ETH-Präsident mit Starstatus

Einmal mehr hatte ETH-Präsident Patrick Aebischer bei der Wahl eines Professoren ganz offensichtlich eine glückliche Hand: Es ist der israelische Hirnforscher Henry Markram, der mit seinem «Human Brain Project» diese Woche eine EU-Milliarde an Land gezogen

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Swiss Patrick Aebischer, President of the Swiss Federal Institute of Technology, EPFL, Ecole Polytechnique Federale de Lausanne during the 43rd Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, January 24, 2013. The overarching theme of the meeting, which will take place from 23 to 27 January, is "Resilient Dynamism". (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

Swiss Patrick Aebischer, President of the Swiss Federal Institute of Technology, EPFL, Ecole Polytechnique Federale de Lausanne during the 43rd Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, January 24, 2013. The overarching theme of the meeting, which will take place from 23 to 27 January, is "Resilient Dynamism". (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

Einmal mehr hatte ETH-Präsident Patrick Aebischer bei der Wahl eines Professoren ganz offensichtlich eine glückliche Hand: Es ist der israelische Hirnforscher Henry Markram, der mit seinem «Human Brain Project» diese Woche eine EU-Milliarde an Land gezogen hat. Oder vielleicht sollte man besser sagen: Es ist kein Zufall, dass einer wie Markram die ETH Lausanne als Standort für sein Institut gewählt hat. Denn seit Aebischer im Jahr 2000 in Lausanne das Steuer übernommen hat, ist die vormals brave Ingenieurschule nicht wiederzuerkennen.

Mit der EPFL hoch hinaus

Entschlossen hat der Biomediziner die Aufgabe angepackt, die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) zu einer echten technischen Hochschule umzubauen. Zunächst wurden die Fächer Chemie, Physik und Mathematik von der Universität Lausanne an die EPFL gezügelt, danach das Krebsforschungsinstitut Isrec und das Institut für Mikrotechnologie in Neuenburg in die EPFL integriert. Doch Aebischer wäre nicht Aebischer, wollte er nicht noch viel weiter und höher hinaus. «Die beste Universität der Welt» will er aus der EPFL machen, einen interaktiven Campus, auf dem es von Forschern, Studenten und Professoren wimmelt wie in einem Ameisenhaufen nach amerikanischem Vorbild.

Der gebürtige Freiburger hat zehn Jahre in den USA an der Brown University verbracht und aus seiner Liebe zum amerikanischen Campus-Leben und zum angelsächsischen Modell nie ein Geheimnis gemacht. Wer am Standort der EPFL im Vorort Ecublens vorbeifährt, hat sich denn auch längst daran gewöhnt, dass immer irgendwo ein Bagger oder ein Baukran steht – und vielleicht auch der 58jährige Aebischer mittendrin mit einem gelben Helm auf dem Kopf, wenn er gerade wieder strahlend einen Neubau einweiht. Wohnraum für tausend Studenten, ein Hotel, ein Kongresszentrum, Restaurants, Dutzende Start-ups im Parc Scientifique und für den Technologietransfer gleich auch ein Innovationsquartier mit Platz für Forschungszentren von nationalen und internationalen Unternehmen: Aebischer legt ein rasantes Tempo vor.

Ein exzellenter Networker

Mit Bundesgeldern wäre der ehrgeizige Ausbau nicht zu bewerkstelligen, darum hat der EPFL-Präsident früh auf «Networking» und die Akquisition von Sponsorengeldern gesetzt. Sie decken denn auch den Grossteil der Kosten für den neuen Campus. Herausragendes Beispiel ist das von japanischen Architekten entworfene, wellenförmige Rolex Learning Center. Auch das Innovationsquartier wird hauptsächlich vom Immobilienfonds der UBS finanziert. Für die lokale Verankerung der EPFL holte Aebischer welsche Wirtschaftskapitäne wie Borel und Kudelski in den Strategierat, und vor publikumswirksamen Projekten scheut er nicht zurück. Man denke nur an die Zusammenarbeit mit Bertarelli für Alinghi.

Unumstritten ist der ETH-Präsident mit Starstatus natürlich nicht. Doch das nimmt der Sohn einer Künstlerfamilie gelassen, umso mehr, wenn die Kritik aus Zürich kommt. «Wir haben verschiedene Kulturen», sagt er gerne, und das sei gut. «Unsere Schulen ergänzen sich.» Denise Lachat