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Geheimnisse, wo keine sind

Lesbar Digital

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Andrew O’Hagan Das geheime Leben. Wahre Geschichten von der dunklen Seite des Internets, S. Fischer, 336 S., Fr. 33.–

Als Ghostwriter soll der Schotte Andrew O’Hagan die Autobiografie des Wikileaks-Gründers Julian Assange schreiben. Stundenlang erzählt Assange. Als O’Hagan ihm einen ersten Entwurf vorlegt, sagt der, autobiografisches Schreiben sei «widerlich» und «billig» und er wolle stattdessen ein Manifest seiner Ideen veröffentlichen. Da hat Assange bereits den sechsstelligen Vorschuss des Verlags ausgegeben. Und so erscheint «Julian Assange – Die unautorisierte Autobiographie». O’Hagans Bericht über diese Auseinandersetzungen ist langweilig, oberflächlich, redundant und in der holprigen, steifen Übersetzung von Jan Wilm sprachlich höchst mittelmässig. In einem zweiten Text folgt O’Hagan Craig Steven Wright, der behauptet, der Blockchain-Gründer Satoshi Nakamoto zu sein. Wieder behauptet O’Hagan mit seinem pompösen, von sich selbst überzeugten Stil, wunders welche Enthüllungen zu präsentieren. Tatsächlich verheddert er sich in Details und pseudophilosophischen Ergüssen. Schwer zu glauben, dass alle diese Texte – in einem dritten beschreibt O’Hagan, wie er sich im Darknet eine fremde Biografie aneignet – bereits im «London Review of Books» erschienen sind. Eigentlich ist das eine Qualitätszeitschrift.

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Andreas Bernard Komplizen des Erkennungsdienstes. Das Selbst in der digitalen Kultur, S. Fischer, 240 S., Fr. 37.–

Rezepte der Verbrechersuche

Lange bevor wir Profile in Facebook oder auf Twitter anlegten, war Profiling eine Technik zur Verbrechersuche. Auch die Karriere der Ortung und der Körpervermessung begann in der Kriminologie. Diese Mechanismen können das Selbst stärken, weil sie von Zwischenstufen befreien, es aber auch durch Überwachung fesseln. Zwischen den Polen Vorsorge und Risiko entscheidet sich die Internetgesellschaft, so die These von Andreas Bernard, für die Vorsorge und nimmt in der «allgemeinen Lust an der Selbstverdatung» die Spionage in Kauf. Das Versprechen der Selbstermächtigung habe in Verbindung mit dem Wirtschaftsliberalismus zur Selbstregulierung geführt. Ein anregendes Buch, das eine flüssigere Sprache verständlicher gemacht hätte.

Valeria Heintges

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