Fernsehen extra scharf

TV Die 4K-Fernseher kommen – Passende Inhalte sind aber nicht vor 2016 verfügbar.

Georg H. Przikling
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Wenn die Internationale Funkausstellung am 6. September in Berlin ihre Tore öffnet, stehen die 4K-Fernseher im Mittelpunkt des Besucherandrangs. Die neuen hochauflösenden – genauer ultrahochauflösenden – Fernsehgeräte. Alle namhaften Hersteller zeigen auf der Messe solche Geräte, die schon im Handel stehen oder kurz nach der IFA erscheinen.

Das Kürzel «4K» trifft den Nagel auf den Kopf. Schliesslich bringen die Super-TVs mit 3840 × 2160 Bildpunkten die vierfache Pixelmenge eines Full-HD-Fernsehers auf den Schirm. Sicher ist: Die extrem hohe Auflösung schlägt sich deutlich in der Bildqualität nieder. «Bei den 4K-Fernsehern geraten feine Strukturen wie Gräser oder Texturen exakter, schräge Kanten werden ohne Perlenschnüre oder Treppenartefakte wiedergegeben, alles wirkt sehr plastisch», sagt Ulrike Kuhlmann von der IT-Fachzeitschrift «c't».

Sehr teure Geräte

Wer jetzt in freudiger Erwartung die Geldbörse zückt, sei aber gewarnt. Kaufen kann man die ersten 4K-Fernseher zwar heute schon. Mehrere tausend Franken muss man aber hinblättern. Sonys Einstiegsgerät «Bravia 55×9» mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale etwa schlägt mit rund 5400 Franken zu Buche, das 65-Zoll-Modell kostet gar über 8000 Franken.

Der «Bravia 55×9» verweist übrigens noch auf ein weiteres Merkmal der neuen TV-Generation. 4K-Fernseher sind um Längen grösser als Full-HD-Geräte, unter 1,4 Meter Bildschirmdiagonale gibt es sie nicht zu kaufen. Für die Gigantomanie gibt einen guten Grund: Die vierfache Pixelmenge der Geräte verlangt laut «c't» deutlich grössere Displays als Full HD, sonst kommt die höhere Auflösung einfach nicht zur Wirkung.

Der hohe Preis und der erforderliche Platz sind nur zwei Gründe, die gegen den sofortigen Kauf eines 4K-Fernsehers sprechen. Schwerer wiegt, dass die passenden Inhalte fehlen. Ein Blick auf die europäische Fernsehlandschaft offenbart: Die TV-Sender sind gerade erst dabei, ihre Inhalte auf HD oder Full HD umzustellen. Bis zum Start der ersten 4K-Sender dürften noch mindestens zwei bis drei Jahre vergehen.

Riesige Datenmenge

Wenn überhaupt: Vierfache Bildauflösung bedeutet auch, dass sich die zu übertragende Datenmenge vervierfacht. Um diese Menge ohne Verzögerung per Kabel, Satellit oder Internet zu übertragen, sind neue, leistungsfähige Kompressionsverfahren nötig, die derzeit noch fehlen.

Wer sich die Wartezeit mit Filmen von der Disk versüssen möchte, wird auch nicht glücklich. Als Zulieferer käme hier die Blu-ray-Disk in Betracht – und die bietet nur Bilder in Full-HD-Qualität. Den Herstellern sind diese Probleme bekannt. Deshalb bestücken sie ihre 4K-Fernseher mit Scalern, speziellen Grafikchips, die das Bildmaterial auf 3840 mal 2160 Bildpunkte hochrechnen.

Ein weiteres Problem ist die Schnittstelle HDMI, über die Inhalte in das TV-Gerät eingespeist werden: Die 4K-Fernseher setzen auf den aktuellen Standard HDMI 1.4, dieser ist jedoch auf 30 Bilder pro Sekunde beschränkt. Künftige Abspielgeräte werden auf den dann gültigen HDMI-2.0-Standard setzen, der die Übertragung mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde erlaubt. Ein heutiger 4K-Fernseher gehört wegen der Schnittstelle in einem Jahr also bereits zum alten Eisen.