Föderalismus für Kinder

Randnotiz

Merken
Drucken
Teilen

Wenn man als erwachsene Person jeden Abend, zwecks Begleitung des kindlichen Medienkonsums, das «Guetnachtgschichtli» schauen muss, dann macht man sich so seine Gedanken. Etwa über die föderalistisch korrekte Dialektverteilung in diesen «Geschichten über Freundschaften, das Leben und seine kleinen oder grossen Schwierigkeiten».

Es ist ja äusserst lobenswert, dass das SRF sich die Mühe macht, alle Guetnachtgschichtli zu synchronisieren. Die Krux dabei, es sind der Dialekte viele in unserem Land. Meine Studie aus einem Jahr «Guetnacht gschichtli» hat folgendes Muster ergeben: Die Hauptfigur, egal ob Kater Miro, Flapper oder Alphons, spricht immer Züridütsch. Der Zürcher ist der Chef. Das ist seit Kasperli so und daran haben sich die Kinderchen gewöhnt. Die Berner hingegen müssen stets die Bären, Bieber oder sonst ein behäbiges, nicht gerade mit Intelligenz brillierendes Tierchen sprechen. Den Baslern, wenn sie überhaupt berück­sichtigt werden, fällt der Part der hinterlistigen Füchse und bösen Wölfe zu. Das Ost­schweizer Idiom scheint ideal für weibliche Figuren oder Gänse. Bündner lassen sich überall einsetzten, Aargauer auch. Fazit meiner nicht repräsentativen Untersuchung: Das «Guetnachtgschichtli» bereitet meine Kinder ideal auf die Verhältnisse in unserem Land vor.

Katja Fischer De Santi