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GESUNDHEIT: Der Mediziner ist auch ein Hellseher: Wie Ärzte eine Krankheit im Gesicht erkennen

Auch im Zeitalter der Hightech-Medizin können gute Ärzte viele Krankheiten oft schon am Gesicht oder am Geruch ihres Patienten erkennen.
Lajos Schöne
Ärztin begrüsst Patientin – und kann sehr oft ohne Hilfsmittel erkennen, woran es ihrem Gegenüber fehlt. (Bild: Getty)

Ärztin begrüsst Patientin – und kann sehr oft ohne Hilfsmittel erkennen, woran es ihrem Gegenüber fehlt. (Bild: Getty)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent; color: rgb(0, 120, 190);"><em style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Viele Arztpraxen verfügen heute über einen umfassenden Maschinenpark. Der Patient wird durchleuchtet und vermessen, sein Blutdruck und Herzschlag überwacht, sein Blut und Urin analysiert. Die Technik hat zweifellos ihren Segen, verleitet indes auch zu übertriebenem Gebrauch und steigert dadurch die Kosten. Dabei hat sich auch im Zeitalter der elektronisch erzeugten Datenfülle nichts daran geändert: Ein routinierter Hausarzt kann in seiner Praxis geschätzte 80 Prozent ­aller Krankheiten durch einfaches Befragen und eine unkomplizierte Untersuchung des ­Patienten sicher erkennen. Allein in den paar Sekunden, die ein ­Patient braucht, um von der Tür bis zum Besucherstuhl zu gelangen, kann ein geübter Arzt eine Reihe wichtiger Einzelheiten für seine Diagnose registrieren:

  • Übergewicht? Das kann auf hohen Blutdruck, Herzschwäche oder Diabetes Typ 2 hindeuten.
  • Mimik? Depressive haben oft einen typischen Gesichtsausdruck. Und bei Magengeschwüren entstehen zuweilen tief eingekerbte Falten um den Mund.
  • Körperhaltung? Sie lässt sich gut einordnen, zum Beispiel bei Hexenschuss, Schwangerschaft, oder Kolikschmerzen.
  • Hautfarbe? Blässe kann auf Blutarmut hindeuten, eine bläulich-violette Verfärbung auf zu wenig Sauerstoff im Blut, hervorgerufen durch Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen. Fahle, gelbliche Färbung ist einmögliches Zeichen für Gallen- und Leberleiden, trockene Haut für eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose).
  • Atmung und Stimme? Wichtig für die Diagnose sind Atemnot, Stimmlage, Heiserkeit, Stimmwechsel im Klimakterium.
  • Augen? Eine Überfunktion der Schilddrüse (Morbus Basedow) lässt sich häufig schon an den übermässig gross und weit aufgerissen erscheinenden Augen erkennen. Neben den hervortretenden Augäpfeln kommt es häufig auch zu Lidschwellungen.
  • Lässt sich gar nichts Auffälliges erkennen, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass demPatienten gar nichts fehlt, jedenfalls nichts, das einer Behandlung bedarf. Das ist keine Seltenheit in Hausarztpraxen.

Auch Laien haben ein gutes Auge

Selbstverständlich wird sich kein seriöser Arzt allein auf seine «Blickdiagnose» verlassen, aber erstaunlich bleibt trotzdem, wie gut die Sinne geschärft sind. Nicht nur bei Ärzten: Auch Nichtmediziner können oft schon am Gesicht erkennen, ob ihr Gegenüber krank oder angeschlagen ist. Eine aktuelle Studie des Instituts für Stressforschung der Universität Stockholm erbrachte dafür den Beweis mit einer zwar kleinen, aber ungewöhnlichen Versuchsanordnung: Die Forscher machten 16 gesunde Freiwillige mit einer Spritze aus einem Bakterium-Toxin (Escherichia coli-Endotoxin) vorübergehend krank und fotografierten sie zwei ­Stunden nach diesem Eingriff in ihr Immunsystem. Zur Kontrolle dienten Fotos, die mehrere ­Wochen später aufgenommen wurden, wiederum nach der Verabreichung einer Spritze. Ohne Wissen der Freiwilligen war sie diesmal lediglich ein Placebo und enthielt nur eine Kochsalzlösung.

Die so entstandenen Porträts wurden 62 Studenten zur Bewertung vorgelegt. Sie sollten innert jeweils fünf Sekunden beurteilen, ob die abgebildete Person darauf «krank» oder «gesund» aussieht. Die Unterscheidung gelang den medizinisch unbelasteten Teilnehmern überdurchschnittlich häufig. In sieben von zehn Fällen lagen sie mit der Beurteilung «krank» richtig.

Als Zeichen für Kranksein wurden vor allem blassere Lippen und Haut, ein stärker geschwollenes Gesicht, herabhängende Mundwinkel, hängende Augen­lider, rötere Augen, eine matte oder fleckigere Haut und ein ­insgesamt «müdes» Aussehen genannt. Die Studie wurde im Fachjournal «Proceedings of the Royal Society B» publiziert.

Das gute Gespür selbst von Laien hat sich aus der Menschheitsgeschichte entwickelt: «Die Fähigkeit, zu spüren, wenn ein Artgenosse kränkelt, ist evolutionsbiologisch gesehen eine wichtige Eigenschaft; schliesslich konnte es in früheren Zeiten überlebenswichtig sein, ein ­infektiöses ‹Herdenmitglied› zu meiden», schreibt die «Pflegezeitschrift» in einem Kommentar zur aktuellen Studie.

Gerüche sind ebenfalls verräterisch

Doch nicht nur ein geschulter Blick, auch eine gute Nase kann von beruflichem Vorteil sein. ­Bereits in der Traditionellen Chinesischen Medizin wurden aus dem Geruch des Atems eines ­Patienten Schlüsse zu dessen ­Gesundheitszustand gezogen. Tatsache ist: Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die Ärzte ohne weitere Hilfsmittel allein am ­Geruch erkennen können.

Zu den bekanntesten und am häufigsten auftretenden krankhaften Gerüchen gehört ein nach frischen oder leicht verfaulten Äpfeln riechender Atem. Er entsteht durch Aceton, das in unserem Körper gebildet wird, zum Beispiel bei einer unzureichenden Einstellung eines Zuckerkranken. Aber auch Menschen, die gerade eine Fastenkur ­machen, riechen durch die dabei entstehende sogenannte keto­tische Stoffwechsellage oft nach diesem Aceton, das auch als Nagellackentferner erinnert.

Es sind vor allem angeborene Stoffwechselstörungen, die mit einem charakteristischen Körper- oder Atemgeruch einher­gehen. So lässt sich die seltene Ahornsirup-Krankheit am Geruch nach Ahornsirup, Fleisch­extrakt oder Maggiwürze erkennen. Andere Stoffwechselkranke riechen nach ranziger Butter, ­getrocknetem Hopfen, Hefe oder Katzenurin. Der Geruch von Menschen mit Leberversagen oder Leberzirrhose («Foetor hepaticus») erinnert an rohe Leber oder faulen Fisch. Patienten mit der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie riechen oft nach Mäusen, Ratten oder Pferden.

Auch der Geruch nach Knoblauch ist nicht immer auf eine Mahlzeit zurückzuführen: Er kann auch durch eine Vergiftung mit Phosphor oder Arsen entstanden sein. Geruch nach ­saurem Schweiss kann im ­Gefolge einer Tuberkuloseerkrankung auftreten. Und wer nach Schweissfüssen riecht, benötigt manchmal nicht nur ein Fussbad, sondern ­einen auf Stoffwechselstörungen spezialisierten Arzt.

Bekannt ist, dass der menschliche Organismus je nach innerer Gefühlslage unterschiedliche ­Gerüche produziert. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass ein Hund eher einen Menschen ­angreift, wenn dieser sich vor ihm fürchtet. Das Tier riecht den «Angstgeruch» des Menschen, bekommt dadurch selber Angst und geht zum Angriff über.

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