GETESTET

Für mehr Kreativität am Herd Kurz nach 19 Uhr. Die Bürotüre schnappt zu – und daheim wartet ein fast leerer Kühlschrank.

Merken
Drucken
Teilen
Essen aus dem Paket: Die Kochpost macht's möglich. (Bild: dbu)

Essen aus dem Paket: Die Kochpost macht's möglich. (Bild: dbu)

Für mehr Kreativität am Herd

Kurz nach 19 Uhr. Die Bürotüre schnappt zu – und daheim wartet ein fast leerer Kühlschrank. Einmal mehr auf den Spaghetti-Vorrat zurückgreifen? Oder doch rasch an der Tankstelle anhalten? Einkaufsfreudig und kreativ in der Küche: Beides ist man zu fortgeschrittener Feierabendstunde nicht. Und so sprudelt wenig später wieder Wasser mit Pasta im Kochtopf.

Kaputtes Rüebli

Wer das kennt, ist ein Fall für die Kochpost. Die Zürcher Firma arbeitet mit einem Koch und einer Ernährungsberaterin zusammen, die sich gesunde Rezepte ausdenken. Die Zutaten dafür liefert das Unternehmen direkt nach Hause. Ist man nicht daheim, wird das Paket vor der Türe deponiert. Wie gut, dass Winter ist – und nicht Hochsommer. Die Pouletschenkel und das Schweinsnierstück befinden sich zwar in einem Kühlbeutel. Doch ob das gereicht hätte, an einem heissen Augusttag mit viel Sonne? Man arbeite noch «an einer besseren Lösung», heisst es. Ein Blick in das Paket zeigt: Zwar ist ein Rüebli zerbrochen und das Grün des Selleries etwas geknickt. Doch das Gemüse ist frisch. Zutaten für drei oder vier Gerichte pro Woche lassen sich online bestellen – für Paare, kleine Familien, auch für Gruppen ab sechs Personen. Ein Klick, und Kochpost liefert den passenden Wein mit. Ein weiterer Klick, und Früchte sind auch dabei.

Allergiker haben es schwer beim Food-Service. «Auf Allergien können wir noch keine Rücksicht nehmen. Wir arbeiten aber an einer laktose- und glutenfreien Linie», sagt Marc Pallioppi von Kochpost. Dank neuem Partner sind 85 Prozent der Rezeptzutaten bio. Nun träumt Pallioppi von einer Linie für Gourmets.

Fleisch selber kaufen

Das Nachkochen zeigt: Die Gerichte sind einfach zuzubereiten. Karotte, Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch hacken, in eine ofenfeste Form legen, würzen. Etwas Bouillon dazugeben. Die Pouletschenkel kommen aufs Gemüse, die Gratinform an die Hitze. Die restliche Arbeit übernimmt der Ofen. 60 Minuten nach Beginn soll man essend am Tisch sitzen. Tatsächlich sind es 75 Minuten; aber das kennt die Kochende auch von anderen Rezepten. Das Poulet ist butterzart, das Gemüse noch bissfest – wie es sich gehört. Nur der Sellerie-Geruch, der sich am Morgen danach trotz Lüftens hartnäckig in der Stube hält, der müsste nicht sein. Wer sich vor leicht blutigen Pouletschenkeln ekelt, dem sei empfohlen: Ein vegetarisches Paket bestellen – und das Fleisch beim Metzger seines Vertrauens selber einkaufen.

Genau lesen, das muss man auch bei den Kochpost-Rezepten. Sonst steht man am zweiten Kochtag plötzlich ohne Sellerie da. So wird aus dem Kartoffelstock ein herkömmlicher Stocki. Die Kartoffeln werden zuerst im Wasser gekocht, dann mit dem Stampfer zerdrückt. Stampfer? Den hat man nicht. Das haben die Kochpost-Macher befürchtet. «Im Notfall die Gabel nehmen», schreiben sie deshalb.

Weder Vorspeise noch Dessert wird in der Box geliefert. Und so zaubert man vor Stocki und Fleisch selber etwas aus dem Ärmel. Champignons mit Knoblauch-Dip. Braucht man zu lange für die Sauce, hat man das Geschenk: Das Schweinskarree, das im Ofen gart, dürfte saftiger sein.

Nicht ins Kino

Ein paar Tage später – die Haut der Peperoni schrumpelt ein bisschen –, das dritte Gericht: Flammkuchen mit Gemüse und Speck. Es schmeckt so gut, dass man das Rezept in den Rezepteordner legt. Nächstes Mal, so denkt man sich, verwendet man Fetakäse und exotische Gewürze statt Speck. Kochpost macht erfinderisch – und den Feierabend-Spaghetti den Garaus.

Dreimal pro Woche über 40 Minuten am Herd zu verbringen, das ist einigen – neben Fitnesstraining, Spanisch-Unterricht und Kollegen – wohl dennoch zu viel. Deshalb: Die Kochpost nur alle zwei oder vier Wochen bestellen. Sonst muss man der Kollegin, die spontan ins Kino will, erneut einen Korb geben. Denn Sellerie, Schweinskarree und Flammkuchenteig lässt man ungern im Kühlschrank vergammeln.

Diana Bula www.kochpost.ch