Fifty Shades of Prüde

Randnotiz

Katja Fischer De Santi
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Kabelbinder und Seile waren kurzfristig Mangelware, als vor zwei Jahren der erste Teil von«Fifty Shades of Grey»in die Kinos kam. Eltern befürchteten, ihre Teenager könnten für immer verdorben werden, sähen sie sich dieses Sadomaso-Stück im Kino an. Vollkommen zu Unrecht, denn der Film war in erster Linie eins: prüde. Die Sexszenen waren weniger skandalträchtig als in jedem Film von Roman Polanski, die Story lascher als in so mancher Vorabend-Serie.

Für die Fortsetzung «Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe», welche dieser Tage in den Kinos läuft, hat man an diesem Konzept nicht viel geändert. Es war einmal ein Mann, der wollte seine Frau zurückgewinnen, nachdem er sie zu oft ausgepeitscht hatte – der Mann hatte generell dunkle sexuelle Phantasien und im Speziellen eine verpfuschte Kindheit. Aber er hatte eben auch sehr, also wirklich sehr, sehr viel Geld. Weshalb die Frau nach wenigen Kino-Minuten wieder stöhnend in sein Bett fällt. Es soll im zweiten Teil zwar deutlich mehr Sexszenen zu sehen geben, aber es geht da immer ganz anständig zu und her, bei gedimmtem Licht und schöner Musik. Der perfekte Film für den Valentinstag also. Mal abgesehen von der zweifelhaften Botschaft: Die Frau kann zwar versuchen, sich zu wehren, doch am Schluss bestimmt der Mann.

Katja Fischer De Santi

katja.fischer@tagblatt.ch

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