Gegen Masern geimpft an die WM

In Brasilien fürchten Kinderärzte, dass Touristen die Masern einschleppen könnten. Im Verdacht steht auch die Schweiz. Sie hinkt hinter Brasilien her.

Kari Kälin
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Diese Plakate für eine Masernimpfung hat der Bund im Oktober letzten Jahres präsentiert. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Diese Plakate für eine Masernimpfung hat der Bund im Oktober letzten Jahres präsentiert. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

In der Masernbekämpfung spielt die Schweiz in der gleichen Liga wie der Pleitestaat Griechenland, Kambodscha, Georgien oder Irak. Nur 83 Prozent der Bevölkerung sind dank doppelter Impfung gegen die Viruserkrankung immun. 95 Prozent müssten es sein, damit die Masern gemäss Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO als eliminiert gelten kann.

Musterknabe Brasilien

Brasilien ist in dieser Hinsicht ein Musterknabe. Seit 2002 ist das südamerikanische Land, wo vom 12. Juni bis zum 13. Juli die Fussball-Weltmeisterschaften stattfinden, masernfrei. Kinderärzte befürchten nun, dass ausländische Fans die Masern importieren – und dies wohl nicht zu unrecht.

180 Fälle in der Schweiz

In Europa zum Beispiel wurden letztes Jahr 31 600 Masernfälle verzeichnet (siehe Kasten), 180 davon in der Schweiz. Für den brasilianischen Kinderarzt Leonardo Menezes, Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten am Nationalen Fernandes-Figueira-Institut, ist deshalb klar: «Kinder unter sechs Monaten sollten Reisen zu den Spielorten dieser Grossveranstaltung meiden.» Er ermuntert alle Brasilianer und WM-Touristen, ihren Impfstatus zu prüfen.

Bund will Masern ausrotten

Die Reisewarnung aus Brasilien leitet Wasser auf die Mühlen des Bundesamtes für Gesundheit, das im letzten Herbst mit den Kantonen eine Kampagne zur Ausrottung der Masern lanciert hat. Bis 2015, so das ambitionierte Ziel, sollen die Masern hierzulande der Vergangenheit angehören. Dafür hat der zuständige Gesundheitsminister Alain Berset auch ein Komitee für eine Schweiz ohne Masern ins Leben gerufen, das vom ehemaligen Walliser Regierungsrat Thomas Burgener präsidiert wird.

Fussballer mit gutem Beispiel

«Es wäre unethisch, wenn Schweizer Fussballfans die Masern an die WM einfliegen würden», sagte Burgener gestern an einem Medientermin in Zürich. Er rief die Anhänger der Schweizer Nationalmannschaft dazu auf, vor einer Brasilien-Reise versäumte Impfungen nachzuholen. «Zum einen, um sich selber zu schützen, zum andern, um nicht Masern einzuschleppen und damit andere zu gefährden.»

Schützenhilfe leistet für die Anti-Masernkampagne die Schweizer Fussballnationalmannschaft. Denn Xherdan Shaqiri und Co. gehen mit gutem Vorbild voran. Im Mai steht beim Medizincheck auch der Impfstatus auf dem Prüfstand. Laut Burgener wird der Schweizerische Fussballverband wenn nötig Impfungen anordnen. Schliesslich wollen die Mannen von Trainer Ottmar Hitzfeld lieber bei gegnerischen Torhütern als bei der brasilianischen Bevölkerung für Gefahr sorgen.

Georges Bregy hilft

Für die Anti-Massernkampagne konnte Burgener auch die Walliser Fussballlegende Georges Bregy gewinnen. Der Mittelfeldspieler erzielte 1994 bei der WM-Eröffnung das erste Schweizer WM-Tor seit 28 Jahren – mit einem brillant ins rechte Lattenkreuz gezirkelten Freistoss. «Hätten wir damals in unserem Team einen Masernfall gehabt, hätte ich diesen Höhepunkt vielleicht nicht erleben dürfen», sagte Bregy gestern.

Der Höhenflug der Schweizer Fussballer wurde vor zwanzig Jahren bekanntlich nicht wegen der Masern gestoppt. Vielmehr machte der Nati ein anderes medizinisches Problem zu schaffen: Der gebrochene Zeh von Alain Sutter.

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