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Geimpfte Wolken und ein Berg für mehr Regen

Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen mit der Aufschüttung eines Bergs künstliche Wolken erzeugen und so mehr Niederschläge provozieren. Mittels «Cloud Seeding» versucht derweil Abu Dhabi, Wolken mit geeigneten Keimen zu impfen, um die Regenfälle zu verstärken. Was nicht ungefährlich ist.
Adrian Lobe
Mitten in der Wüste soll ein künstlicher Berg Regen bringen. (Bild: fotolia)

Mitten in der Wüste soll ein künstlicher Berg Regen bringen. (Bild: fotolia)

Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu einem der trockensten Flecken der Erde. In dem ariden Klima fallen nur wenige Milliliter Niederschlag im Jahr. Ohne künstliche Bewässerung ist Landwirtschaft nicht möglich. Die Scheichs wollen daher ein wenig nachhelfen: Mithilfe künstlicher Berge, die Windströmungen so umleiten, dass sie aufeinanderprallen, aufsteigen und in höheren Schichten der Atmosphäre abregnen, soll die Niederschlagsproduktion gesteigert werden.

Der künstliche Berg

Wie die Nachrichtenseite «Arabian Business» aus Dubai berichtet, arbeitet das National Center for Atmospheric Research in Kooperation mit der University for Atmospheric Research in den USA an einer «detaillierten Modellstudie». Das Institut erhielt vom Emirat einen mit 400 000 Dollar dotierten Forschungsauftrag. In einer Machbarkeitsstudie soll geprüft werden, ob durch den Bau eines künstlichen Bergs die Regenproduktion gesteigert werden kann. «Wir versuchen, die Effekte auf das Wetter durch den Berg zu evaluieren, um herauszufinden, wie hoch er sein soll und wie stark sein Gefälle sein müsste», wird Forschungsleiter Roelof Bruintjes in dem Bericht zitiert.

1000 Raketen abgeschossen

Die Idee, mit Geo-Engineering Einfluss auf das Wettergeschehen zu nehmen, ist nicht neu. Hagelflugzeuge «impfen» mit Silberjodidlösungen Gewitterwolken, um ein Abregnen der teils tennisballgrossen Hagelkörner auf Obst- und Weinanbaugebiete zu verhindern.

Chinesische Wetterspezialisten schossen zur Eröffnung der Olympischen Spiele 2008 in Peking über 1000 Raketen mit Silberjodid in die Regenwolken, um Niederschlag zu verhindern und eine perfekte Inszenierung bei Sonnenschein zu gewährleisten. Und auch Dubai will dem Wetter ein Schnippchen schlagen und auf seinem Immobilienprojekt «The World», einer nach der Welt modellierten Insellandschaft, das alpine Wunderland «The Heart of Europe» durch künstliche Beschneiung herunterkühlen. Dass ein Berg zur künstlichen Regenproduktion aufgeschüttet wird, gab es bislang allerdings noch nicht.

Regen über der Wüste

Es mutet nach einem babylonischen Projekt an: Mitten in der topfebenen Wüstenlandschaft soll ein Berg aufgeschüttet werden, an dem sich die Luftmassen anstauen und durch das Hindernis zum Aufsteigen gezwungen werden. Dabei kühlt die feuchte Luft ab, es bilden sich Wolken, die die staubtrockene Wüste mit Sinkregen bewässern. Wissenschafter sprechen auch von orographischen Niederschlägen (von altgriechisch oros für Berg). Doch ist das realistisch?

Alan Robock, Professor für Klimatologie an der Rutgers State University of New Jersey, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: «Es ist natürlich möglich, einen Berg aufzuschütten, obwohl das Erdmaterial andernorts ein Loch hinterlässt. Die Frage ist aber, ob die Winde stetig genug sind, um orographische Niederschläge zu produzieren.» Die Emirate liegen an einem warmen Meer, dem Persischen Golf, über dem jede Menge Wasserdampf und feuchtigkeitsgesättigte Luft ist. Die Frage, so Robock, sei, ob man genügend Luftmassen hätte, die den Berg hinaufsteigen. Experten zufolge müsste der Berg mehrere hundert Meter Höhe erreichen, um ausreichend Winde zu erzeugen.

Rekordniederschläge im März

Mithilfe von «Cloud Seeding» versucht Abu Dhabi bereits jetzt, Wolken mit geeigneten Keimen zu impfen, um die Tröpfchenbildung zu beeinflussen und Regen zu verstärken. Das Verfahren scheint erste Früchte zu tragen – Dubai verzeichnete im März Rekordniederschläge. An einem Tag fiel so viel Niederschlag wie sonst im ganzen Jahr nicht.

Wegen starker Regenfälle kam es in Dubai zu 253 Verkehrsunfällen innerhalb von sieben Stunden, auf dem Internationalen Flughafen von Abu Dhabi mussten mehrere Flüge gestrichen werden, ganze Strassen waren überflutet. Schlägt die Natur nun zurück?

Gefährliche Manipulation

Die Wettermanipulation ist unter Wissenschaftern umstritten, weil sie das empfindliche Ökosystem aus der Balance bringen könnte. «Es kann sogar gefährlich sein, wenn die Chemikalien, die dabei zum Einsatz kommen, in schädlichen Konzentrationen in der Atmosphäre verbleiben», sagt Klimaforscher Robock.

Das Wetter und Klima ist ein hochkomplexes System, kleinste Eingriffe des Menschen können ein systemisches Chaos verursachen. Vielleicht ist es die Hybris der Menschheit, dass sie alles kontrollieren will – vom eigenen Körper bis hin zum Klima in Wüstenregionen.

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