Greenpeace lobt H & M und Zara

In der Modeindustrie tut sich was: Nach einer neuen Studie von Greenpeace produzieren Ketten wie H & M und Zara sauberer als beispielsweise Nike. Absolute Schlusslichter sind allerdings Luxusfirmen.

Katja Fischer De Santi
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Nach einer Untersuchung von Greenpeace haben zahlreiche grosse Textilkonzerne besonders schädliche Chemikalien aus ihrer Produktion verbannt. Bekleidungsfirmen wie H & M, Zara, C & A und die Sportartikelhersteller Puma und Adidas sowie zwölf weitere Modefirmen seien «die Trendsetter der sauberen Textilproduktion», wie die Umweltschutzorganisation gestern mitteilte. Zudem seien sie Vorreiter im Kampf gegen Wasserverschmutzung.

Teure Kleider mit viel Gift drin

Die Schlusslichter in Sachen giftfreies Produzieren sind laut Greenpeace GAP und Luxusfirmen wie Versace, Louis Vuitton und Hermès. «Die angeblichen Edelmarken scheren sich nicht um giftfreie Produktion. Gerade bei deren hohen Preisen sollte Qualität auch mit einer sauberen Produktion einhergehen», erklärte Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace.

Nur unter grossem Druck

Nun muss aber dazu gesagt werden, dass die allermeisten dieser nun plötzlich gelobten Firmen, wie H & M oder Adidas, nicht ganz freiwillig bei der «Detox Kampagne» von Greenpeace mitmachen. Erst nach weltweiten Protesten und Shitstorms auf Twitter und Facebook, bei denen Greenpeace-Aktivisten immer wieder darauf aufmerksam machten, mit wie viel Giftstoffen die Kleidungsstücke hergestellt werden, unterschrieben die Unternehmen die Vereinbarung. Und als etwa Adidas 2014 trotz Vereinbarung keine Verbesserungen in der Produktion vorweisen konnte, nutzte Greenpeace die Fussball-WM, um mit riesigen Transparenten auf den «giftigen» Sponsor aufmerksam zu machen. Der Effekt blieb nicht aus. Ein halbes Jahr später erscheint der deutsche Sportartikelhersteller nun als «Detox Leader» auf der Greenpeace-Liste und erhofft sich so wieder ein etwas grüneres Image.

Migros weigert sich

Auch bei Schweizer Unternehmen wie etwa der Migros versucht Greenpeace Druck zu machen. Im Oktober letzten Jahres untersuchte die Organisation Kleider und Schuhe diverser Grossverteiler. Und fand in einem Migros-Kinderschuh der Marke Trevolution die höchste Konzentration von den potenziell krebserregenden Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Migros weigert sich bislang eine «Detox»-Verpflichtung zur vollständigen Entgiftung der gesamten Produktionskette einzugehen. Coop hat 2013 eine solche Deklaration unterschrieben.

Insgesamt haben sich bereits 29 internationale Modemarken, Zulieferer und Grossverteiler wie Lidl, Tchibo, Mango und Puma gegenüber Greenpeace verpflichtet, bis zum Jahr 2020 alle Risiko-Chemikalien aus ihrer Produktion zu entfernen. Das entspricht etwa 15 Prozent der globalen Textilproduktion. Die giftigen Chemikalien, die die Modefirmen zum Färben und Ausrüsten von Textilien einsetzen, verschmutzen Gewässer und Trinkwasserreserven besonders in den Herstellungsländern. In den grossen Städten Chinas – dem Land mit der grössten Textilproduktion – sind über 60 Prozent der Trinkwasserreserven ernsthaft verschmutzt.