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FIGURENTHEATER ST.: Die Rettung kommt von Wolke sieben

Gallen Das Märchen «Cinderella» nach Charles Perrault hat diese Woche Premiere gefeiert: in einer charmanten Eigenproduktion mit Eliane Blumer als Fee für alle Fälle – und mit vielen, vielen bunten Regenschirmen auf der Bühne.
Bettina Kugler
Halb Mary Poppins, halb kleine Hexe: Eliane Blumer als Fee Schirmchen mit ihrem Schützling Ella. (Bild: PD)

Halb Mary Poppins, halb kleine Hexe: Eliane Blumer als Fee Schirmchen mit ihrem Schützling Ella. (Bild: PD)

Auch das gute alte Feenhandwerk will gelernt sein. Bester Beweis ist Schirmchen, Nachwuchsfee, immerhin seit Generationen. Aber ganz pannenfrei geht dieser Frau die Arbeit nicht von der Hand, wer ist schon vollkommen? So steht sie bibbernd vor dem Feenrat und preist am Wunder-gibt-es-immer-wieder-Kongress mit selbstverordneter Munterkeit ih­re Einsatzfreude im Fall Ella an.

Die Plastikpelerine knistert, der Zauberregenschirm zittert wie Espenlaub und macht nicht immer, was er soll. Schirmchens Mundwerk ebenfalls nicht. Eine prächtige Figur, diese Kreuzung aus kleiner Hexe, Mary Poppins und Tinkerbell – mit Schirm, Charme und schwarzem Topfhut! Das Publikum hat Eliane Blumer als Erzählerin und lebensgrosse Verkörperung der Fee Schirmchen mit diesem Auftritt in den ersten fünf Minuten sofort im Sack. Also: den strengen Feenrat. Oder etwa nicht? Wir sind gespannt, wie sie die altbekannte Geschichte von Cinderella, ihrem herzensguten Patenkind, in der Version von Regisseurin Frauke Jacobi erzählen wird. Gespannt wie die vielen bunten Regenschirme auf der Bühne, die mit Witz und Fantasie ins Spiel integriert werden. Zum Beispiel der Margeriten-Schirm, an dem Ella ihr Schicksal befragt, als sich die neue Verwandtschaft ankündigt: Nett oder nicht nett?

Schirmchen, Cinderellas schusselige gute Fee

Es kommt, wie es kommen muss: Die Stiefmutter benimmt sich wie ein Wischmopp, die neue kleine Schwester wie ein Handbesen. Und daraus sind die beiden Figuren auch gemacht. Plastisch hat Anita Sonnabend nur Ella und Prinz Theo im Wollpulli gestaltet, mit herrlich langen Ärmeln zum Verknoten. Die Nebenrollen glänzen durch Mundartvielfalt und Flachformat, mit aufgeklebten Fotografien als Gesicht, was Märchenfiguren gut entspricht und Heiterkeit im Saal garantiert, vor allem bei den Grossen. Etwa der alte, amtsmüde König, Gedächtnis wie ein Sieb. Voilà, das ist sein Kopf: ein Küchensieb.

Es gibt in der Geschichte aber auch schwungvolles Körpertheater. Zum Beispiel, wenn Eliane Blumer vormacht, wie am Ball getanzt wird: ein postmoderner Stilmix. Insgesamt ist die Version so frech, dass sie sich um political correctness nicht scheren muss. Die gemeine Stiefmutter hat hörbar einen Migrationshintergrund; das macht die Figur zwar noch burlesker, hinterlässt jedoch ein zwiespältiges Gefühl, ein kleines Gschmäckle.

Alle Romantik hat Frauke Jacobi dem Märchen dennoch nicht ausgetrieben. Zwar lässt sie Eliane Blumer mit ironischem Augenzwinkern erzählen, und die Musik von Moritz Widrig ist ebenfalls vorwiegend heiter. Doch gönnt die Produktion dem Publikum auch zauberhafte Momente fürs Gemüt. Die Begegnung von Ella und Prinz Theo im Wald erscheint als Schattenspiel, natürlich auf einem Schirm als Projektionsfläche. Das spontane Tanzstündchen wirkt in dieser Szene elfenhaft, traumgleich.

Aber da war doch noch die ­Sache mit dem Feenrat. Wird es Schirmchen ergehen wie der kleinen Hexe auf dem Blocksberg? Tatsächlich merkt sie den grössten Fehler im Eifer des Gefechts erst kurz vor Schluss. Doch dafür hat das Theater ja gottlob einen bewährten Trick. Der Himmel hilft. Von dort meldet sich die Regie: Mission geglückt. Applaus!

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Die nächsten Vorstellungen: Sa und So, 14.30 Uhr, 1./4./5./12./ 15.11., 14.30 Uhr, 4.11. auch 18 Uhr, Figurentheater St. Gallen

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