GROSSBRITANNIEN: Heute mehr Tochter als Monarchin

In aller Stille begeht die englische Königin Elisabeth II. den 65. Jahrestag ihrer Thronbesteigung. Für sie ist der Jubiläumstag in erster Linie der Todestag ihres Vaters: König George VI.

Sebastian Borger/London
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Elisabeth II. sitzt seit 65 Jahren auf dem britischen Thron. (Bild: Suzanne Plunkett/EPA (London, 4. Juni 2014))

Elisabeth II. sitzt seit 65 Jahren auf dem britischen Thron. (Bild: Suzanne Plunkett/EPA (London, 4. Juni 2014))

Sie liebt ihn nicht, diesen 6. Februar. Mögen andere über ihr Pflichtbewusstsein und ihre Lebensleistung sprechen, ja sogar Salutschüsse zu Ehren ihres eisernen Thronjubiläums abfeuern – für Elizabeth II ist dieser Montag in erster Linie ein Anlass der Trauer, schliesslich starb am 6. Februar 1952 ihr geliebter Vater George VI. Das ist lang her, genau 65 Jahre. Doch warum sollte nicht auch ein alter Mensch, eine Mutter, Grossmutter und Urgrossmutter noch trauern um den Mann, der ihre Jugend dominiert und ihr Leben geprägt hat?

Die dreijährige Jessica Atfield überreicht der Queen Blumen zum Thronjubiläum. (Bild: GARETH FULLER (AP PA))
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Queen Elizabeth II und ihr Ehemann, der Duke of Edinburgh, bei ihrer Ankunft in der St Peter und St Paul-Kathedrale in West Newton, am Sonntag, 5. Februar. Queen Elisabeth schreibt am 6. Februar Geschichte: Sie ist die erste britische Monarchin, die das Saphir-Thronjubiläum feiern kann. Vor 65 Jahren wurde sie zur Königin gekürt. (Bild: GARETH FULLER (AP PA))
Queen Elizabeth II mit ihren fünf Urenkeln und ihren zwei jüngsten Enkeln im "Green Drawing Room" im Schloss Windsor. Die Kinder von links: Der achtjährige James Viscount Severn und die zwölfjährige Louise. Beides Kinder von dem Earl and Countess of Wessex. Mit der Handtasche: Mia Tindall, die zweijährige Tochter von Zara and Mike Tindall. Die Dritte von rechts: Die fünfjährige Savannah; ganz rechts steht die dreijährige Tochter von Peter Phillips. Neben der Queen steht der zweijährige Prinz George, Sohn von Prinz William und Kate. Traditionell auf dem Schoss der Queen die Jüngste: die elf Monate alte Prinzessin Charlotte. (Bild: Keystone)
Am 8. Mai 2013 hält die britische Königin Elizabeth II., neben ihr Ehemann Prinz Phillip, Herzog von Edinburgh in London, eine Rede bei der Staatseröffnung des Parlaments. (Bild: TOBY MELVILLE (PRESS ASSOCIATION / EPA FILE))
Queen Elizabeth II. während der Parade zu ihrem 90. Geburtstag am 21. April 2016. (Bild: Keystone)
Beliebt wie eh und je: Die Queen bei ihren Untertanen. (Bild: Keystone)
Queen Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Phillip in Windsor. (Bild: Keystone)
Die Queen erhält Blumen zum 90. Geburtstag. (Bild: Keystone)
Queen Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip winken den Bürgern. (Bild: Keystone)
Familienfoto der Königsfamilie von Grossbritannien, aufgenommen zum 25. Hochzeitstag des Königspaares, am 20. November 1972. v.l.n.r.: Prinz Philip, Queen Elisabeth II., Prinz Edward, Prinz Andrew, Prinzessin Anne, Prinz Charles. (Bild: Keystone)
Ein Portrait der Queen im Jahr 1947. (Bild: Keystone)
Queen Elisabeth II. mit ihren beiden Kindern Prinz Charles und Prinzessin Anne. (Bild: Keystone)
Die Queen bei der Premiere des Films "Dr. Dolittle" 1967. (Bild: Keystone)
Bundesrat Kurt Furgler, links, unterhält sich am 29. April 1980 in den Wandelhallen des Bundeshauses in Bern mit Queen Elizabeth II. und ihrem Mann Prinz Philipp, die zu einem Staatsbesuch in die Schweiz gekommen sind. (Bild: Keystone)
Queen Elizabeth II. mit der 1997 verstorbenen Prinzessin Diana. (Bild: Keystone)
Während eines Deutschland-Besuchs 2002 probiert die Queen ein deutsches Bier. (Bild: Keystone)
Queen Elizabeth II. während eines Besuchs der Coca Cola Fabrik in Nordirland. (Bild: Keystone)
Queen Elizabeth II. bei einem Spitalbesuch in London. (Bild: Keystone)
2008 besuchte Queen Elizabeth II. die Slowakei. (Bild: Keystone)
2007 inspizierte Queen Elizabeth II. die Soldaten des 470 Jahre alten "Honourable-Artillery-Company" in London. (Bild: Keystone)
In den vergangenen Jahren sind das Königshaus und die Queen immer beliebter geworden. (Bild: Keystone)
Die Queen bei einem offiziellem Anlass 2007. (Bild: Keystone)
Die fünf Briefmarken wurden 2002 zum 50-Jahr-Thronjubiläum der Queen gedruckt. (Bild: Keystone)

Die dreijährige Jessica Atfield überreicht der Queen Blumen zum Thronjubiläum. (Bild: GARETH FULLER (AP PA))

Die knapp 91-Jährige begeht den Tag also in «stiller Einkehr», wie es eine Sprecherin vornehm ausdrückt. Er wird auf Schloss Sandringham in der Grafschaft Norfolk wie üblich um 7.30 Uhr mit English-Breakfast-Tee und einigen Haferplätzchen beginnen, erzählt die Monarchie-Kennerin Ingrid Seward. Daran schliesst sich das tägliche Gebet der tief­religiösen Anglikanerin an, in dem der Vater vorkommen dürfte. Offizielle Termine sind tabu – an diesem Tag ist Elizabeth Alexandra Mary zunächst Tochter und erst in zweiter Linie Monarchin.

Die Queen tritt deutlich kürzer

Nur selten, zuletzt zum Diamantjubiläum im Olympiajahr 2012, hat Elizabeth II davon eine Ausnahme gemacht. Seither hat sie ohnehin ihre Arbeitsbelastung deutlich reduziert, verzichtet auf anstrengende lange Auslandsreisen, überträgt die Schirmherrschaft über allerlei Wohltätigkeitsverbände jüngeren Royals wie Thronfolger Charles oder dessen Söhnen William und Harry. Über Weihnachten und Neujahr musste sie sogar auf den sonst selbstverständlichen Besuch in der örtlichen Kirche zum Gottesdienst verzichten, eine «schwere Erkältung» setzte der alten Dame zu. Zur rascheren Genesung halte sich die Monarchin einstweilen nur in geschlossenen Räumen auf, teilte eine Palastsprecherin damals mit.

Insgesamt kann sich Elizabeth über gesundheitliche Beeinträchtigungen kaum beklagen. Noch immer stimmt, was die Jubilarin schon vor Jahren zu Protokoll gab: Unter ihren Altersgenossinnen gelte sie ja als «recht gut erhalten», hat Elizabeth II schon vor Jahren ein wenig kokett gesagt. Dazu mögen Haferplätzchen zum Frühstück ebenso beigetragen haben wie die besten Ärzte des Landes und ein Heer an Bediensteten. Vor allem hat die Königin von der Mutter robuste Gene geerbt: Die legendäre Queen Mum war noch mit knapp 100 Stargast royaler Gartenfeste, ehe sie 2002 im 102. Lebensjahr starb. Bessere Gene jedenfalls als jene des Vaters, der freilich zudem auch Kettenraucher war.

Diese gesundheitsschädigende Gewohnheit hat seine ältere Tochter nie angenommen, im Gegenteil: Zur Hochzeit 1947 – im November steht also eine Gnadenhochzeit an – nahm sie Prinz Philip das Versprechen ab, in Zukunft auf die Zigaretten zu verzichten. Vielleicht steht der 95-Jährige deutsch-griechische Adelige auch deshalb bis heute in der Öffentlichkeit als unermüdlicher Begleiter seiner Frau.

«Mein Vater ist viel zu früh gestorben»

Womöglich profitierte Elizabeths Gesundheit auch davon, dass sie von klein auf ahnte und spätestens mit 10 Jahren wusste, welcher Job auf sie zukommen würde – anders als ihr Vater Albert («Bertie»). Der scheue Stotterer musste 1936 unverhofft ran: Sein älterer Bruder David hatte schon elf Monate nach der Thronbesteigung als Eduard VIII. die Aufgabe wieder hingeschmissen, um die zweifach geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten, was damals als unvereinbar mit der Krone (und dem nominellen Vorsitz der anglikanischen Staatskirche) galt.

Elizabeths Mutter jedenfalls machte den flugs zum Herzog von Windsor degradierten Pflichtflüchtling verantwortlich für Georges VI. frühen Tod. Die Königin gibt sich diplomatischer und beschränkt sich auf die Formulierung: «Mein Vater ist viel zu früh gestorben.» Das werden viele nachvollziehen können, nicht zuletzt all jene, die selbst früh einen Elternteil verloren haben. Keine Feier also an diesem Tag, keine Sonderbriefmarken, Volksfeste, persönlichen Huldigungen. Salutschüsse in London, gewiss auch das eine oder andere würdigende Wort im Parlament, schliesslich stellt die Dauer-Monarchin einen Stabilitätsanker dar im derzeit Brexit-geschüttelten Königreich.