Fussball und andere Peinlichkeiten

Trübe Aussichten zurzeit. Was weniger am Wetter liegt, als an der herrschenden Fussball-Omnipräsenz. Wo man hinschaut und hinklickt, steht da schon ein verschwitzter, schlecht frisierter Fussballsöldner, der unverständliche Satzbruchstücke in eine Kamera keucht.

Katja Fischer De Santi
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Trübe Aussichten zurzeit. Was weniger am Wetter liegt, als an der herrschenden Fussball-Omnipräsenz. Wo man hinschaut und hinklickt, steht da schon ein verschwitzter, schlecht frisierter Fussballsöldner, der unverständliche Satzbruchstücke in eine Kamera keucht. Etwas besser gekleidete und frisierte Moderatoren versuchen dann dem Gerenne auf dem Rasen vermeintliche Tiefe zu geben. Funktioniert natürlich nicht. Verloren ist verloren, gewonnen ist gewonnen. Das nächste Spiel ist schon morgen. Und wer 1996 Europameister war, interessiert auch nur noch die Deutschen.

Darum wird, um Sendezeit und Webseiten zu füllen, en Detail über Jogi Löws «Handspiel an der Hose» informiert. Noch schlimmer war, wie sich der Deutsche Nationaltrainer später hochnotpeinlich vor laufender Kamera für seinen «Klötengriff» zu entschuldigen versuchte. Da ist uns jeder PR-tauglich inszenierte Busenblitzer von Madonna, jeder Lesbenkuss von Miley Cyrus tausendmal lieber. Fussball ist auch nur Entertainment! Schade, dass bei vielen der Spass aufhört, wo der heilige Rasen beginnt. Man kann vom Showbiz halten, was man will. Aber dass sich eine Horde komplett besoffener Fans von George Clooney mit wildem Geheul auf die Anhängerinnen von Brad Pitt stürzt, ist schlicht unvorstellbar. Auch kommt es selten vor, dass Besucher von Gala-Events vor Aufregung einen Herzinfarkt erleiden.