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FASHION & FILM: Wenn Kleider Geschichten erzählen

Kostüme sind in Kino und Fernsehen ein wichtiger Teil des Storytellings. Der Modejournalist Christopher Laverty verdeutlicht das sehr ästhetisch in einem tollen Bildband, der viele Erinnerungen zu wecken vermag.
Susanne Holz
Romy Schneider trägt in «Der Swimmingpool» (1969) Bademode von Courrèges. (Bild: Alamy)

Romy Schneider trägt in «Der Swimmingpool» (1969) Bademode von Courrèges. (Bild: Alamy)

Susanne Holz

Was wäre die rothaarige Amy Adams als Trickbetrügerin Sydney Prosser in «American Hustle» (2013) ohne ihre umwerfend femininen Wickelkleider von Diane von Fürstenberg? Ein solches Wickelkleid stand übrigens erstmals schon 37 Jahre vorher einer Protagonistin äusserst gut zu Gesicht: 1976 trug Cybill Shepherd in «Taxi Driver» ein figurschmeichelndes Kleid aus weissem Seidenjersey mit korallefarbenem Art-Nouveau-Druck, Klappkragen, langen Ärmeln und geknöpften Manschetten. Shepherds unabhängige Mittzwanzigerin Betsy im Martin Scorseses «Taxi Driver» sei die Diane-von-Fürstenberg-Trägerin schlechthin, meint der renommierte Kostüm- und Modejournalist Christopher Laverty in seinem Bildband «Fashion & Film – Designermode im Kino», der unlängst in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Lavertys Buch darf man wohl ohne Skrupel als ein grosses Vergnügen für alle Film- und Modefans bezeichnen. Der Herausgeber und Redakteur der preisgekrönten Website «Clothes on Film» vereint hier 49 Designer von André Courrèges bis Yves Saint Laurent mit ihren stofflichen Beiträgen zu grossen Filmen aus Hollywood und Europa. Laverty geht der Frage nach, welche Bedeutung Mode für das Kino hat. Illustriert ist der Band mit Standbildern aus über 100 Filmen, mit Modefotos sowie mit Arbeitsskizzen der Designer.

Maskuline Diane Keaton, elegante Audrey Hepburn

Christopher Laverty weiss: «Seit den Anfängen des Films spielten Modedesigner eine wichtige Rolle im Kino.» In seinem Buch fasst er die einflussreichsten und legendärsten Designs aus der Geschichte des Films zusammen: von Ralph Laurens maskulinem Stil für Diane Keaton in «Der Stadtneurotiker» bis zu Audrey Hepburns kleinem Schwarzen von Givenchy in «Frühstück bei Tiffany».

Wobei der Autor betont, dass es nicht leicht gewesen sei, eine Auswahl der Filme, der Designer und deren Mode für den Film zu treffen: «Letztendlich habe ich nur Modelle genommen, die bewusst als Kostüm für einen Film entstanden sind.» So war Regisseur David O. Russell derart beeindruckt vom grün-weiss bedruckten Wickelkleid, das Diane von Fürstenberg 1976 auf einem Cover der Newsweek trug, dass er seinen Kostümbildner Michael Wilkinson anwies, das Kleid für seinen Film «American Hustle» von 2013 aufzutreiben. Laverty bezeichnet das DVF-Wickelkleid als typisches Porträt einer Ära, die ein Jahrzehnt ankündigte, in dem Frauen endgültig in der Geschäftswelt ankommen würden – die Achtzigerjahre nämlich.

Ende der Sechzigerjahre wiederum spielt der französisch-italienische Film «Der Swimmingpool» (1969) von Jacques Deray mit Romy Schneider und Alain Delon. Für die Kostüme des Films allein verantwortlich war der Designer André Courrèges. Laverty bezeichnet Courrèges’ Looks für die zwei weiblichen Protagonistinnen – neben Romy Schneider als Marianne auch noch die junge Jane Birkin als Penelope – als «eine Retrospektive seines Repertoires der Sechzigerjahre: ausgestellte Trägerkleider, bedruckte Maxikleider, blaue Röhrenhosen, ein Hemd mit hochgestelltem Kragen».

Den ganz grossen Auftritt im Klassiker rund um vier Menschen in fiebriger Sommerstimmung an einem Pool in Südfrankreich hat natürlich die Bademode von André Courrèges. So ist Romy Schneider diesbezüglich entweder in elegantes Schwarz oder schlichtes Weiss gekleidet. Christopher Laverty: «Dies scheint ihre Persönlichkeit widerzuspiegeln. Wütend, nachdem ihr Freund sie in den Pool geworfen hat, tauscht sie ihren schwarzen Bikini gegen einen einfachen weissen Badeanzug und ist plötzlich wieder ruhig und neckisch.»

Anzug von Brooks Brothers verschafft Legitimität

Die lässige Männlichkeit der späten Siebziger trägt in seinem Film «Argo» (2012) Hauptdarsteller Ben Affleck als CIA-Agent Tony Mendez zur Schau – mit Hilfe der exakten Replik einer Brooks-Brothers-Tweedjacke von 1979. Für Laverty ist es wenig überraschend, dass die Marke Brooks Brothers in Film und Fernsehen sehr präsent ist – so in «Mad Men», «The Great Gatsby» oder eben im Politthriller «Argo». Es handle sich hier schliesslich um den ältesten Herrenausstatter der USA. Leinwandheld Gatsby, unglaublich reich, aber ohne Vergangenheit, brauche Brooks Brothers, um sich Legitimität zu verschaffen.

Christopher Laverty macht in seinem Bildband klar: Filmcharaktere leben auch durch ihre Kostüme. Die Kostüme sind ein wichtiger Teil des Storytellings. Kleider machen Leute – auch und gerade auch auf der grossen Kinoleinwand.

Hinweis

Christopher Laverty: «Fashion & Film». Englische Originalausgabe: Laurence King Publishing Ltd, London, 2016. Deutsche Übersetzung: Midas Collection beim Midas-Verlag, 2017. ISBN: 978-3-03876-117-4

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