Geschenke locken nicht immer

Zeit ist Geld. Denn wird ein Passant angehalten mit der Frage: «Haben Sie kurz Zeit? Wir brauchen Spenden für…» lehnen viele das Gespräch sofort ab. Nein, er hat keine Zeit. Und erst recht nicht, um auch noch Geld loszuwerden.

Anna Dieckmann
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Anna Dieckmann)

Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Anna Dieckmann)

Zeit ist Geld. Denn wird ein Passant angehalten mit der Frage: «Haben Sie kurz Zeit? Wir brauchen Spenden für…» lehnen viele das Gespräch sofort ab. Nein, er hat keine Zeit. Und erst recht nicht, um auch noch Geld loszuwerden. Nur wenige bleiben stehen, um sich vom Studenten anzuhören, was er zu sagen hat. Ähnlich verhält es sich mit den Werbegeschenken, die den Leuten am Bahnhof in die Hand gedrückt werden. Meist sind es Neuheiten von irgendwelchen Getränken. Auch hier teilt sich die Menschheit in zwei Reaktionstypen auf. Die einen empfinden es als Eindringen in ihre Privatsphäre. Sie möchten selber entscheiden, was sie wo im öffentlichen Raum konsumieren und wollen keinen «Ramsch» mit nach Hause nehmen. Ganz anders der andere Reaktionstyp. Er sieht die Werbung als Geschenk. Gegen eine gekühlte Fanta im Sommer oder einen Apfel am Feierabend kann schlecht etwas eingewendet werden, es sei denn, man mag Fanta nicht. Ich selbst habe ebenfalls Werbegeschenke schon als gutes Karma aufgefasst. Mit starken Halsschmerzen kämpfte ich mich am Abend durch die Menschenmasse. Dann drückt mir jemand tatsächlich ein Pfefferminzbonbon in die Hand. Ich war so glücklich, dass ich sogar das dazugehörende Werbepapier in die Tasche gestopft habe. Gerade bei diesen Flyern drängt sich die Frage auf, wie viele Menschen überhaupt einen Blick darauf werfen. Meines Erachtens könnte das Stück Papier sinnvoller investiert werden, als ungelesen auf den Boden zu fallen. Für die Strassenkehrer ist Zeit nämlich auch Geld.