Gärtnern für Mensch und Tier

In puncto Artenvielfalt haben Schweizer Gärten noch viel aufzuholen. Mit heimischen Pflanzen, naturbelassenen Ecken und kleinen Wasserflächen gelingt es jedoch, seltene Vögel und Schmetterlinge anzulocken.

Christian Satorius
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So sollte ein Garten aussehen, dann fühlen sich nicht nur Menschen, sondern auch Tiere wie der Perlmuttfalter oder Molche wohl. (Bild: fotolia)

So sollte ein Garten aussehen, dann fühlen sich nicht nur Menschen, sondern auch Tiere wie der Perlmuttfalter oder Molche wohl. (Bild: fotolia)

Bunte Falter auf dem Flieder und munter durcheinander zwitschernde Vögel: Was kann man sich im eigenen Garten noch mehr wünschen? Doch die Naturidylle trügt leider allzu oft. Wer sich nämlich die Mühe macht, einmal etwas genauer hinzuschauen und auch hinzuhören, der wird feststellen, dass nur ganz wenige Schmetterlingsarten auf den Flieder fliegen und auch die Vögel vielfach nur Spatzen oder Amseln sind. Artenvielfalt? Fehlanzeige! Nichts gegen Spatzen oder Pfauenaugen, aber mit einem naturnahen Garten oder auch einem artenreich begrünten Garagendach wäre deutlich mehr drin, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Weg mit den exotischen Blumen

Die Gesamtfläche der Schweizer Gärten ist nämlich um einiges grösser als die aller ausgewiesener Naturschutzgebiete zusammen. Hier liegt eine grosse Chance für den Natur- und Artenschutz direkt vor unserer Haustür.

Ohne Futterpflanzen und ohne Versteckmöglichkeiten kommen aber keine bedrohten Schmetterlinge und ohne Insekten keine seltenen Vögel. Viele Frösche oder gar Molche sind ohnehin so anspruchsvoll, dass man sie in einem Durchschnittsgarten niemals finden wird. Wer mit seinem Garten interessante Tiere anlocken möchte, der muss ihnen auch eine lebenswerte Umwelt bieten, sonst bleiben sie ganz einfach weg. Das fängt schon bei den Blumen und Sträuchern an: Exotische Pflanzen locken höchstens ein paar Allerweltsschmetterlinge an.

Salweide lockt Insekten an

Die wirklich seltenen und bedrohten Arten brauchen vielfach heimische Pflanzen zum Überleben. So lockt die Salweide über 200 verschiedene Insektenarten an. Die violette Wiesenflockenblume sorgt dafür, dass der Hauhechelbläuling oder der Kleine Kohlweissling im Garten vorbeischauen. Mit ein bis zwei ordentlich in ein Beet gepflanzten Blümchen ist es natürlich nicht getan. Wenn schon nicht der gesamte Rasen, dann sollte doch wenigstens eine möglichst grosse Ecke sich weitgehend selbst überlassen bleiben können. Hier kann man sogenannte Schmetterlingswiesen, deren Saat im Fachhandel erhältlich ist, einsäen. Wichtig dabei ist, möglichst vielen verschiedenen heimischen Pflanzen den Vorzug zu geben. Wahre Schmetterlingsmagneten sind Flieder, die Rote Spornblume, die Wilde Möhre, die Karthäusernelke, die Heidenelke, der Natternkopf, aber auch Wilder Majoran.

Raupen lieben Brennnesseln

Wer aussergewöhnliche Schmetterlinge beherbergen möchte, sollte allerdings auch an die Raupen denken. Viele der heimischen Pflanzen, wie Brennnesseln oder auch Disteln, sind bei den Raupen ebenso beliebt, wie bei den Kleingärtnern als Unkräuter verhasst. Sind erst einmal genügend Raupen und andere Insekten da, kommen die Vögel von ganz alleine. Aber auch sie wollen brüten und sich verstecken können. Ein paar dichte Sträucher und Hecken können da schon weiterhelfen. Hier heisst es ebenfalls wieder möglichst heimische Arten zu bevorzugen: Die Rote Heckenkirsche, die Vogelbeere, die Wildbirne oder die Zimtrose sind in der Vogelwelt sehr beliebt.

Ein paar Brutkästen, eine flache Wasserstelle zum Trinken und Baden sowie ein waches Auge auf Nachbars Katze machen den Garten für Vögel attraktiv. Vögel sind natürlich auch von einem kleinen Bachlauf oder Teich begeistert, ebenso wie Frösche, Libellen oder sogar Molche.

Teich ohne Fische

Ist der Teich naturnah und abwechslungsreich angelegt, kommen sie von ganz allein. Molche sollte man beispielsweise niemals selbst einsetzen. Sie gehen ohnehin wieder, wenn es ihnen nicht gefällt. Wer auf Fische verzichtet, kann sich vielleicht sogar an Libellen erfreuen oder auch an anderen Arten, deren Nachkommen über kurz oder lang jedem Fisch zum Opfer fallen würden. Ein Teich ist übrigens umso pflegeleichter und die Wasserqualität umso stabiler, je grösser er ist. Manchmal genügt es schon, ein paar Teich- und Malermuscheln einzusetzen, um ihnen dann die Wasserfilterung zu überlassen.

Laubhaufen und Wildwuchs

Unterm Strich sieht man einem naturnahen Garten in der Regel sofort an, dass er für Tiere attraktiv ist. Da gibt es Laubhaufen für Igel, dichtes Gestrüpp und Hecken, ungemähte Rasenflächen und wild wuchernde heimische Kräuter und Blumen. Kinder können in einem derartigen Garten viel über die Natur und das Leben lernen.

Allerdings haben Fussbälle nichts in Sträuchern mit brütenden Vögeln zu suchen. Für ein bisschen Natur vor der eigenen Haustür bedarf es übrigens noch nicht einmal eines eigenen Gartens. Balkone, Hauswände oder Garagendächer lassen sich ebenfalls sehr effektiv in grüne Oasen verwandeln.

Bläulinge sind vom Aussterben bedroht. (Bild: Christian Satorius)

Bläulinge sind vom Aussterben bedroht. (Bild: Christian Satorius)

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