Gift, Strom und Eis gegen Mücken

Ist der Sommer endlich da, sind es die Mücken auch. Mit Rauch, giftigen Dämpfen und ätherischen Ölen sollen sie vertrieben werden. Doch was hilft wirklich, und was bringen Stichheiler, welche mit Hitze den Juckreiz beseitigen sollen?

Katja Fischer De Santi
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Der ergiebige Regen in den letzten Wochen hat für Mücken ideale Bedingungen geschaffen. Und kaum wird es heiss, schlüpfen die kleinen Stechviecher millionenfach. Und während sich die Männchen nur von Pflanzensaft ernähren vermiesen die blutsaugenden Weibchen einem so manchen Grillabend.

Kein Wunder, positionieren Drogerien und Grossverteiler ihre Antimückenmittel an vorderster Front. Doch als vermeintliche Wundermittel gegen Mücken wurde schon viel Unsinn auf dem Markt geworfen.

Antimückenarmbänder nutzlos

Der neuste Coup: Antimückenarmbänder. Vor allem um Kinderhandgelenke werden diese zur Zeit gerne gebunden, da sie ohne chemische Stoffe auskommen. Die Hersteller versprechen, dass die in den Bändern enthaltenen ätherische Öle Mücken vertreiben. Tatsächlich duften die bunten Bändchen von Para'Kito dank des auswechselbaren Plättchens intensiv, aber nicht unangenehm. Der deutschen Stiftung Warentest zufolge ist dieser Art Mückenschutz jedoch praktisch wirkungslos. Als die Prüfer der Stiftung ihre mit Antimückenarmbändern bewehrten Arme den Mücken im Labor darboten, wurden sie innerhalb von 29 Sekunden dreimal gestochen. Verwunderlich ist die ausbleibende Wirkung nicht: Auch bei den Antimückensprays, welcher der «K-Tipp» kürzlich untersuchte, schnitten Produkte mit ätherischen Ölen, Lavendel oder Citriodiol ungenügend ab.

Draussen hilft fast nichts

Mücken stört übrigens auch Rauch nicht im geringsten. So sind denn auch Räucherstäbe und Räucherspiralen, die Mücken vom Balkon oder Sitzplatz vertreiben sollen, wirkungslos. «Mückenabwehrgeräte, die im Freien befriedigend wirken, gibt es nicht», heisst es am Basler Tropeninstitut.

Zwar mögen Stechmücken diverse natürliche Düfte wie Zitronengras, Lavendel oder Geranien überhaupt nicht. Damit die Insekten nicht in Wohnräume fliegen oder sich vom Balkon fernhalten, braucht es aber eine ziemlich hohe Konzentration des Duftes.

DEET-Sprays sind wirksam

Am zuverlässigsten schützen laut dem Tropeninstitut Sprays oder Crèmes mit dem Inhaltsstoff DEET (Diethyltoluamid). Der Wirkstoff wurde in den 1940er-Jahren von der US-Armee entwickelt. Und ist heute etwa im Anti-Brumm Forte oder Kik Activ enthalten. Allerdings ist das Gift nicht ganz ungefährlich. Schwangere und Kleinkinder sollten die Finger davon lassen. DEET greift Kunststoff an, kann die Schleimhäute reizen und bei regelmässiger Anwendung zu Kopfschmerzen führen. Besser verträglich und für unsere Breitengrade ausreichend wirksam sind Antimückensprays mit dem neueren Wirkstoff Icaridin.

Weit verbreitet in Schweizer Schlafzimmern sind sogenannte Mückenstecker. Sie arbeiten effizient und geruchlos. Das Prinzip ist einfach: In die Steckdose gesteckt, wird eine Flüssigkeit erwärmt. Die freiwerdenden Dämpfe töten die Stechmücken. Vergleiche und Tests bescheinigen nur Biozidverdampfern auf Basis von Pyrethroiden einen erfolgreichen Kampf gegen die Blutsauger.

Nervengift im Kinderzimmer

Nur, ob und ab welcher Konzentration dieses Nervengift auch für Menschen schädlich ist, darüber gehen die Meinungen seit den 1990er-Jahren auseinander.

Beim Schweizerischen Tropeninstitut rät man dazu, die Mückenstecker nur dosiert anzuwenden. Keinesfalls die ganze Nacht und auch nicht den ganzen Sommer hindurch laufen lassen. Vor allem Kleinkinder sollten nicht regelmässig den Biozidverdampfern ausgesetzt sein. Besser den Mückenstecker einige Stunden vor dem Insbettgehen einschalten und später ausschalten. Ein Mückengitter am Fenster oder ein Moskitonetz über dem Bett halten die Quälgeister zudem ganz ohne Gift fern.

Was nach dem Stich hilft

Was aber tun, wenn alles nichts genützt hat und man morgens mit dem Zählen der Mückenstiche kaum nach kommt? Kratzen ist dann zwar naheliegend, aber keine gute Idee. Durch das Kratzen verschlimmern sich Juckreiz und Schwellung. Das zweite Problem: Über die Fingernägel können Keime in die Wunde gelangen und eine bakterielle Infektion auslösen. Besser als kratzen ist kühlen. Am besten mit Eis, zur Not auch mit etwas Spucke oder einem Gel. Durch die Verdunstungskälte wird der Juckreiz gelindert, und die Schwellung geht zurück.

Mit Strom gegen das Jucken

Neu auf dem Markt sind sogenannte Stichheiler, welche ohne Chemie, dafür mit Hitze oder kleinen Stromstössen gegen den Juckreiz wirken sollen. Beim Bite-Away-Stift hält man ein rund 50 Grad heisses Keramikplättchen für einige Sekunden auf den Stich. Die Wärme (bei Zap It die Stromstösse) soll einen Teil der juckreizauslösenden Enzyme aus dem Insektengift zerstören. Studien zeigen, dass die Methode mit der Wärme tatsächlich funktioniert. Allerdings muss die Stelle möglichst rasch nach dem Einstich erwärmt werden. Den Stromstössen wird hingegen wenig Wirkung nachgesagt.

Wem das zu technisch ist, der greift zum Mückenstempel (oder einem Kugelschreiber). Mithilfe dieses Utensils wird das Juckreiz verursachende Sekret in tiefere Hautschichten gedrückt, wo es weniger Wirkung zeigt. Vor allem Kindern macht es zudem Spass, ihre Mückenstiche abzustempeln.