GOTTHARD: Acht Unfälle und Sperrung der A2 wegen 100 Kilometer langer Schmierspur

Auf der Autobahn A2 zwischen den Kantonen Tessin und Luzern hat eine 100 Kilometer lange Schmierspur zu Behinderungen und mehreren Unfällen geführt. Woher die Verschmutzung stammt, ist unklar. Es gibt aber erste Hinweise.

René Meier
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Vor dem Gotthard-Südportal staut es sich um die Mittagszeit. (Bild: Screenshot tcs.ch)

Vor dem Gotthard-Südportal staut es sich um die Mittagszeit. (Bild: Screenshot tcs.ch)

Die Dreckspur begann im Gebiet Quinto unweit des Gotthard-Südportals und endete bei der Raststätte Neuenkirch im Kanton Luzern. Sie war rund 100 Kilometer lang. Die Autobahn A2 musste daher am Mittwochnachmittag für mehr als sechs Stunden von Airolo bis und mit dem Seelisbergtunnel in Richtung Norden komplett gesperrt werden. Der Verkehr wurde über die Kantonsstrasse, die Axenstrasse sowie die San-Bernardino-Route umgeleitet, was zu Behinderungen führte. Im Kanton Nidwalden wurde der Verkehr Richtung Norden einspurig geführt.
 

Spur führt zu ausländischem Lastwagenchauffeur

Wer die Dreckspur verursacht hat, ist noch nicht bekannt. Die Polizei geht dank den zur Verkehrsüberwachung installierten Kameras ersten Hinweisen nach. «Die Verschmutzung könnte von einem ausländischen Lastwagen stammen », sagt Reto Pfister, Kommandant der Kantonspolizei Uri auf Anfrage. Bei der Verschmutzung handle es sich weder um Öl noch Diesel, sondern um eine schmierige, nicht giftige Flüssigkeit. Eventuell stamme die Flüssigkeit aus der Ladung. «Es kann gut sein, dass der Chauffeur den Zwischenfall nicht bemerkt hat», so Pfister.
 

«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Vom Ausmass in diesem Umfang ist selbst Pfister überrascht, der seit 17 Jahren in verschiedenen Funktionen bei der Polizei arbeitet. Pfister: «Der Zwischenfall ist sehr aussergewöhnlich. So etwas habe ich noch nie erlebt»

Die Reinigung der Autobahn dauerte Stunden. Sie erwies sich als schwierig, da die Flüssigkeit wegen des Regens weit verteilt worden war. «Die Reinigungsfahrzeuge mussten beide Fahrspuren sowie den Pannenstreifen abfahren und putzen». Pfister rechnet damit, dass die Arbeiten allein im Kanton Uri einen fünfstelligen Betrag kosten könnten.
 

Drei Unfälle mit vier Verletzten im Kanton Uri

Im Kanton Uri kam es zu drei Unfällen, die «mit grosser Wahrscheinlichkeit» auf die Verschmutzung zurückzuführen sind, so Pfister weiter. Um 09.30 Uhr kollidierte im Teiftaltunnel auf dem Gebiet der Gemeinde Gurtnellen ein Auto mit der Tunnelmauer. Dabei wurden drei Personen verletzt. Sie mussten vom Rettungsdienst ins Spital gebracht werden. Wenig später kollidierten auf Höhe Intschi zwei Autos, welche ebenfalls in Richtung Norden unterwegs waren. Personen wurden dabei keine verletzt. Gegen 10 Uhr ereignete sich auf Höhe Altdorf ein Selbstunfall, wobei eine Person in Spitalpflege überführt werden musste.
 

Fünf Unfälle mit acht Fahrzeugen bei Hergiswil

Auf dem A2-Teilstück im Nachbarkanton Nidwalden kam es zu fünf Unfällen mit acht beteiligten Fahrzeugen. Ob diese wegen der Verschmutzung geschehen seien, werde abgeklärt, sagte ein Sprecher der Polizei auf Anfrage. Alle Unfälle hätten sich im Bereich Hergiswil kurz vor der Kantonsgrenze Luzern gegen 10.25 Uhr ereignet. Ein Autofahrer geriet gemäss eigenen Angaben aufgrund der Flüssigkeit ins Schleudern. Aufgrund des Rückstaus kam es zu einer Auffahrkollision, in welche drei weitere Autos involviert waren. Zwei weitere Fahrzeuglenker bemerkten den Rückstau ebenfalls zu spät und verursachten in der Folge Selbstunfälle durch Kollisionen mit den Leiteinrichtungen. Bei den Unfällen entstand grosser Sachschaden. Verletzt wurde niemand.

Neben der Kantonspolizei Uri und Nidwalden standen der Rettungsdienst mit mehreren Fahrzeugen, die Schadenwehr Gotthard, die Werkhoffeuerwehr des Amtes für Betrieb Nationalstrassen, das Amt für Betrieb Nationalstrassen, die Chemiewehr Uri, das Amt für Umweltschutz Kanton Uri sowie diverse private Reinigungs- und Abschleppunternehmen im Einsatz.