Forscher erstellen Wärmekarte von Zürich

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Städte heizen sich stärker auf als das Umland, das bekamen Stadtbewohner in der Schweiz auch bei den jüngsten Hitzewellen zu spüren. Die dunkle Oberfläche von Strassen und Dächern absorbieren mehr Sonnenenergie, und die spärliche Vegetation bringt kaum Verdunstungskühlung. Und weil Oberflächen die gespeicherte Wärme nachts abgeben und die Luft vielerorts stillsteht, kühlt sich die Stadt auch über Nacht kaum ab. Während gängige Modelle zur Wettervorhersage Hitzewellen gut simulieren können, gab es bisher keine hoch auflösenden Modelle für die Temperaturverteilung in Städten.

Forscher der Empa und der ETH Zürich haben deshalb die Vorhersagemodelle mit den Auswirkungen von Gebäuden und Strassen kombiniert. Mit dieser Methode erstellte Empa- und ETH-Doktorand Gianluca Mussetti eine Wärmekarte der Stadt Zürich, auf der die Temperaturen mit einer Auflösung von bis zu 250 Metern verzeichnet sind. So analysierte er die kürzliche Hitzewelle vom 20. bis 24. Juni 2017.

Demnach blieb es in diesen Tagen besonders im dicht bebauten Stadtzentrum auch nachts noch sehr warm. Bereiche in Seenähe, entlang der Limmat und an den Hängen des Züribergs, wo nachts kühlere Luft aus höheren Bereichen herabströmt, erlebten etwas kühlere Nachttemperaturen, schreibt die Empa. So zeigte sich insbesondere der Einfluss der innerstädtischen Luftzirkulation: Wo Wärme nicht mit Luftströmungen abtransportiert wird, hält sich die Hitze auch nachts hartnäckig.

Gegenmassnahmen entwickeln

Die Forscher wollen die Ursachen der städtischen Hitzeinseln und der Unterschiede innerhalb von Städten weiter erforschen und Gegenmassnahmen entwickeln. Darunter könnten der vermehrte Einsatz von städtischem Wasser bei Hitzewellen, intelligente Beschattung oder Kühlsysteme unter Strassen und Gehwegen fallen. Gegenmassnahmen tun durchaus Not: Im Zuge des Klimawandels werden Hitzewellen häufiger. Hierzulande sind die Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1850 bereits rund doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt, nämlich um 1,8 Grad Celsius. (sda)