Fussball auf Französisch

Randnotiz

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Meine Liebste fragt sich derzeit wohl, weshalb ich so häufig vor dem Fernseher sitze und Frauenfussball schaue. Nun, ich liebe grosse Turniere mit Nationalteams, und im Moment läuft eben die EM der Frauen. Und was mir am Fussball immer schon besonders gefallen hat, sind Emotionen sowie die Persönlichkeiten und Charaktere auf dem Platz.

Das ist bei den Frauen ja nicht weniger interessant. Nehmen wir das Team Frankreichs. Da spielt etwa Verteidigerin Wendie Renard, gefühlte 2 Meter gross (tatsächlich ist sie 1,81), die sich stets in elegantester Zeitlupe bewegt, ausser wenn sie im gegnerischen Strafraum zum Kopfball ansetzt. Dann kracht’s. Oder Eugénie Le Sommer, eine trickreiche Goalgetterin. Oder im Mittelfeld Camille Abily, Kopf und Herz von «Les Bleues», welche einfach klasse spielen.

Das Team ist für mich aber auch Gelegenheit, wieder mal französisches Fernsehen zu schauen. Die Sprache ist fussballerisch einfach einmalig. «Ouh là là!», schreit der Kommentator. Und «Ça se siffle!», was heisst, dass die Schiedsrichterin hätte pfeifen müssen. Denn die gegnerischen Isländerinnen teilen kräftig aus: «Elles distribuent». Eine Torschützin heisst «la buteuse». Die gerade eingewechselte Spielerin sprintet die Seitenlinie runter, denn: «Elle a du jus». Und hat der Kommentator wirklich mal von «Les petites Bleues» geredet? Ein Fauxpas par excellence!

Also, heute um 20.45 Uhr schaue ich Frankreich gegen Österreich auf France 2. Und natürlich vorher um 18 Uhr auf SRF zwei die Schweizerinnen, die verzweifelt gewinnen müssen. Ausgerechnet gegen die distribuierenden Isländerinnen.

Arno Renggli