GEBURTSTAG DER WOCHE: Er gab erst auf, als er führte

Arno Renggli
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Aufgeben ist ja gerade im Sport normalerweise verpönt. Doch US-Tennislegende Jimmy Connors, der am Samstag 65 wird, tat es auf die wohl eindrücklichste Weise. Es war 1991 bei den French Open, dem einzigen Grand-Slam-Turnier, das Connors nie gewinnen konnte: Als Nummer 324 der Welt spielt Connors, der 38 ist und seine grosse Zeit längst hinter sich hat, in der dritten Runde gegen Landsmann Michael Chang, Sieger von 1989 und knapp 20 Jahre jünger.

Bei 37 Grad auf dem Sand von Roland Garros geht Connors ans Limit: Er schafft den Satzausgleich zum 2:2, schleppt sich zum Stuhl und spürt, dass sein Körper nicht mehr mitmacht. Zurück auf dem Platz, attackiert er Changs ersten Aufschlag, macht den Punkt, wankt zum Schiedsrichtersitz und sagt: «Ich kann nicht mehr spielen.» Das Publikum feiert den geschlagenen Helden. Danach in der Kabine hängt er zwei Stunden lang am Tropf. Und meint: «Wenn du schon aufgibst, dann tue es, wenn du führst.»

In jungen Jahren gab es wegen seiner Wutausbrüche auch Vorbehalte gegen Connors. Später wurde er zum Publikumsliebling. Wohl auch, weil er technisch limitiert war, dies aber mit unglaublichem Kampfgeist wettmachte und acht Grand-Slam-Titel holte. Das legendäre Spiel von Paris war übrigens nicht das Ende seiner Karriere: Im gleichen Jahr nahm er, nunmehr 39, dank einer Wildcard an den US Open teil. Und schaffte es mit sensationellen Siegen bis in den Halbfinal.

Arno Renggli