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ESSENS-SERIE: Achtung Lebensmittel – jedes kann eine Allergie auslösen

Machen Lebensmittel krank? Beinahe könnte man es vermuten, wenn man die Diskussionen um das richtige Essen verfolgt. Tatsächlich kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. Die häufigste Lebensmittel-Allergie ist allerdings harmlos. Teil 2 unserer Essens-Serie.
Bruno Knellwolf
Im Prinzip kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. (Symbolbild) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Im Prinzip kann jedes Lebensmittel eine Allergie auslösen. (Symbolbild) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Die Verunsicherung ist gross. «Was darf ich denn noch essen?», fragen sich viele. Und wenn acht Menschen am gleichen Tisch sitzen, will diese die Milch meiden, der andere die Erdbeeren. Vermutet wird dahinter eine Lebensmittel-Allergie oder eine Intoleranz und oft werden die beiden Ursachen sogar noch verwechselt.

Denn eine Allergie und eine Intoleranz sind nicht dasselbe, wie Karin Stalder vom Allergiezentrum Schweiz (Aha!) in Bern erklärt. Eine Allergie ist eine Re­aktion des Immunsystems auf einen ­Eiweiss-Bestandteil. Eine Lebensmittel-Intoleranz dagegen eine Reaktion auf das Eiweiss Gluten oder häufiger auf ­Zucker, auf Fructose oder Laktose. Letzteres ist Milchzucker, weshalb von Laktose-Intoleranz gesprochen wird. Der Milchzucker wird gespalten und führt im Magen-Darm-Trakt zu Beschwerden wie Durchfall und Blähungen – die häufigste Unverträglichkeit bei Erwachsenen. Die Beschwerden sind dabei auf Magen und Darm beschränkt und lösen nicht Juckreiz und Schwellungen aus, was für eine Allergie typisch ist.

Schuld an der allergischen Reaktion ist das im Nahrungsmittel enthaltene Eiweiss. Dieses wird beim Essen im Magen-Darm-Trakt aufgenommen, gelangt ins Blut und wird von den Immunzellen emp­fangen. Darin erkennen die Antikörper im Blut eines Allergikers die entsprechenden Allergene. Das Immunsystem stellt auf Alarm und will das Allergen bekämpfen. Sogenannte Mastzellen in der Haut und in den Schleimhäuten senden deshalb Botenstoffe aus, die dann im Körper ausgeschüttet, Juckreiz und Schwellungen erzeugen.


Jedes Lebensmittel kann eine Allergie auslösen

Und die schlechte Nachricht: Jedes Lebensmittel kann im Prinzip eine Allergie auslösen, wenn ein Eiweiss darin steckt. «Bei Kleinkindern sind Milch- und Ei-­Allergien am häufigsten. Diese bilden sich aber im Laufe der Jahre zurück», sagt die Allergie-Beraterin. Bei den Erwachsenen ist überraschend die Apfel-Allergie am meisten verbreitet. Danach folgen Allergien auf Nüsse, andere Früchte und Gemüse, dabei am häufigsten auf Sellerie. Die so häufige Apfel­allergie löst primär Reaktionen im Mund aus, auf Zunge und Lippen, die schwellen und jucken. Die Beschwerden der Apfelallergie gehen in der Regel innert Mi­nuten weg. Nicht alle Allergien sind so harmlos und die Liste der Symptome ist lang: Gerötete Augen und Haut, Nesselfieber sowie alle Formen von Magen-Darm-Beschwerden und sogar Atemweg- und Kreislaufreaktionen. Schwellungen im Bereich des Kehlkopfs, asthmatische Reaktionen, schneller Puls und Bluthochdruck können gar tödlich sein. Von einer solch schweren Allergie spricht man, wenn mehrere Organsysteme gleichzeitig betroffen sind. «Unterschiedliche Lebensmittel können der Auslöser sein. Am ehesten Erdnuss, Fisch, Krustentiere, Wal- und Haselnüsse, Soja, Milch und Ei», sagt Stalder.

Nicht jeder, der in einen Apfel beisst, weiss, dass er an einer Apfelallergie leidet und lebt damit. Andere vermuten dagegen eine Allergie, wo gar keine ist und scheuen weder Aufwand noch Kosten, um ja nicht einen falschen Happen zu er­wischen. Deshalb wird der Verdacht, wir seien übervorsichtig und ein Volk von Hyper-Allergikern, oft diskutiert. «Es gibt einen Trend dazu, gewisse Nahrungsmittel aus Angst wegzulassen. Weniger wegen möglicher Allergien, sondern ­wegen möglicher Intoleranzen», sagt Stalder. Zum Beispiel wegen des Gluten-Hypes, der aus den USA nach Europa übergeschwappt ist. Gluten ist ein Weizenbestandteil, dessen Wirkung auf den Menschen aber nicht restlos geklärt ist. Die glutenfreien Ersatzprodukte ver­kaufen sich gut und sind ein Geschäft. Der Verzicht findet viele Nachahmer, ­deren Leben sich deswegen arg kompliziert.

«Manchmal werden in Produkte Probleme hineininterpretiert», sagt Stalder. Zum Beispiel gibt es Vermutungen, der Verzicht auf Gluten führe zu Gewichtsverlust. Der Diäteffekt hat aber wohl eine andere Ursache: Das glutenfreie Brot schmeckt vielen nicht und deshalb essen sie weniger davon. Die Verunsicherung bei den Esserinnen habe aber nicht nur mit Allergien und Intoleranzen zu tun, sondern auch mit Pestizid- und Lebensmittel-Skandalen. «Wir sagen ganz klar, wenn man auf ein Lebensmittel nicht ­reagiert, sollte man nichts weglassen», sagt Stalder. Die Frage, ob der moderne Mensch empfindlicher ist auf Allergien, ist nicht geklärt. Wissenschaftlich erhärtet ist, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, weniger Allergien entwickeln. «Kontakt mit verschiedenen Tieren hat einen schützenden Effekt. Daraus ist die Hygiene-Hypothese entstanden, nach der unser Immunsystem Herausforderungen braucht, um sich wehren zu können.»

Allergien sind erblich

Unsere Allergie-Empfindlichkeit erben wir zu einem guten Stück. Leiden beide Elternteile an einer Allergie, wird das Kind das mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent auch tun. «Es kann aber auch jemand spontan eine Allergie entwickeln ohne erbliche Vorbelastung», sagt Stalder. Dafür gibt es ein Risiko von 15 Prozent. Mit einem Bluttest lässt sich eine Allergie feststellen. Gemessen werden die Antikörper im Blut. Eine andere Möglichkeit ist ein Hauttest. Verläuft der Allergietest positiv, ist es allerdings nicht zwingend, dass der Betroffene auch wirklich an der Allergie leiden muss. Eine Laktose-Intoleranz hingegen kann über einen Atemtest festgestellt werden, weil der nicht verdaute Milchzucker ein bestimmtes Gas im Körper erzeugt. Wer eine Allergie oder Unverträglichkeit hat und nicht leiden will, muss konsequenterweise auf das «gefährliche» Lebensmittel verzichten. «Gegen Allergien gibt es keine Medikamente», sagt Karin Stalder vom Allergiezentrum.


Hinweis

www.aha.ch

Unser Essen

Was auf unseren Tellern landet, füllt nicht nur unsere Mägen, es definiert unseren Lebensstil, verändert die Umwelt, beschäftigt die Politik und die Medizin. In einer sechsteiligen Artikelserie werden wir «Unser Essen» ganz genau unter die Lupe nehmen.

Teil 1: Gott auf dem Teller.Lesen Sie hier.

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