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FESTSPIELE: Hype um Netrebko

In den letzten Jahren entsprach die künstlerische Realität in Salzburg dem Renommee nur noch beschränkt. Dieses Jahr hat Markus Hinterhäuser die Intendanz übernommen. «Aida» und «Wozzeck» markieren auch zwei unterschiedliche Opernwelten.
Tobias Gerosa
Anna Netrebko gestaltet eine Aida, die zu packen vermag. (Bild: Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus)

Anna Netrebko gestaltet eine Aida, die zu packen vermag. (Bild: Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus)

Tobias Gerosa

Fünfmal singt Anna Netrebko in Salzburg die Aida, ihr Début in dieser Rolle. Am Abend vor der dritten Vorstellung gab es auf Ticketbörsen im Internet zwei Angebote: 4600 Euro im Rang, 5600 im Parkett: DER Star der Opernwelt in der Verdi-Oper, die alle (irgendwie) kennen. Dazu – natürlich! – ein Stardirigent und hervorragende Besetzung der andern Rollen und eine Fernsehübertragung. Netrebkos Schlussapplaus fiel allerdings leiser aus als der von Ekaterina Semenchuk, die als Amneris ihre Rivalin sang – aber primär, weil viele Hände bei Netrebkos Soloapplaus für die Handyfotos gebraucht wurden.

Bestätigte und unterlaufene Erwartungen

Viel Theater ums Theater – und so mau, unbeholfen und statisch die Inszenierung der Foto- und Videokünstlerin Shirin Neshat auch ausfiel – die Ideen zum Verhältnis zwischen Westen und Orient tauchten nur in ihren Interviews auf – so unverbunden Riccardo Muti zwei Klangwelten nebeneinanderstellt: Netrebkos Aida-Gestaltung rechtfertigt den Hype durchaus. Ihre Stimme flutet warm, sie schafft es, auf der riesigen Bühne des Grossen Festspielhauses vokale Intimität zu transportieren (in den berüchtigten beiden leisen hohen Cs etwa), beherrscht aber auch die dramatischeren Stellen mit stupender Technik. Und sie gestaltet eine Figur, die zu packen vermag. Muti trägt sie dabei auf Händen, atmet mit und stellt die leisen Passagen heraus. Man versteht sofort, was er meint, wenn er von Aida-Kammermusik spricht. Davon profitieren alle, besonders aber der Tenorheld. Francesco Meli als Radames singt das berühmte hohe B seiner Auftrittsarie wirklich leise – und wird prompt fast um den Szenenapplaus gebracht. Daneben steht jedoch ungebrochener Prunk in den Chorszenen – als hätte Verdi hier nicht betont hohl komponiert. So fehlt zur packenden Oper als Gesamtkunstwerk trotz Riesenjubel doch einiges. Das ist in Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk (Ausgabe vom Samstag) und Alban Bergs Wozzeck ganz anders. Für Bergs Meisterwerk haben die Festspiele William Kentridge engagiert, den südafrikanischen Video- und bildenden Künstler. Er denkt viel szenischer als die Aida-Regisseurin, und er holt sich einen Co-Regisseur an Bord. Wo Neshat in der Ästhetisierung stehen bleibt, entwickelt Kentridge das packende Stück aus seiner Bildwelt. Seine Bühne, ein Holz- und Möbelhaufen voller Plattformen für die einzelnen Szenen, ist auch Projektionsfläche. Kohlezeichnungen, Videos und historische Bilder wechseln sich ab und überblenden sich. Es entsteht ein aufwendiges, packendes Kaleidoskop einer zerstörten Kriegsgesellschaft wie im Ersten Weltkrieg, während dem Alban Berg seine Oper schrieb. Man denkt an Otto Dix und Georges Grosz, wenn die Figuren einem auch (fast) ohne Psychologie nahekommen.

Fabelhaft verständliche Asmik Grigorian

Vladimir Jurowski betont mit den dauerbeschäftigten Wiener Philharmonikern (Aida, Lady Macbeth, Wozzeck und Konzerte) die musikalischen Strukturen und erstaunlich vielen Melodien in den Soloinstrumenten. Die Tempi ermöglichen ein Singen, das dem Sprechtempo sehr nahe kommt. Und mit der fabelhaft verständlich singenden Asmik Grigorian als Marie und dem wuchtigen Matthias Goerne oder auch dem Luzerner Mauro Peter als lyrischer Andres in der Titelpartie sind hier Sänger am Werk, die als Singdarsteller überzeugen.

Ein Nachteil der sehr erfolgreichen ersten Festspiele unter der Intendanz von Markus Hinterhäuser, zu denen das klug konzipierte Konzertprogramm unbedingt zu erwähnen wäre, ist das nochmals gestiegene Interesse. So bekam unsere Zeitung keinen Platz in der vierten Neuproduktion «La Clemenza di Tito» – dieser als spröd verschrienen zweitletzten Mozart-Oper. Und zu kaufen gab es auch dafür schon längst keine Karten mehr.

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