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FACEBOOK: Die Angst, etwas zu verpassen

Die Kommunikationswissenschafterin Eszter Hargittai hält die Internetnutzer keinesfalls für sorglose Datenlieferer. Sie fühlten sich aber unter Zwang, Teil sozialer Netzwerke zu sein.
Bruno Knellwolf

Interview: Bruno Knellwolf

50 Millionen Facebook-Datensätze sind durch die britische ­Firma Cambridge Analytica missbraucht worden. Dieser Fall scheint sich zwar auf den englischsprachigen Raum zu beschränken. Trotzdem ist klar, dass auch die Daten der Schweizer Internetnutzer für viele ­Zwecke genutzt oder missbraucht werden. Der Zugriff auf die Internetriesen ist allerdings schwierig. Der Schweizer Datenschützer hat schon vor Monaten gefordert, dass die grossen Internetplattformen eine Adresse in der Schweiz haben müssten, um besser belangbar zu sein. Seit eineinhalb Jahren ist Eszter Hargittai Pro­fessorin für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Zürich und Expertin für «Internetnutzung und Gesellschaft». Zuvor war die amerikanische Soziologin Professorin an der Northwestern University in Evanston.

Eszter Hargittai, viele Internet- und Facebook-Nutzer gehen sorglos mit ihren Daten um. Aus reiner Bequemlichkeit?

Sie gehen davon aus, dass sich ­generell viele Menschen nicht um ihre Privatsphäre kümmern. Diese Annahme möchte ich auf Grundlage der Untersuchungen, die ich und andere Wissenschafter gemacht haben, aber in Frage stellen.

Warum bleiben sie denn trotz der Missbrauchsskandale sozialen Netzwerken wie Facebook treu?

Viele Menschen sorgen sich um ihre Privatsphäre. Sie glauben aber nicht, dass sie eine Alter­native zu einer Webseite wie ­Facebook haben. Weil in diesem Netzwerk viel mit ihrem sozialen ­Leben zusammenhängt und manchmal auch mit der geschäftlichen Existenz. Sie wollen dauernd aufdatiert werden, wenn es zum Beispiel darum geht, keine Party zu verpassen. Aber auch um über berufliche Möglichkeiten informiert zu werden. Letzteres ist sicher abhängig von der Branche, aber je nachdem werden ­Jobangebote und geschäftliche Anlässe in sozialen Medien herumgereicht. Manche brauchen soziale Netzwerke auch für ihre berufliche Anerkennung.

Viele wagen nicht, auszusteigen?

Einige glauben, dass sich fehlende Onlinepräsenz negativ auswirkt bei Jobbewerbungen. Weil der Arbeitgeber dann vielleicht daraus schliesse, sie wollten etwas verbergen.

Gibt es weitere Gründe, dass sich Menschen nur schwer von sozialen Netzwerken lösen können?

Viele Internetnutzer sind der Meinung, sie hätten ja nichts zu verbergen und dass sie somit auch nichts verlieren, wenn sie ihre Daten preisgeben. Viele ­dieser Leute realisieren nicht, dass Unternehmen wie Facebook und Google viel mehr Daten über sie besitzen, als dies der gemeine Internetnutzer denkt. Diese Unternehmen können ihre Daten extrapolieren, ohne exakte Informationen zur Person zu haben. Vielleicht hat eine Nutzerin auf der Webseite keine Angaben zu ihrer Sexualität gemacht. Aber basierend auf ihrem Verhalten und den Klicks auf anderen Webseiten können Datenanalysten viele solche intimen Details über eine Person herausfinden.

Heikel ist das vor allem bei Gesundheitsdaten.

Viele Menschen äussern sich zwar sehr besorgt wegen der Öffentlichkeit ihrer Gesundheitsdaten, weil sie sich davor fürchten, dass diese zu einer Diskriminierung führen könnten. Aber sie realisieren nicht, dass auch Informationen, die nicht direkt mit ihrer Gesundheit zu tun haben, intime Details verraten können. Und selbst dann, wenn ihnen das bewusst ist, sagen sie, es sei schwierig, die digitalen Dienste zu beenden, weil die Zugehörigkeit zu sozialen Medien und das Teilen von Informationen mit einer besseren Gesundheitsvorsorge einhergehe.

Die meisten sind also durchaus kritisch?

Die Leute kennen nicht alle Arten von Daten und Details, die Unternehmen und Webseiten von uns haben. Es ist nicht so, dass sie unkritisch sind. Sie verstehen aber nicht, wie diese Systeme funktionieren auf der Ebene der weltweiten Datensammlung und deren Analyse.

Gibt es Alternativen zu sozialen Netzwerken wie Facebook?

Die Idee eines alternativen sozialen Netzwerkes ist schwierig umzusetzen, weil solche Netzwerke abhängig sind von der Zahl der Menschen, die daran beteiligt sind. Je mehr Freunde und Familie auf dem Netzwerk sind, desto mehr Wert hat die Webseite für alle. Also sogar wenn heute jemand die perfekte Social-Network-Webseite starten würde, wäre es für viele schwierig, umzusteigen, weil nicht genug andere Nutzer drauf wären.

Besteht ein Teil des Problems darin, dass es eine deutliche Zunahme von Diensten gibt, welche die Nutzung von Apps erfordern? Zum Beispiel der Ticketverkauf der SBB?

Ja, das ist tatsächlich ein Teil des Problems. Apps sind zwar praktisch. Sie sollten aber weiterhin keine Voraussetzung sein, um ­einen Dienst zu nutzen, also zum Beispiel ein Ticket zu kaufen. Und sie sollten nicht mit Strafkosten belegt werden.

Was heisst das?

Es sollte keine höheren Preise geben für ein SBB-Ticket am Bahnhof-Schalter als auf der App selbst. Zum ersten ermöglicht der Kauf am Schalter eine grössere Anonymität des Kunden. Zum zweiten erfordert die App Fähigkeiten, die vielleicht gar nicht alle haben, die mit dem Zug fahren wollen.

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