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FILM: Dreizehn Mal Cate Blanchett

Schauspielerin Cate Blanchett schlüpft in «Manifesto» in 13 Rollen, von der Hausfrau bis zum Obdachlosen. Sie rezitiert Statements künstlerischer Bewegungen. Eine klassische Filmhandlung darf man freilich nicht erwarten.
Zwei von dreizehn Rollen, die Cate Blanchett verkörpert. (Bild: PD)

Zwei von dreizehn Rollen, die Cate Blanchett verkörpert. (Bild: PD)

Auf die Definition des Begriffs Manifest folgt eine brennende Lunte und bald ein Feuerwerk zu Auszügen aus dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels. Visualisiert wird damit die Sprengkraft von Manifesten, die mit dem Vergangenen brechen, es sprengen und wie Feuerwerkskörper Funken am Firmament sprühen lassen. Bei der Konzeption des Projekts liess sich der deutsche Künstler Julian Rosefeldt von Todd Haynes’ Film «I?m not there» beeinflussen, bei dem Bob Dylan von sechs verschiedenen Schauspielern – darunter auch Cate Blanchett – dargestellt wurde.

Blanchett spielt aber nun nicht die rund 60 Autoren der Manifeste, die Rosefeldt zusammengeschnitten hat, sondern sie rezitiert deren Stellungnahmen und Forderungen als heutige Person. Bald verwandelt sie sich so in einen bärtigen und versifften Obdachlosen, bald steht sie als Brokerin an der Börse vor zahllosen Computerbildschirmen oder hängt als tätowierte Punkerin bei einer Party herum. Zur Hommage an die zweifache Oscarpreisträgerin und ihre phänomenale Wandlungsfähigkeit wird so Rosefeldts Grenzgang zwischen Film und Kunstprojekt damit, eine klassische Filmhandlung darf man freilich nicht erwarten. Zusammen mit seinem Team drehte der deutsche Film- und Videokünstler im Dezember 2014 in nur elf Tagen in Berlin diese Filminstallation, die zunächst in diversen Museen gezeigt wurde, ehe eine lineare Filmversion hergestellt wurde. Einfallsreichtum beweisen Rosefeldt und sein Kameramann Christoph Krauss dabei nicht nur beim chamäleonhaften Wandel Blanchetts, sondern auch bei der visuellen Gestaltung. In grandiosen Plansequenzen gleitet die Kamera vom Himmel herab durch eine halbzerfallene Industrielandschaft, erkundet ein Forschungszentrum oder entführt in einen Akustikraum, in dem ein schwarzer Monolith schwebt, mit dem unübersehbar Kubricks «2001» zitiert wird.

Leichenrede als flammender Appell für den Dadaismus

Originalität und durchaus auch Witz besitzen aber auch die einzelnen Szenen. Während Blanchett die Ideen von Kasimir Malewitsch, André Breton, Jim Jarmusch und Co. nämlich teilweise im Voice-over rezitiert, spricht sie diese Monologe in anderen Episoden wiederum direkt in ihrer Rolle. So hält sie als Witwe als Leichenrede einen flammenden Appell für den Dadaismus, spricht als Hausfrau statt des Tischgebets vor ihrer Familie beim Truthahnessen eine ellenlange Rede zur Pop-Art oder bietet ihren Schützlingen als Volksschullehrerin eine Einführung in die dänische Filmbewegung Dogma 95. So anregend dieser Appell für einen Aufbruch der Kunst ist, die zu einer Waffe im Kampf für eine neue und bessere Welt werden soll, aber im Einzelnen auch ist, so sehr ermüdet dieses Trommelfeuer an Gedanken zumindest den mit diesen Manifesten nicht so vertrauten Zuschauer auf Dauer. Denn unmöglich scheint es die Ideen, die hier innerhalb von 95 Minuten auf einen hereinprasseln, auch nur annähernd verarbeiten zu können. Vieles verfliegt somit rasch wieder, mehr haften als die Gedanken bleiben die grossartige Cate Blanchett und die teils atemberaubenden Bilder.

Walter Gasperi

Kinok, 15.9., 17.30 Uhr; 20.9., 16.45 Uhr; 24.9., 12.20 Uhr

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