In bin gegen unsere Wegwerfgesellschaft. Ausserdem verleihen diese antiken Stücke einem Raum extrem viel Charme», sagt Julienne Stucki.

Pippi Langstrumpf im Zimmer

Um sich in ihren vier Wänden wohl zu fühlen, braucht Stucki so wenig Elektronik wie möglich, um durchatmen zu können. Wichtig sind ihr Erinnerungsstücke und Accessoires. Ein knallgrüner Pippi-Langstrumpf-Kalender schmückt das antike Nachttischchen des Schweden-Fans. «Den habe ich von meiner Schwester zu Weihnachten bekommen. Sie weiss eben genau, was mir gefällt», sagt die verspielte Halbasiatin. Eine alte Leiter aus dem Elternhaus dient zur Garderobe für Gürtel und eine Tasche aus den Philippinen.

Lebenseinstellung Pilates

Stucki mag es sauber und ordentlich. Nicht nur bei der Inneneinrichtung: Auch ihr Leben gestaltet sie bewusst – und mit einem Ziel vor Augen. Ihr Traum ist es, einmal Sprecherin eines TV-Senders zu werden. Neben dem Studium arbeitet sie als Pilateslehrerin: «Meine Leidenschaft und eine Lebenseinstellung, durch die ich zu mir selber und zur Natur gefunden habe.»