Facebook will in die Büros

Das grösste soziale Netzwerk der Welt will nun auch zu einem Dienstleister für Unternehmen werden. Die neue App «Facebook at Work» soll E-Mail und Intranet überflüssig machen.

John Dyer
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Facebook für die Arbeitswelt. (Bild: ap/Paul Sakuma)

Facebook für die Arbeitswelt. (Bild: ap/Paul Sakuma)

Facebook steht für Spass an der Kommunikation. Jetzt will das Unternehmen aus dem Silicon Valley eine ernste Seite aufziehen. Facebook will einen Dienst für die innerbetriebliche Kommunikation anbieten, der E-Mail und ähnliches ersetzen kann. Die neue App soll den bisher auf Facebook verwendeten so stark ähneln, dass alle seine 1,4 Milliarden Nutzer künftig problemlos ohne zusätzliche Schulung auf die Firmen-App umsteigen könnten.

«Facebook at Work» heisst das neue Angebot, Facebook am Arbeitsplatz. Die Mitarbeiter könnten «effizient kommunizieren und zusammenarbeiten, indem sie die Werkzeuge von Facebook benutzen – viele von denen kennen sie schon, wie News Feed, Groups, messages und Events», heisst es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Beschäftigten könnten Arbeitsgruppen bilden, zu denen nur die an einem Projekt Beteiligten Zugang haben. Das langwierige Versenden von E-Mails entfalle. Texte, Videos, Fotos und Texte seien rascher auszutauschen.

Testlauf ohne Gebühren

«Es ist das Facebook, das jedermann kennt und liebt – aber aufbereitet für den Arbeitsplatz», versichert Lars Rasmussen, ein Facebook-Mitarbeiter, der die App mitentwickelt hat. Intern habe man «Facebook at Work» schon seit Jahren im Gebrauch und wisse, wie man effiziente Zusammenarbeit organisiere.

Eine namentlich nicht genannte Gruppe von Firmen nutzt das Büro-Facebook derzeit unentgeltlich. Am Markt geht man aber davon aus, dass Facebook später eine Nutzungsgebühr verlangen wird, weil der Dienst ohne Anzeigen angeboten wird. Facebook macht dazu noch keine Aussagen.

Die neue App oder Anwendung passt in einen Trend, der seit einigen Monaten in der amerikanischen Technologiebranche zu sehen ist. Microsoft, Gmail, Dropbox und andere haben Anwendungspakete für Unternehmen auf den Markt gebracht. LinkedIn, das soziale Netzwerk für Geschäftskunden, hat kürzlich eine Arbeitsplatzanwendung vorgestellt. Und die Firmen Jive und MangoApps bieten so etwas ebenfalls schon seit geraumer Zeit an.

Vertrauen gewinnen

Der Chef des Facebook-Konkurrenten Huddle, Alastair Mitchell, zweifelt daran, dass die Verantwortlichen in Unternehmen auf ein Produkt zurückgreifen werden, das in seiner Privatversion viele Mitarbeiter durch Plausch und Tausch von Fotos von ihrer Arbeit abhalte. «Da liegt noch ein weiter Weg vor Facebook», sagt Mitchell. Facebook habe sich das Vertrauen von über einer Milliarde privaten Nutzern erworben. Jetzt gelte es, das Vertrauen von Firmenchefs und Managern zu erobern. Und jenes der Verantwortlichen für die elektronische Datenverarbeitung und die Sicherheit.